Schwarze Liste

24. November 2011 19:13; Akt: 24.11.2011 19:13 Print

Google verschärft «Piraterie»-Filter

Wer bei Google nach Filesharing-Anbietern sucht, sollte nicht auf das Auto-Vervollständigen hoffen. Die Suchmaschine «zensiert» nun deutlich mehr Begriffe.

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Bei der Lancierung von Google Music am 16. November trat der US-Künstler Drake auf. Der Internet-Konzern hat das Suchen nach dubiosen Musikquellen weiter erschwert. (Bild: Matt Sayles)

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Seit Anfang Jahr führt Google eine schwarze Liste. Darauf stehen Suchbegriffe, die angeblich mit Produkte-Piraterie in Verbindung stehen und zu bekannten Filesharing-Angeboten im Internet führen. Nun ist die Liste der «verbotenen» Begriffe massiv erweitert worden, wie «Torrent Freak» berichtet.

Ab sofort werden Begriffe wie «Thepiratebay», «Isohunt», «Torrentreactor» und viele andere nicht mehr von den Google-Funktionen Autocomplete und Instant erfasst. Das bedeutet, wenn man im Google-Suchfenster die ersten Buchstaben eingibt, werden die entsprechenden Begriffe nicht mehr automatisch mit Vorschlägen vervollständigt. Die Suchmaschine spuckt auch keine Sofort-Treffer mehr zu den passenden Filesharing-Begriffen aus.

Keine echte Zensur

Ursprünglich waren auf der schwarzen Liste nur einzelne Begriffe wie «BitTorrent» oder «Rapidshare» zu finden. Das aktuelle Update umfasse nun fast alle populären Torrent-Suchmaschinen und Filehoster, berichtet «Torrent Freak». Trotzdem stelle diese von Google freiwillig getroffene Massnahme keine echte Zensur dar. Wer eines der «bösen» Worte zu Ende tippt, erhält nach wie vor die gewünschten Suchergebnisse. Ausserdem ist die schwarze Liste keineswegs umfassend. So wird die URL «thepiratebay.org» auch weiterhin als Suchbegriff vorgeschlagen, wie auch «piratebay».

Trotzdem dürfte die schwarze Liste ihre Wirkung entfalten, schreibt «Torrent Freak» und demonstriert dies am Beispiel des Filehosters Hotfile. Nachdem der Begriff «Hotfile» ab Januar 2011 nicht mehr vervollständigt wurde, gab es bei den Suchanfragen einen massiven Rückgang zu verzeichnen.

Filter werden ausgebaut

Der Besitzer von IsoHunt, Gary Fung, nimmt kein Blatt vor den Mund: Google beschreite einen gefährlichen Weg und werde langsam aber sicher zu Big Brother im Netz. Die Filesharing-Portale vermuten, dass Google mit solchen Massnahmen die Beziehungen zur Unterhaltungsindustrie verbessern wolle. Die Firmen, denen Filme, Musik- und Software-Titel gehören, beklagen seit langem die Verletzung ihrer Urheberrechte. Dem Internet-Konzern wurde wiederholt vorgeworfen, zur Verbreitung von «raubkopiertem» Material beizutragen. Google hat solche Vorwürfe stets zurückgewiesen und lässt verlauten, dass die Piraterie-Filter in Zukunft ausgebaut werden.

«Das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu richtiger Zensur durch die Suchmaschine», erklärte ein Pirate-Bay-Insider gegenüber «Torrent Freak». Bedenklich sei auch der Zeitpunkt: Google habe den Schritt jüngst zu dem Zeitpunkt bekannt gegeben, zu dem Google Music offiziell lanciert wurde.

In der Schweiz legal?

Bleibt anzumerken, dass die Rechtslage in der Schweiz nicht mit Deutschland oder den USA zu vergleichen ist. Wie der Jurist David Rosenthal gegenüber 20 Minuten Online erklärte, sei es in der Schweiz vollkommen legal, Filme für den Eigengebrauch herunterzuladen. Das gelte selbst dann, wenn das Material aus dubiosen Quellen stamme, also beispielsweise während einer Kinovorstellung heimlich aufgezeichnet wurde. Entscheidend sei, dass es sich um bereits veröffentlichte Filme handle.

Die von den Filesharing-Diensten betroffenen Unternehmen sehen das erwartungsgemäss anders und haben wiederholt angekündigt, sie würden Musterprozesse anstreben, um die Rechtslage zu klären.

Auch in der Schweiz ist es heute schon verboten, entsprechendes Material in Internet-Tauschbörsen anzubieten und weiterzuverbreiten. Das macht Filesharing-Dienste wie BitTorrent problematisch, weil das Herunterladen und Hochladen der Dateien gleichzeitig im Hintergrund stattfinden kann.

(dsc)