Skurrile Personalfragen

05. Januar 2012 07:21; Akt: 05.01.2012 17:06 Print

Wie Sie sich bei Google einen Job angeln

von Oliver Wietlisbach - «Warum sind Gully-Deckel immer rund?» oder «Wie würden Sie Bill Gates' Badezimmer designen?» Mit solch bizarren Fragen bringen Microsoft, Google und Co. ihre Bewerber ins Schwitzen.

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Ein Aufenthaltsraum im Stil einer Metrostation in Googles-Entwicklungszentrum in Zürich. (Bild: Keystone/AP)

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Thomas Keller hat sich 2011 bei Google beworben. Trotz ETH-Abschluss und Doktortitel waren die Erfolgsaussichten für den Informatiker von Anfang an bescheiden. Täglich erhält der Suchmaschinenriese rund 3000 Bewerbungen, das sind zirka eine Million im Jahr. Schätzungsweise erhält nur einer von 130 Kandidaten einen der begehrten Jobs.

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«Die erste Runde war banal, ein lockeres Gespräch mit der Human-Resources-Abteilung», beschreibt Keller seine erste Erfahrungen mit Google. Danach folgten zwei Interviews via Skype, weil er sich zu jener Zeit im Ausland aufhielt. «Während den je rund 45 minütigen Gesprächen musste ich vor allem Programmier-Aufgaben lösen, wie sie auch an einer ETH-Prüfung gestellt werden», sagt der 32-jährige Informatiker. Die Fragen seien fachlicher Natur gewesen und fair.

Nicht immer stellen Firmen jedoch die Fragen, die von den Kandidaten erwartet werden. Im Internet veröffentlichen Seiten wie glassdoor.com mehr als absonderliche Jobinterview-Fragen, auf die sich kaum ein Bewerber vorbereiten kann. So möchten Personalchefs mitunter wissen, warum Gully-Deckel immer rund sind oder wie wohl m&m’s fabriziert werden (siehe Kasten). Solch skurrile Fragen, die vordergründig nichts mit der zukünftigen Arbeit zu tun haben, sind offenbar im Trend. Besonders beliebt sind die Rätsel- und Logik-Fragen in der Tech-Branche.

Die verflixte Mixer-Frage

Ein beliebtes Puzzle bei Google soll die Mixer-Frage sein, wie das «Wall Street Journal» vor Kurzem schrieb: «Sie werden auf die Grösse einer Münze geschrumpft und in einen Mixer geworfen. Ihre Masse wurde reduziert, so dass ihre Dichte die gleiche wie immer ist. Die Klingen starten in 60 Sekunden. Was machen Sie?» Die meisten Bewerber versuchen möglichst rasch eine pfannenfertige Antwort zu geben. Die meisten sagen, sie würden sich unter die Klingen legen oder ganz an den Rand stellen.

Das Mixer-Rätsel soll ein gutes Beispiel sein, um herauszufinden, wie der Kandidat an die Entwicklung neuer Produkte herangeht. In beiden Fällen heisst der Königsweg Brainstorming. Man sollte nicht den erst besten Gedanken als Lösung anbieten, sondern seine Ideen, also den Weg zur Lösung, darlegen und begründen.

Die beste Antwort auf die Mixer-Frage lautet: Aus dem Mixer springen. Wie das möglich sein soll? In der gestellten Frage ist der entscheidende Hinweis versteckt. Die Dichte bleibt, trotz des Schrumpfvorganges, gleich. Wenn man auf 1/10 seiner Körpergrösse geschrumpft wird, sind die Muskeln nur noch ungefähr 1/100 so stark, aber das Gewicht beträgt nur 1/1000 des Ursprünglichen, erklärt das WSJ. Ein Mini-Mensch wäre daher genug kräftig, um aus dem Mixer-Behälter zu springen.

Wie würden Sie Bill Gates Badezimmer designen?

Als Pionier in Sachen Puzzle-Fragen gilt Microsoft. Bill Gates soll schon in jungen Jahren ein Faible für Logik-Rätsel gehabt haben. Der US-Konzern stellte Bewerbern bereits in den 1980er-Jahren bizarre Fragen. «Wie würden Sie Bill Gates Badezimmer designen?», soll ein Job-Kandidaten mal gefragt worden sein.

«Auf solche Fragen gibt es nicht eine einzige, richtige Antwort, aber es gibt viele vorschnelle, falsche Antworten», sagt der ehemalige Google-Bewerber Keller. Der Interviewer erwarte, dass der Bewerber Gegenfragen stelle und seinen Lösungsvorschlag an die gegebenen Bedingungen anpasse. Das Badezimmer wäre also wohl abhängig von einschränkenden Faktoren wie dem Raumangebot oder dem zur Verfügung stehenden Geld.

Eine Liste merkwürdiger Fragen an Microsoft-Bewerbungsgesprächen versammelt das Buch «How would you move Mount Fuji?». Einige davon sollen tatsächlich von Gates persönlich stammen. Auch für Google finden sich Listen mit angeblich häufigen Fragen im Internet.

Die Puzzle-Interview-Mania

Nach Microsoft haben andere Tech-Firmen wie Amazon, Facebook oder Google das Gates-Modell übernommen und testen das kreative Potenzial ihrer Bewerber mit eigentümlichen Fragen. Dabei geht es ihnen nicht zwingend darum, die klügsten oder technisch brillantesten Hirne zu finden. Mit einem Mix aus fachbezogenen und Rätselfragen soll getestet werden, welche Kandidaten zur Firma passen.

Einen Beweis dafür, dass skurrile Jobinterview-Fragen nützlich sind, gibt es nicht. Es ist mehr der Glaube an die Wirksamkeit, der die Rätselfragen in manchen Firmen am Leben erhält. Inzwischen sind sie gar bei klassischen Grossunternehmen wie Banken oder Autoherstellern anzutreffen.

Der Google-Weg

Bei Google verfolgt man daher noch einen anderen Ansatz, um die geeignetsten Mitarbeiter zu finden. Nicht der Teamleiter entscheide, wer engagiert wird, sondern die Mitarbeiter. «Ein Produkt-Manager will immer möglichst rasch neue Mitarbeiter, um seine Ziele zu erreichen. Darum geht er Kompromisse ein. Die Mitarbeiter hingegen haben keinen Grund, Kompromisse einzugehen», sagte ein führender Google-Manager Anfang Jahr an einer Medienorientierung.

Thomas Keller können skurrile Fragen an Jobinterviews inzwischen egal sein. Nach der dritten Gesprächsrunde war für ihn bei Google Schluss. Er arbeitet nun bei einem Schweizer Start-up, das Apps für Smartphones entwickelt.

Welche merkwürdige Frage haben Sie an einem Bewerbungsgespräch erhalten?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 06.01.2012 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweiter anlauf

    Ich habe mich zweimal bei google vorgestellt, beim zweiten anlauf hat es gekalppt.im bericht wird nicht erwähnt das diese gespräche in englisch stattfinden

  • Sponge Bob am 05.01.2012 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis Tip

    Wenn ihr jeden Tag Sponge Bob am TV schaut dann besteht ihr die Prüfung mit links.

  • Anto am 05.01.2012 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Itali

    In Italien sind Gully-Deckel nicht immer rund. :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • creeper am 06.01.2012 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die sind rund

    mweil sich darunter ein rundes rohr befinder. rohre sind rund, weil das am stabilsten ist. logisch, oder?

    • Tobias am 07.01.2012 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      Nein

      Nicht ganz, ein runder Deckel kann nicht in das Loch fallen da der Rand konisch ist, viereckige schon.

    • Schlaubi am 07.01.2012 23:13 Report Diesen Beitrag melden

      oder Dreieckig

      Wohl eher, weil ein runder oder dreieckiger Deckel nicht ins Loch fallen kann...

    • W. Rüdisühli am 08.01.2012 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Deckel

      Eckige Deckel passen durch die Schachtöffnung, wenn man sie hochkant und quer zum Schacht stellt. Runde nicht können auf keine Art und Weise in den Schacht fallen.

    • Gruss am 08.01.2012 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      Rund

      Mag dir vielleicht logisch vorkommen, aber rund sind die Dinger damit sie bei kleinstmöglichem Durchmesser (ergo geringem Materialverbrauch) nicht ins Rohr hineinfallen können.

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  • Peter am 06.01.2012 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweiter anlauf

    Ich habe mich zweimal bei google vorgestellt, beim zweiten anlauf hat es gekalppt.im bericht wird nicht erwähnt das diese gespräche in englisch stattfinden

  • Makai am 05.01.2012 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle google mitarbeiter müssen freigestellt werden

    Wenn der durchmesser des loches unter dem gullideckel kleiner ist als der kleinere durchmesser eines rechteckigen gullideckels, dann kann auch dieser unmöglich in das loch fallen. Also ist dies kein grund runde gullideckel zu bauen! Man sollte also alle google mitarbeiter freistellen, denn ihre antwort beim einstellungsgespräch war nicht korrekt... Der einfache geist des google personalverantwortlichen liebt wohl einfache antworten...

    • adrian am 05.01.2012 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Denken

      He He bist du dir da sicher? Überleg doch einmal logisch!

    • Ich-bin-der-farmer am 05.01.2012 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gullideckel

      Wenn ein gullideckel viereckig ist, kann er IMMER herunterfallen. Weil der Rand der denn gullideckel trägt nie breiter ist als 2-3cm. Also kann ein viereckiger gullideckel immer herunterfallen...Entwede diagonal oder hochkant ;) runde können aufgrund ihrer form gar nicht hineinfallen da der äussere, tragende ring grösser ist als der stützring in der strasse..

    • aLiiiiii am 06.01.2012 07:08 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      bei einer viereckigen Form ist dies ja der Fall. Aber ein Dreieck kann genau so gut verwendet werden, solang der Abstand von der Spitze zu de Fläche nicht grösser als die längste Kante ist. Somit ist die Antwort auch wieder falsch.

    • Der Tom am 06.01.2012 11:20 Report Diesen Beitrag melden

      ufo prinzip

      Runde Deckel haben bessere Flugeigenschaften. Gibt es eine Explosion im "Gulli" fliegt der Deckel wieder zurück.

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  • Chris Joshua am 05.01.2012 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Personalchefs

    Finde die Interviewer meist schlicht und einfach selbst lächerliche Figuren und hab schon viele mitten im Interview im Regen stehen lassen, indem ich der Person gesagt habe, dass ich aufgrund dessen, was ich bis jetzt gesehen habe, einen schlechten Eindruck von der Firma habe. Ja, ehrlich bin ich. Wenn er/sie alle Mitarbeiter weg-rationalisiert, kann er/sie das gleiche mit sich selbst tun!

  • M. Bauer am 05.01.2012 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Fachwissen gefragt

    Solche skurile Fragen eurden mir nicht gestellt, als ich mich beworben habe. Aber es gab auch einen "Test" : Du bist slleine auf einem Schiff. Du hast einige Dinge (5 Liter-Kanister Süsswasser, Abdeckplane und solch Zeug) , nun musst du entscheiden, welche Dinge am wichtigsten zum überleben sind und weshalb. Danach musst du in deiner Gruppe diskutieren. Zum Schluss erklärt man, welche Dinge am meisten gwählt wurden und wieso. Dabei wird man von unabhängigen Personen beobachtet und analysiert. z.B. wer das "Alphamännchen" war, die Schüchterne die alles nachplappert, der Sture usw... Ich finde solche Bewerbungsgespräche super nützlich. Das Fachwissen ist nicht mehr ausschlaggebend. Viele Personalchefs wollen Mitarbeiter, die njcht nur mit ihrem Fachwissen, sondern auch mit ihrem Charakter usw. glänzen.