Wave

05. August 2010 09:35; Akt: 05.08.2010 11:52 Print

Google lässt die Welle versanden

Und noch ein Flop: Nach knapp einem Jahr hat der Suchmaschinenriese sein ehrgeiziges Projekt Wave eingestellt.

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Selbst dem erfolgsverwöhnten Suchmaschinenanbieter gelingt nicht alles. Hier sind die grössten Flops aus zehn Jahren. Schon mal von Orkut gehört? Nein? Vielleicht liegt es daran, dass Sie niemanden kennen, der in Googles sozialem Netzwerk Mitglied ist. Obwohl: In Brasilien und Indien ist es die Nummer 1. Google Checkout sollte dem Online-Bezahldienst PayPal ernsthaft Konkurrenz machen. Bislang ist dies nicht gelungen. Nexus One: Das erste Google-Smartphone wurde als der iPhone-Killer angepriesen. Nur sechs Monate nach der Markteinführung hat Google per Mini-Blogpost das Aus des Nexus One verkündet. Die Verkaufszahlen waren offenbar zu schlecht. Seit der Suchmaschinenanbieter YouTube kaufte, braucht niemand mehr Google Video. Das Portal findet mittlerweile auch Clips von YouTube. Bei der Einführung im September 2009 wurde Google Wave als Kommunikationstechnik der Zukunft angekündigt. Nur ein Jahr später wurde bereits das Aus verkündet. «Nutzlos und unsicher» war der Web Accelerator nicht nur nach Meinung der Tester von netzwelt.de. Eigentlich sollte das Tool für schnelleres Surfen sorgen. Es wird heute nicht mehr weiterentwickelt. Google X zeigte Symbole im Design von Apples Betriebssystem. Doch über ein Nischendasein ist die Innovation nicht hinausgekommen. Antworten von erfahrenen Nutzer und dafür bezahlen? Das wollte kaum jemand. Google Answers wurde eingestellt. Wer braucht den Google Video Player, wenn dieser nichts Besonderes kann? Das Tool spielt keine Rolle mehr in Googles Plänen. Google Catalogs ist eine Suchfunktion für Technikprodukte. Es hat sich dort aber seit längerem kaum noch etwas getan. Zunächst hiess es Froogle, dann wurde es in Produktsuche umbenannt. Doch gegen die grossen Preisvergleichsseiten konnte sich das Angebot bislang nicht durchsetzen. Lively sollte eine Alternative zu Second Life werden. Doch zum 31. Dezember wird Googles virtuelle Welt dichtgemacht.

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Fehler gesehen?

«Wave ist von den Nutzern nicht so angenommen worden, wie wir das gern gesehen hätten», teilte Google am Mittwoch in seinem Firmenblog mit. Bei der Einführung im September vergangenen Jahres hatte Google erklärt, Wave sei wie E-Mail, «wenn sie heute neu erfunden würde». Im Zentrum dieser Kommunikationstechnik steht die sogenannte Wave, die als dynamisches Element auf einem Google-Server gespeichert wird. Mehrere Teilnehmer können gemeinsam an einem Dokument arbeiten. 20 Minuten Online konnte im vergangenen Oktober als erstes Schweizer Medium den Dienst testen, das Fazit viel durchzogen aus. Für die bestehenden Nutzer soll der Server für Google Wave bis Ende des Jahres noch verfügbar sein. Als eigenständiges Produkt wird Wave aber eingestellt.

Erst Mitte Juli hat der Suchmaschinenriese in einem etwas minimalistisch geratenen Blogpost das Aus für das erste Google-Handy Nexus One mitgeteilt (20 Minuten Online berichtete). Dass man sich nur sechs Monate nach dem Verkaufsstart zu diesem Schritt gezwungen sah, macht deutlich, wie enttäuschend die Verkaufszahlen gewesen sein müssen. Die Erwartungen waren wohl etwas zu hoch angesetzt, Google wollte im ersten Jahr rund 3,5 Millionen Geräte verkaufen.

Dafür stösst ihr Smartphone-Betriebssystem Android auf grosse Akzeptanz. Im zweiten Quartal 2010 wurden in den USA erstmals mehr Smartphones mit Googles als Apples Betriebssystem verkauft. Dabei sollen rund 27 verkauften Smartphones Android-Geräte gewesen sein. CEO Eric Schmidt sagte gestern, dass pro Tag 200 000 Android-Handys verkauft würden. Im vergangenen Mai soll es noch 100 000 gewesen sein.

Google auf Einkaufstour

Die Anzeichen, dass Google an einem Facebook-Konkurrenten arbeitet, mehren sich. Das Wall Street Journal hatte Ende Juli geschrieben, dass der Suchmaschinenriese eine Game-Community aus dem Boden stampfen will, die zu einer Social-Community ausgebaut werden soll (20 Minuten Online berichtete). Nun will der Tech-Blog techcrunch.com erfahren haben, dass Google dafür die App-Entwickler-Bude Slide für 182 Millionen US-Dollar übernommen haben soll. Sie wurde von PayPal-Mitbegründer Max Levchin aufgebaut. Am marktführenden Online-Spiele-Entwickler Zynga soll Google bereits mit 100 Millionen US-Dollar beteiligt sein. Von Unternehmensseite wurde dies aber nie bestätigt. CEO Eric Schmidt sagte jedoch in einem WSJ-Interview, dass davon ausgegangen werden kann, dass es in Zukunft zu einer Partnerschaft mit Zynga kommen werde.

Chefjurist platzt der Kragen

Deutsche Verlagshäuser fordern von Suchmaschinenbetreibern wie Google Geld, weil Artikel über Links einem Millionenpublikum kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Als Reaktion darauf hat nun Google-Chefjurist Arnd Haller auf dem Mediendienst carta.info seinem Ärger freien Lauf gelassen: «Die deutschen Verlagshäuser beanspruchen eine Sonderrolle: sie wollen für die externe Hilfestellung durch die Suchmaschinen nicht nur nichts bezahlen, sondern hierfür auch noch abkassieren. Dies ist zumindest systemwidrig, schlichter gesagt: dreist.» Schliesslichh sei kein Verlag sei gezwungen, Inhalte überhaupt ins Netz zu stellen, noch sie kostenlos anzubieten.

Illegal gebaute Pools aufgespürt

Im US-Staat New York verwenden die Baurechtsbehörden Googles Kartendienst Earth um illegal gebaute Swimmingpools zu finden und deren Besitzer zu büssen, schreibt der US-Techblog gizmodo.com. Dadurch seien bislang Bussgelder in der Höhe von 75 000 US-Dollar zusammengekommen. Die Beamten rechtfertigen ihr Vorgehen damit, dass es zu ihrem Auftrag gehöre, die Einhaltung von geltenden Sicherheitsbestimmungen zu überwachen.

Per Blogeintrag wurde gestern mitgeteilt, dass Unternehmer, zu deren Geschäft Google-Maps-User Kommentare verfassen, direkt darauf reagieren können. Ihre Reaktion erscheint ebenfalls in der Kommentarfunktion.

(mbu/sda)