Street-View-Reaktionen

08. Juni 2012 15:07; Akt: 08.06.2012 16:07 Print

«Schweizer Recht gilt auch für US-Konzerne»

Mit dem Urteil des Bundesgerichts in der Causa Google Street View sind nicht alle Schweizer Politiker vollends zufrieden. Und Schweiz Tourismus schweigt lieber.

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Die Reaktionen der Politiker auf den Street-View-Entscheid reichen von «wenig überraschend» bis «absurd». (Bild: Screenshot Street View)

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FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen begrüsst das Urteil des Bundesgerichts. Er ist froh, dass Google Street View in der Schweiz weiter bestehen kann: «Es ist gut, dass man sich von der absoluten Forderung der 100-prozentigen Anonymisierung gelöst, aber auf der anderen Seite deutliche Spielregeln festgelegt hat. Damit wahrt die Schweiz den Draht zur Online-Zukunft.» Solche Applikationen seien wichtig, um hierzulande innovative Produkte nicht nur zu verwenden, sondern auch weiterzuentwickeln, so der Politiker.

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Für seinen Nationalratskollegen Filippo Leutenegger ist das Urteil wenig überraschend. «Es handelt sich dabei um einen typisch schweizerischen Kompromiss», sagt er gegenüber 20 Minuten Online. So richtig freuen kann er sich darüber nicht.

Dass die Anonymisierung bei Street-View-Aufnahmen in der Umgebung sensibler Einrichtungen zu 100 Prozent gewährleistet werden muss, hält er schlicht und einfach für absurd. «Fernsehjournalisten und Fotoreporter müssten bei allen Aufnahmen im öffentlichen Raum sämtliche Gesichter und Nummernschilder unkenntlich machen oder aber die betroffenen Personen um ihre ausdrückliche Erlaubnis fragen», so Leutenegger.

«Wichtig sind die Privatbereiche»

Die Berner SP-Nationalrätin Ursula Wyss meint dazu: «Der Entscheid ist ein erster Schritt zu einem verbesserten Datenschutz. Wichtig sind die Privatbereiche wie Gärten oder Innenhöfe sowie sensible Bereiche. Diese werden besser geschützt.»

Die Piratenpartei Schweiz stuft den Entscheid als guten Kompromiss zwischen Privatsphäre und öffentlichen Interessen ein und schreibt in einer Pressemitteilung: «Die Piratenpartei ist sehr zufrieden mit dem Urteil des Bundesgerichts, welches die feine Linie zwischen
Datenschutz und öffentlichem Interesse nun höchstrichterlich definiert hat.» Auch Konzerne dürften sich nicht über geltendes Recht hinwegsetzen.

«Kein Kommentar»

Bei Schweiz Tourismus will man den Entscheid des Bundesgerichts nicht kommentieren. Die Medienstelle lässt lediglich verlauten: «Google Street View ist weltweit ein Online-Service mit sehr hohem Wert für alle Gäste, die die Schweiz entdecken möchten, ein definitives Plus für die touristische Schweiz und deren Online-Präsenz.»

(mbu/dsc)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Habe das gefühl für die meisten Leute ist das hier wie ne Diskussion übers Loch-Ness Monster. Niemand hats gesehn, aber alle wissen genau wies ist. Seid ihr dem Google Auto mal begegnet??! Das ist nicht einfach ein normaler PKW, sondern ein grösseres Auto mit ner 2m Antenne und nem gigantischen Ball oben drauf. Das Auto erkennt man aus 500m, und kann ihm ohne Probleme ausm Weg gehn. Wer das Auto sieht und trotzdem noch ins Puff davor geht, kann das genau so gut auch vor seiner Frau machen. – Pascal Free

Google könnte einen Ort einfach mehrfach zeitlich verschoben aufnehmen und wegfiltern was nicht auf allen Bildern ist. Es scheint dass das zu teuer ist, also sollen sie halt die Handarbeit machen.... – Michael

Also, sie sagen, dass das was Google macht, ist völlig harmlos? Entweder arbeiten Sie für Google oder irgendwie ist Naivität im Spiel. Es muss ja nicht nur Google sein, die im Hintergrund Daten verknüpfen, das können auch andere und zwar mit Bilder von Google. Gesichtserkennungssoftware die automatisch im Internet Bilder nach Gesichtern scannt, gibt es bereits. Ich hoffe, sie können zu jedem Bild stehen, auf dem Sie zu finden sind oder wissen sie gar nicht, ob ein Bild auf dem Internet zu finden ist, dass sie gar nicht hier sehen möchten. – Peter Beton

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fruchtjoghurt am 08.06.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Super, endlich mal ein vernünftiger Entscheid! Alle schreien nach Datenschutz hier und da. Und am Abend sitzen sie im Facebook und da wird gepostet, was das Zeug hällt!

    einklappen einklappen
  • Georg am 08.06.2012 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Undemokratisch

    und der Schweiz nicht würdig. Google hat in jedem Haushalt schriftlich anzufragen ob das Fotografieren des Gebäudes erlaubt ist. Darüber kann kein Gericht der Welt sich hinwegsetzen weil es sich sonst respektlos gegenüber dem Souverän verhält und seine Rechte missachtet.

  • F.K. am 08.06.2012 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seid doch froh...

    habt ihr solche Luxusprobleme. Wenn dann die Wirtschaft ganz zusammenbricht interessiert Street View eh keinen mehr...

Die neusten Leser-Kommentare

  • eichhorn am 11.06.2012 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist das grosse Problem?

    Ich verstehe nicht, was das grosse Problem bei der Sache ist... Wie viele von euch Genervten haben drn wirklich schon mal ein Google Street View Auto vorbeifahren sehen? Und wenn schon, was ist da dabei...? azum grössten Teil werden die Gesichter ja sowieso unerkennbar gemacht.

  • Dr. Peter M. am 11.06.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Schweiz!

    Früher konnten Menschen noch Karten lesen. Heute wissen sie ohne iPhone & Co. nicht mal mehr in welcher Stadt sie sind. Die digitale Verblödung ist ansteckender als die Schweinegrippe und kaum einer unternimmt etwas dagegen. Besten Dank Herr Thür!!!!!!!

  • Koni am 11.06.2012 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegschauen!

    Street-View kann auch nützlich sein für den Tourismus! Wenn das überaus auffällige Street-View Auto vorbei fährt, kann man ja kurz weg sehen!

  • Martin am 10.06.2012 03:36 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Befund vom Bundesgericht!

    Lest mal die Bundesverfassung. Schutz der Privat und Intimsphäre (Art. 13). Ich darf von der CH erwarten, dass ich mich unbeobachtet an jedem Ort aufhalten kann, wo ich will. Es geht niemanden etwas an, sofern ich nicht im Verdacht stehe, ein kriminelles Delikt begangen zu haben. Es geht mir auf die Nerven, dass man allmählich von allen Seiten beobachtet wird; wer weiss, was damit alles für Missbrauch betrieben wird? Auch die vielen Webcams stören mich. Zur Zeit sind sie so installiert, dass man niemanden erkennen kann, aber wie lange noch?

  • mr. unbekannt am 10.06.2012 00:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unnötiger prozess

    wenn man nicht erkannt werden will dann soll man zuhause bleiben! jeder kann auf die strasse gehen und einen anschauen und er wird auch nicht gerade verklagt^^