Risikokapital

04. Mai 2010 13:50; Akt: 04.05.2010 14:27 Print

Das plant Google für die Zukunft

von Henning Steier - Der grösste Suchmaschinenanbieter will weit mehr sein als dies. Daher investiert das Unternehmen in Öko-Autos, Windenergie und eine Kristallkugel fürs Internet.

storybild

Google: Risikokapital für zehn Unternehmen

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bereits im März 2009 hatte der Suchmaschinist mit Google Ventures einen eigenen Risikokapital-Fonds gegründet. «Wir befinden uns in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, aber gute Ideen entstehen immer. Wir sind überzeugt, dass die Rezession der ideale Zeitpunkt ist, um in aufstrebende Unternehmen zu investieren», schrieben die Leiter Rich Miner und Bill Maris damals im firmeneigenen Blog. Der Fonds wurde mit etwa 100 Millionen US-Dollar ausgestattet.

Nun hat das Unternehmen auf der Website nicht nur Informationen zum Team, sondern auch weiter führende zu den Beteiligungen bereit gestellt. Zehn Unternehmen werden auf der Seite erwähnt. Neuestes ist Corduro, welches 2008 gegründet wurde. Es kümmert sich um Zahlungen im Web, mit dem Smartphone, aber auch an der Ladenkasse.

Sprit sparen und Datenflüsse vorhersehen

Bekannt waren bislang unter anderem Googles Investitionen in das webbasierte Sprachenlernangebot English Central, die Geogaming-Plattform SCVNGR sowie Pixazza. Das Start-up baut Werbung in Bilder ein. Berührt der Surfer sie mit dem Cursor, wird ein Fenster geöffnet, über das sich Produkte wie das Kleid des Hollywoodstars auf dem Foto direkt online bestellen lassen. Neu für die Öffentlichkeit sind hingegen die Investments in OpenCandy, Recorded Future und V-Vehicle. Erstgenanntes Unternehmen lässt Softwareanbieter Werbung für Programme von Drittanbietern integrieren, so dass sie potenziellen Kunden angezeigt wird, wenn sie beispielsweise Freeware installieren.

Das Start-Up Recorded Future entwickelt eine Technologie, dank der sich herausfinden lässt, wo und wann eine Information erstmals im Web erschien und wie sie sich verbreitete. Daraus soll man Rückschlüsse für die Zukunft ziehen und Kommunikationswege besser planen können. Über V-Vehicle ist bislang nicht viel bekannt geworden - im Wesentlichen, dass die Firma aus dem Bundesstaat Louisiana an einem Öko-Auto für den Massenmarkt arbeitet, das in den Vereinigten Staaten produziert werden soll.

AdMob-Übernahme vor dem Scheitern?

Investitionen sind das Eine, das Kerngeschäft das Andere - und dies besteht bei Google immer noch zu über 90 Prozent aus Erlösen mit Onlinewerbung. Hier will der Marktführer seine Position durch die im November 2009 angekündigte Übernahme des Werbenetzwerkes AdMob stärken. Allerdings steht die Zustimmung der US-Wettbewerbshüter noch aus. Allerdings will Kara Swisher vom «Wall Street Journal» erfahren haben, dass die Federal Trade Commission (FTC) den Deal wohl nicht absegnen wird. Die Journalistin beruft sich dabei auf mehrere mit der Angelegenheit betraute Quellen. Grund soll die beherrschende Stellung Googles im Web sein. Das Unternehmen verzeichnet in den wichtigsten Märkten im Durchschnitt mehr als zwei Drittel aller Suchanfragen. Swisher überdies erfahren haben, dass die FTC ihre Entscheidung nächste Woche bekannt geben will.

Vom Konkurrenten Apple waren kürzlich Details zu dessen für Apps geplante Werbeplattform iAd durchgesickert, die allerdings noch nicht offiziell bestätigt wurden. Demnach sollen Werbetreibende Anzeigen für mindestens eine Million Dollar schalten müssen sollen, um dabei zu sein. In der Branche sind Paketpreise von 100 000 bis 200 000 Dollar die Regel. Wer zu den ersten Teilnehmern gehören möchte, soll zusätzlich bis zehn Millionen Dollar auf den Tisch legen müssen. Für die Einblendung eines Banners in einer App sollen die werbenden Unternehmen einen Cent zahlen müssen. Falls ein User darauf klickt, füllt die Werbung das ganze Display aus und präsentiert beispielsweise weitere Daten zum Produkt oder Mini-Games. Für jeden Klick will Apple vom Werbekunden zwei Dollar erhalten. 40 Prozent vom ganzen Umsatz behält der Apfel-Konzern, der Rest geht an den jeweiligen Entwickler.

Saubere Energie für Rechenzentren

Google versucht seit längerem, sich abseits des klassischen Suchgeschäfts, weitere Standbeine aufzubauen. Wie 20 Minuten Online heute berichtete, investiert das Unternehmen 38,8 Millionen Dollar in saubere Energie. Der Konzern beteiligt sich an zwei Windparks, die über eine Leistung von insgesamt 169,5 Megawatt verfügen. Damit können 55 000 Haushalte versorgt werden. Die Windparks befinden sich im US-Bundesstaat North Dakota, dessen Ebenen laut Google eine der windreichsten Regionen weltweit sind. «Mit dieser Investition wollen wir die Verbreitung von erneuerbaren Energien vorantreiben, in einer Weise, die sich auch wirtschaftlich lohnt», erklärte der Konzern. Der Konzern betreibt mehrere Rechenzentren, die jeweils einen sehr hohen Energiebedarf haben. Das Unternehmen hat bereits in Solarenergie und die Nutzung von Erdwärme investiert.