Illegales Filesharing

17. November 2009 13:26; Akt: 04.02.2010 12:51 Print

Piratenträume werden wahr

von Henning Steier - In Apples App Store gibt es zehnmal so viele Applikationen wie im Android Market für Google-Handys. Doch für Raubkopierer ist ein Smartphone mit dem freien Betriebssystem erste Wahl. Denn dank der Anwendung i Music lässt sich der Speicher leicht und gratis mit Songs füllen.

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Wer einen Ohrwurm hat und sich den Song sofort herunterladen möchte, kann dies dank der Android-Applikation i Music tun. Das Tool durchsucht das Netz nach Musikdateien, die man nur findet, wenn man spezielle Suchanfragen stellt oder das exakte Verzeichnis kennt. Allerdings kümmern sich diejenigen, welche die Songs hochladen, in der Regel nicht um Urheberrechte.

Weil der reine Download hierzulande allerdings nicht kriminalisiert ist, können Handy-Piraten sich sorglos ihre Speicher mit i Music füllen. Sie läuft selbstredend auf allen Google-Handys und kommt in zwei Versionen zum Nutzer - gratis und als Sechs-Franken-Variante, welche werbefrei ist und mehr Treffer liefert. 20 Minuten Online hat die kostenlose i Music ausprobiert.

Nicht von ungefähr erinnert das bisher schon über 250 000 Mal heruntergeladene Programm an ein Tool von Apple. Es funktioniert auch ähnlich intuitiv wie viele Lösungen des Apfel-Konzerns. Das war bei der Anwendung Torrent Droid, die im obigen Video zu sehen ist, nicht der Fall. Mit ihr lassen sich Links zu Torrents finden, wenn man beispielsweise den Barcode eines Films einscannt. Wie in der obigen Bilderstrecke zu sehen ist, gibt man nach der Installation von i Music einfach Suchbegriffe in die Maske ein. Anschliessend entscheidet man, ob man die Treffer herunterladen oder anhören möchte. Auch auf den Rechner lassen sie sich problemlos bringen. Und so zeigen sich zahlreiche User begeistert von der Applikation. In einschlägigen Foren sind Meinungen wie «Einfach nur toll.» und «Saugeiles Programm, kann ich nur weiter empfehlen!!!» die Regel.

Google übernimmt keine Verantwortung

Während Apple für Tools in seinem App Store einen verhältnismässig rigiden Aufnahmeprozess hat, verzichtet Google auf einen solchen: «Wir überprüfen nur Apps, die uns von Nutzern gemeldet werden», sagte ein Sprecher zu 20 Minuten Online. Er gab ausserdem an, sich nicht zu speziellen Apps äussern zu wollen und verwies auf die Nutzungsbedingungen des Android Market. Frei übersetzt, heisst es in diesen, dass Anwendungen auf fremde Webseiten und Inhalte verweisen können, für die Google aber keine Verantwortung übernimmt. In Apples App Store sind mittlerweile rund 100 000 Programme verfügbar, im Android Market rund 12 000 Anwendungen. Wie viele davon bislang entfernt wurden, wollte der Google-Sprecher nicht sagen. Das Entwicklerteam hinter i Music, Green Code, hat binnen zwei Tagen nicht auf Anfragen von 20 Minuten Online reagiert.

«Bislang ist in der Schweiz noch kein Handynutzer wegen Piraterie von uns verfolgt worden. Das mag auch damit zusammenhängen, dass der reine Download hierzulande nicht kriminalisiert worden ist und Filesharing via BitTorrent auf Mobiltelefonen zwar möglich ist, aber noch ein Nischendasein fristet», sagte Wilfried Haferland von der Schweizer Landesgruppe der International Federation Of Producers Of Phonograms And Videograms (IFPI) zu 20 Minuten Online. «Wir haben Google noch nicht wegen der Android-Applikation kontaktiert, prüfen aber entsprechende Schritte.» Laut IFPI hat sich der Branchenumsatz vor allem wegen Piraterie hierzulande im Zeitraum 2001 bis 2008 mit zuletzt 163 Millionen Franken fast halbiert.

Anbieter im Fokus

«Filesharing auf dem Handy ist bislang noch nicht sonderlich relevant für uns, weil wir hauptsächlich Piraten verfolgen, welche im grossen Stil urheberrechtlich geschützte Musik unters Volk bringen», erklärt Haferland. Mit der stetig wachsenden Speicherkapazität von Smartphones und günstiger werdenden Datentarifen dürfte das Problem aber in naher Zukunft viel grösser werden. Zu beachten sei in diesem Fall, dass die Applikation nur eine neue Tür zu bereits im Web vorhandenen, raubkopierten Songs öffneten. Es gelte, die Anbieter der Musik dingfest zu machen.

In den USA scheint die Musikindustrie das Problem bereits als grösser einzustufen. Konsumenten gestohlener Musik sollen demnächst Warnbriefe bekommen, in denen sie aufgefordert werden, die Songs zu löschen. Dies berichtete cnet.com kürzlich unter Berufung auf Quellen im Branchenverband Recording Industry Association of America (RIAA). Ein RIAA-Sprecher bestätigte die Pläne, welche zunächst Kunden des Providers Verizon betreffen sollen. Mehr Details wurden bislang nicht bekannt.