Grosse Pläne

15. Juni 2013 10:02; Akt: 17.06.2013 08:46 Print

Google-Ballons bringen Internet in die ganze Welt

Es klingt wie eine Schnapsidee, aber Google meint es ernst: Der Internet-Konzern will Tausende Ballons in die Stratosphäre schicken und so allen Menschen der Welt Online-Zugang bieten.

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Internet-Gigant Google hat einen verwegenen Plan vorgestellt, Menschen überall auf der Welt Zugang zum World Wide Web zu verschaffen: mit Sendeballons in der Stratosphäre etwa 20 Kilometer über der Erdoberfläche. In Neuseeland enthüllte der Konzern am Samstag sein bislang geheim gehaltenes Pilotprojekt. Dort stiegen diese Woche die ersten der mit Helium gefüllten Ballons auf. Etwa 50 Testhaushalte sollen die Internetverbindungen ausprobieren.

Die Bedeutung liegt nach Darstellung von Google darin, dass mit einigen Tausend solcher Ballons praktisch überall auf der Welt auch ohne aufwendige Verkabelung ein Zugang zum Internet möglich wäre. Damit könnten neben den bereits 2,2 Milliarden vernetzten Menschen theoretisch weitere 4,8 Milliarden hinzu kommen.

Internetverbindung hielt 15 Minuten

Google selbst vergleicht das Projekt mit einem Flug zum Mond. Es sei «ein wirklich grosses Ziel», sagte Projektleiter Mike Cassidy. «Die Macht des Internets ist wahrscheinlich eine der umwälzendsten Technologien unserer Zeit.»

Noch befindet sich das Projekt allerdings in einer Experimentierphase. Der erste Nutzer des «Google Balloon Internet» war der Bauer und Unternehmer Charles Nimmo aus dem kleinen Ort Leeston, einer der 50 Tester. Seine Internetverbindung hielt 15 Minuten, bevor der Sendeballon ausser Reichweite schwebte.

Energie über Solarpanele

Nimmo - Bewohner einer ländlichen Region ohne Breitband-Verkabelung - hält die Google-Idee für interessant. Bislang ist er auf eine Satellitenverbindung ins Internet angewiesen, die ihn bis zu 1000 Dollar (rund 750 Euro) im Monat kostet. «Es war komisch», sagte Nimmo über das Google-Projekt. «Aber es ist auch aufregend, an etwas Neuem teilzunehmen.»

Die mit Helium gefüllten Ballons ähneln in ihrem Aussehen riesigen Quallen. In rund 20 Kilometern Höhe sind sie von der Erde aus nicht zu sehen. Sie segeln mit den Windströmen um die Welt. Ihre Energie beziehen sie über Solarpanele, die Internetverbindung wird über Bodenstationen hergestellt. Das Signal hüpft sozusagen von Ballon zu Ballon und wird über die dort angebrachten Sender zu den Nutzern gefunkt.

Neuseeland als optimales Testgelände

Jeder Ballon könnte laut Google Internetverbindungen für die Bewohner von etwa 1250 Quadratkilometern anbieten - eine Fläche, die etwa der doppelten Grösse der Millionenstadt New York entspricht. Erreicht werden könnte so praktisch jede Region der Erde, ob nun am afghanischen Khyber-Pass oder im afrikanischen Urwald. Dennoch gibt es eine Reihe von Hindernissen. Unter anderem müsste jeder Nutzer einen speziellen Empfänger für das Ballon-Signal haben.

Für den Test wählte Google Neuseeland unter anderem deshalb aus, weil das Land so entlegen ist. Nach den Worten von Projektleiter Cassidy ist als nächster Schritt geplant, am 40. Breitengrad einen Ring von bis zu 300 Ballons von Neuseeland über Australien, Chile, Uruguay, Paraguay und Argentinien zu platzieren.

(Video: Reuters)

(aeg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli Pächter am 16.06.2013 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luftfahrt und Freiräume

    Lasst uns doch etwas Freiräume, um kurze Pausen ohne Smartphone und Internet zu geniessen. Und zudem wird dies wohl zu einem erheblichen Problem mit der Luftfahrt werden.

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  • Danke Google+NSA am 15.06.2013 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich ein umfassendes

    Spionagenetz ohne fehlende Maschen.

  • Natasha H am 15.06.2013 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Internet statt hunger

    Die Menschen in Länder der 3.Welt haben nichts zu essen, aber dann endlich Internet! Toll. Dann können sie auch endlich bei facebook posten mit ihren iPhones..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Hollister am 17.06.2013 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Google, die Krake

    Die Datenkrake breitet seine Fangarme über die ganze Welt aus....

  • Phil am 17.06.2013 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheitsrisiko für Flugzeuge

    Ein Ballon verliert auf 20km Höhe Gas, schwebt langsam runter auf 30000 Fuss, also ca. 10km, wo die Linienflugzeuge auf ihren Flugstrassen verkehren. Da würde das Fliegen unnötig unsicherer...

  • Moe szyslak am 17.06.2013 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    verkauft andere für dumm

    ach die lieben googles. soviel soziales gedankengut. ich mach mir schon fast in die hosen vor lachen. mal ernsthaft: wo kann man die surfer besser auskundschaften als beim Provider selbst??!! das ding würd ich nicht mal nutzen wenn es der letzt zugang zum nezt wäre.

  • pascal am 17.06.2013 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???????

    erstens mit der aufdeckung der auskundschaft der zivil bevölkerung eher nicht. 2. was bringt es wen von den 4.8 mrd 60% kein internetfähiges gerät haben und 40% unter einem Kpmunistischem regime stehen das ihnen die freihe nuzung verbietet

  • Anon am 16.06.2013 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ach..

    Hinsichtlich des NSA Skandals ist der Zweck dieser Sache mehr als fragwürdig.

    • Zeljko am 17.06.2013 04:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kündigen

      Das ist gut ich werde mein anschluss kündigen.

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