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01. Dezember 2010 12:28; Akt: 01.12.2010 14:12 Print

Goldene Zeiten für Entwickler von Sex-Apps

von Henning Steier - Im Unterschied zur Konkurrenz gibt es für Android Porno-Anwendungen. Die Firma MiKandi will mit diesen nun Geld verdienen. Google hat nichts dagegen.

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MiKandi Gold: Sex-Apps mit virtueller Währung bezahlen. (Bild: 20 Minuten)

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«Der App Store, der Sie wie einen Erwachsenen behandelt», so bewirbt das Unternehmen MiKandi sein Angebot im offiziellen Werbevideo. Vor einem Jahr gestartet, hat das Start-up aus Seattle nun auch kostenpflichtige Applikationen für Geräte mit Googles Betriebssystem Android im Angebot.

«Kunden kaufen unsere virtuelle Währung, MiKandi Gold, mit der sie dann wiederum Apps bezahlen», erläutert Jennifer McEwen im Gespräch mit 20 Minuten Online. Nutzer hätten dadurch unter anderem den Vorteil, dass keine Peinlichkeiten auf ihrer Kreditkartenrechnung auftauchen. Ein Gold kostet einen US-Cent. Für 20 Dollar erhält man 2100 Golds. Viele einfache Anwendungen kosten 99 Golds, aufwändigere in der Regel das Doppelte. Bislang ist der MiKandi für sie und ihre Mitgründer nur ein Nebengeschäft. Hauptberuflich arbeiten sie für den US-Sexspielzeuganbieter InnerVibe. Seit März verzeichnete der Marktplatz für Erotik-Apps knapp eine Million Downloads, Nutzerzahlen nennt das Unternehmen nicht.

Im Unterschied zu App Stores von Google, Apple, Nokia und Microsoft erhalten Entwickler, die ihre Applikationen bei MiKandi hochladen, 65 Prozent der Verkaufserlöse. Bei der Konkurrenz sind es 70 Prozent. «Manche werden überdies an Werbeeinnahmen beteiligt», sagt McEwen, es hängt unter anderem davon ab, wie viele Applikationen jemand im Angebot hat und wie gut sich diese verkaufen. Bislang sind knapp 40 von 470 Anwendungen kostenpflichtig. Am besten verkauften sich Livecam- und Dating-Apps, sagt McEwen, ohne Zahlen zu nennen.

Keine Jugendschutzbedenken

Um Applikationen zu kaufen, geht man mit dem Browser seines Android-Geräts auf mikandi.com und klickt den Download-Now-Button an. Wenn man in den Einstellungen des Geräts auch die Installation von Apps aus fremden Quellen zugelassen hat, kann man Programme aus MiKandis Angebot installieren. Jugendschutzbedenken lässt Jennifer McEwen nicht gelten, denn «Nutzer werden mehrfach darauf hingewiesen, dass es hier um Inhalte für Erwachsene geht. Ausserdem müssen sie bestätigen, dass sie diese Warnung zur Kenntnis genommen haben.»

In Googles Richtlinien für Android-Entwickler heisst es: «Content, der Nacktheit oder sexuelle Handlungen zeigt bzw. sexuell eindeutiges Material enthält, ist unzulässig. Hinsichtlich Kinderpornografie verfolgt Google die Strategie der Nulltoleranz. Sollten wir Kenntnis von Content kinderpornografischer Art erlangen, melden wir dies den entsprechenden Behörden und löschen die Google-Konten der Personen, die mit der Verbreitung des Contents in Verbindung stehen. Gewalt und Mobbing: Das Zeigen grundloser oder drastischer Gewalt ist nicht gestattet. Die Anwendungen dürfen kein Material enthalten, mit dem andere Nutzer bedroht, belästigt oder gemobbt werden.»

Altersfreigaben für Anwendungen

Als Ergänzung hat der Suchmaschinist Entwickler kürzlich aufgefordert, ihre Applikationen mit einer Altersfreigabe zu versehen. Es soll folgende Stufen geben: Alle, Kinder, Teenager und nicht jugendfrei. Bislang hat Google aber noch nicht angegeben, wie man kontrollieren will, ob die Klassifizierung korrekt durchgeführt wurde. Im Unterschied zur Konkurrenz werden Apps für den Android Market erst überprüft, wenn sie von Nutzern gemeldet werden.

Wie aber passt der obige Passus der Nutzungsbedingungen zu einem Erotikangebot wie MiKandi? Dass es für Android-Geräte, nicht aber für iPhones, Nokia-Handys und Windows-Phone-7-Smartphones verfügbar sein kann, hat einen einfachen Grund, wie Matthias Meyer, Sprecher von Google Schweiz gegenüber 20 Minuten Online erläutert: «Der Android Market ist Googles Angebot für Inhalte von Drittanbietern. Unsere Nutzungsbedingungen gelten nur für Markplätze, die wir selbst betreiben.» Jeder könne seine eigenen Inhalte und Marktplätze entwickeln. Letztgenannte lassen sich ansteuern, indem man ihre Adressen in den Browser eingibt. «Alle Android-Geräte, die mit dem Aufdruck with Google ausgeliefert werden, haben eine Sicherheitseinstellung, über die man Apps aus unbekannten Quellen installieren kann. Diese Einstellung ist bei Auslieferung deaktiviert», sagt Meyer weiter.

Apps per Fernzugriff löschbar

Im Juni war bekannt geworden, dass Google wie Apple und Microsoft über einen so genannten Killswitch verfügt, also Apps per Fernzugriff deinstallieren kann. Google hatte harmlose Forschungs-Tools eines Sicherheitsanbieters entfernt, die aber laut dem Suchmaschinisten keinen erkennbaren Nutzen boten. Im offiziellen Blog hiess es zu dieser Möglichkeit, die aber nur für Applikationen aus dem offiziellen Angebot gilt: «Diese ferngesteuerte Entfernungsfunktion bietet – mit Androids Sandbox-Architektur und Rechteverwaltung, Over-the-Air-Updates, zentralem App-Marktplatz, Entwicklerregistrierung und -meldung von Apps – einen mächtigen Sicherheitsvorteil, um Android-User in unserem offenen System zu schützen» - ein System, das noch offener wird, wenn man die Sicherheitseinstellungen seines Geräts ändert.