Google im Umbruch

15. März 2012 09:40; Akt: 15.03.2012 13:33 Print

Geheime Suchformel wird überarbeitet

Der Suchmaschinen-Konzern will einem Bericht des «Wall Street Journals» zufolge in Zukunft auf Fragen der Nutzer eingehen.

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Google verbessert seine Suche grundlegend. Die Nutzer sollen künftig tatsächlich Antworten auf ihre der Suchmaschine gestellten Fragen erhalten.

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Antworten statt Links: Die Suchformel des Internetgiganten Google steht offenbar vor der grössten Veränderung in der Geschichte des Unternehmens. Wie das «Wall Street Journal» berichtete, soll die Suchmaschine künftig tatsächlich Antworten auf die Fragen ihrer Nutzer liefern können. Google würde dann seine Links auf Webseiten und Fotos für «Wer ist die Bundespräsidentin der Schweiz?» mit Eveline Widmer-Schlumpf verknüpfen - und auch die direkte Antwort notieren.

Als Beispiel führt die Zeitung eine Suche nach dem Begriff «Lake Tahoe» auf. Statt langen Linklisten würden künftig zunächst die Fakten aufgeführt, die Google über den See auf der Grenze der US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien kennt. Das wären die Details wie die Lage und Höhe des Sees oder die Durchschnittstemperatur und der Salzgehalts des Wassers.

Seine Quelle gibt das «Wall Street Journal» nicht preis. Es handle sich um gut mit dem Vorgang vertraute Personen. Google wolle ausserdem seine sogenannte semantische Suche verbessern. Dabei «versteht» eine Suchmaschine die Bedeutung von Suchbegriffen, etwa indem sie aus früheren Abfragen eines Nutzers dessen Vorlieben erfasst. Bei der Eingabe von «Jaguar» in die Suchmaske könnte Google also letztlich erahnen, ob ein Nutzer nach dem Tier oder nach der gleichlautenden Automarke sucht. Wie das «Wall Street Journal» weiter berichtete, könnten zwanzig Prozent der Suchen betroffen sein.

Google droht bei intelligenter Suche neue Konkurrenz

Google dominiert den Bereich der Internetsuche seit Jahren in vielen Ländern, darunter im Heimatmarkt USA, aber auch in der Schweiz. Doch vor allem mit der Idee, auf die Fragen von Nutzern einzugehen, droht Google Konkurrenz. Der Technologieriese Apple etwa ermöglicht es den Nutzern seiner iPhones, der eigenen Such-Applikation Siri Fragen zu stellen.

Die digitale Assistentin weiss etwa Antworten auf «Brauche ich heute in Bern einen Regenschirm?» oder «Wie steht die Apple-Aktie?», weil sie auch aktuelle Wetter- und Börsendaten auswertet. Für die klassische Suche im Internet greift Siri allerdings bislang auf Google zurück.

Bing und Facebook

Auch Microsofts Suchmaschine Bing bietet zunehmend Antworten statt bloss reine Links. Hinzu kommt, dass auch das von etwa 850 Millionen Menschen genutzte soziale Netzwerk Facebook über grosse Mengen an Informationen über Menschen, Orte und Produkte verfügt. Diese liessen sich ebenfalls für individualisierte Suchtreffer auswerten.

Facebook kooperiert bereits in ersten Zügen nicht mit Google, sondern mit Bing. Bing-Betreiber Microsoft ist wiederum an Facebook beteiligt.

Ähnlich funktioniert bereits die Suchmaschine Wolfram Alpha. Die neue semantische Suche könne zehn bis 20 Prozent aller Suchanfragen bei Google betreffen. Google wollte zunächst keine Stellungnahme geben. Inzwischen hat aber ein deutscher Sprecher des Unternehmens den Bericht bestätigt.

(ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.S. am 15.03.2012 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Privatsphäre?

    Gefällt mir nicht so ganz wie sich das entwickelt, bald weiss jeder alles über mich? Wo bleibt die Privatsphäre? WhatsApp und andere Programme kennen meine Telefonnummer selbst wenn ich sie ihnen nicht angebe, den meine Freunde übergeben ja ihr gesamtes Telefonbuch so wie ich das verstanden habe. Wie soll man sich da in Zukunft vor den immer aufdringlichen Informationsdurst der Firmen schützen?

  • Tina Meier am 15.03.2012 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke!

    Wie liefert man den Beweis, dass die Frage korrekt beantwortet wird? Die Wahrheit spielt in Zukunft wohl keine Rolle mehr, sondern wer für die Platz-1-Antwort die meiste Kohle bezahlt hat!

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  • Joggi am 15.03.2012 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    «Wer ist die Bundespräsidentin der Schweiz?» bei Google eingeben und Bilder anklicken. Unter andrem kommt Gadaffi :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.S. am 15.03.2012 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Privatsphäre?

    Gefällt mir nicht so ganz wie sich das entwickelt, bald weiss jeder alles über mich? Wo bleibt die Privatsphäre? WhatsApp und andere Programme kennen meine Telefonnummer selbst wenn ich sie ihnen nicht angebe, den meine Freunde übergeben ja ihr gesamtes Telefonbuch so wie ich das verstanden habe. Wie soll man sich da in Zukunft vor den immer aufdringlichen Informationsdurst der Firmen schützen?

  • D.D. am 15.03.2012 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volksverblödung

    Genau...dann heisst es nicht mehr: Wir denken nach, sondern wir googeln nach. » Verblödung der Gesellschaft. Wofür dann noch die Schule besuchen? Ein Laptop oder Tablet mit Netzwerk + Google ist ausreichend.

    • doosie am 15.03.2012 13:35 Report Diesen Beitrag melden

      Bildung

      Gebildet ist, wer weiß, wo er findet, was er nicht weiß. Georg Simmel

    • Wissen ist Macht am 15.03.2012 14:26 Report Diesen Beitrag melden

      Implikationen

      Dann würden sie sich sicher auch sehr wohl fühlen bei einem Arzt, der zuerst bei Wikipedia Herzoperation nachschlagen muss bevor er sie operiert, nicht?

    • pen silvania am 15.03.2012 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ja klar

      wissen besteht darin auch die gesammelten informationen zu verknüpfen

    • Freidenker am 15.03.2012 15:49 Report Diesen Beitrag melden

      Herr Dr.

      Wer sich selber informiert statt informiert zu werden, entgeht dem Risiko manipuliert zu werden..

    • Elm5ix am 19.03.2012 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Freidenker

      Sie haben völlig Recht. Nur filtert z.B. Google ihre Suchanfragen immer mehr nach ihrem vergangenen Verhalten. Dies verhindert zukünftige Such- oder Wissensänderungen ihrerseits. Sie werden "getunnelt". .... und schlussendlich noch massiv mehr manipulierbarer wie heute.

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  • Tina Meier am 15.03.2012 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke!

    Wie liefert man den Beweis, dass die Frage korrekt beantwortet wird? Die Wahrheit spielt in Zukunft wohl keine Rolle mehr, sondern wer für die Platz-1-Antwort die meiste Kohle bezahlt hat!

    • Freidenker am 15.03.2012 15:46 Report Diesen Beitrag melden

      Herr Dr.

      Indem man ganz einfach intelligent, die Antwort mehrfach überprüft. Hab schon einiges gelernt im Internet!!

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  • Joggi am 15.03.2012 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    «Wer ist die Bundespräsidentin der Schweiz?» bei Google eingeben und Bilder anklicken. Unter andrem kommt Gadaffi :-)

    • Simo am 15.03.2012 14:27 Report Diesen Beitrag melden

      hahahaaa

      hahaha... der ist echt gut ;)

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  • A.H. am 15.03.2012 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Alter Hut!

    Siri ist noch lange nicht ausgereift. Die Idee von Google alles andere als neu. Der Vorreiter der Wissenssuchmaschinen ist für mich ganz klar Wolfram Alpha (An der muss jede ambitionierte Suchmaschine der Zukunft erst vorbei.