Schnelles Ergebnis

08. Dezember 2009 13:51; Akt: 10.12.2009 12:03 Print

Suchmaschinen legen den Turbo ein

von Henning Steier - Google eröffnet eine neue Front im Kampf um die Vorherrschaft bei der Webrecherche. Denn die Kalifornier haben ihre lang erwartete Echtzeit-Suche vorgestellt. 20 Minuten Online lässt sie im Kurz-Test gegen die Angebote von Yahoo und Microsoft antreten.

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Auf einer Veranstaltung im kalifornischen Firmensitz hat Google gestern Abend neben der bildbasierten Suche für Smartphones mit dem freien Betriebssystem Android als zweite grosse Neuerung seine Echtzeit-Suche präsentiert. Während der Präsentation twitterte ein Mitarbeiter des Unternehmens etwas über Barack Obama, das sogleich in den Treffern auftauchte, als Amit Singhal, Ranking-Experte des Unternehmens, auf der Bühne den Namen des US-Präsidenten in die Suchmaschine eingab.

Google indiziert nach eigenen Angaben etwa eine Milliarde Echtzeit-Dateien, also beispielsweise Tweets, am Tag. Ausserdem sollen Beiträge von FriendFeed, Jaiku, Indenti.ca, MySpace und Facebook in die Trefferlisten aufgenommen werden, die bisher nur von US-Nutzern angeschaut werden können. «Facebook wird uns zunächst Updates von Facebook Pages liefern», sagte Googles Vize-Chefin Marissa Mayer. Diese werden vor allem von Unternehmen und Institutionen genutzt. Für die Öffentlichkeit freigegebene Beiträge von privaten Nutzern bleiben damit wohl vorerst aussen vor. Wie viel Google den Unternehmen für die Daten zahlt, wollte Meyer nicht sagen. Nicht bekannt wurde ausserdem, ob und wann Google auch die Facebook-Beiträge von Privatnutzern in seine Echtzeit-Suche aufnehmen wird. Diese dürften oftmals interessanter sein als jene von Facebook Pages.

Google vor bing und Yahoo

Wie in der obigen Bilderstrecke zu sehen ist, liegt Google allein bei der Zahl ausgewerteter Webseiten vorn. Denn Microsoft und Yahoo beschränken sich bislang auf Twitter. Yahoo liefert überdies keine echten Twitter-Treffer, sondern schickt den Nutzer nur auf in Tweets verlinkte Webseiten oder zur eigenen Suche des Microblogging-Dienstes. Microsoft präsentiert US-Nutzern zwar bereits seit Ende Oktober Twitter-Ergebnisse. Wer bings Twitter-Suche nutzt, bekommt eine zeitlich sortierte Liste von Tweets zur Suchanfrage angezeigt. Das erinnert an Twitters eigene Suche. Die Suchmaschine bing bietet aber ausserdem die Möglichkeit, sich so genannte «beste Ergebnisse» anzeigen zu lassen. Welche Filter Microsoft für diese benutzt, gaben die Redmonder nicht an. Dafür aber, dass Spam, doppelte Tweets und pornographische oder rassistische Beiträge nicht angezeigt werden sollen.

Auffällig wird, dass es bisher nur Google gelungen ist, die Daten in seine Suche gut zu integrieren. Denn bei Yahoo und Microsoft werden sie in einer gesonderten Umgebung präsentiert. Ausserdem können bisher nur Nutzer von bing und Google wählen, ob sich die Echtzeit-Ergebnisse selbsttätig aktualisieren sollen. Laut einer Ankündigung Microsofts von Ende Oktober liefert Facebook bing alle Daten, die User mit der Weböffentlichkeit teilen möchten. Wann diese in bings Index integriert werden, gab Microsoft noch nicht bekannt.

Fazit

Treffer in Echtzeit sind für viele User interessant, wenn ein Flugzeug abstürzt oder ein Attentat verübt wird, es also auf Minuten oder gar Sekunden ankommt. Aber auch Medien und Marktforscher sind stark daran interessiert, zu erfahren, was viele Leute gerade im Netz bewegt. Bislang erwiesen sich die grossen Suchmaschinenanbieter hier als träge und schienen kleinen Anbietern wie Aardvark das Feld überlassen zu wollen. Denn bing, Google und Yahoo haben den Anspruch alle relevanten Webseiten in den jeweiligen Index aufzunehmen. Da das Web stetig wächst, verschlingt dies grosse Ressourcen. Nun scheinen die grossen Drei aber einen Weg gefunden zu haben, Echtzeit-Treffer zu integrieren.

Twitter kann aber nur ein Anfang sein. Viel interessanter dürften für die meisten Surfer Treffer von Facebook sein. In diesem Feld scheint Microsoft momentan leicht vor Google zu liegen. Interessant für viele Surfer dürfte aber auch sein, ob Microsoft nicht doch noch von seiner Maxime absehen wird, keine pornographischen oder in sonstiger Weise problematischen Tweets anzuzeigen. Das dürfte spätestens der Fall sein, wenn Google diese Lücke füllt. Suchmaschinenanbieter haben immer wieder argumentiert, dass sie für im Web publizierte Inhalte keine Verantwortung übernehmen können. Am Ende wird aber auch der Anbieter als Bester durchs Ziel gehen, dem es gelingt, die Echtzeit-Ergebnisse gut zu gewichten. Denn nicht immer ist der erste Treffer auch der beste. Ein Gegengewicht zu Google wird durch die Zusammenarbeit von Microsoft und Yahoo in jedem Fall geschaffen, denn die im Juli angekündigte Kooperation soll nun laut einer aktuellen Medienmitteilung im nächsten Jahr starten. Damit wird bing zur Suchmaschine für Yahoo-Seiten. Yahoo wird dafür die Online-Anzeigen an Premium-Kunden beider Unternehmen verkaufen.