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19. Juni 2013 09:25; Akt: 19.06.2013 10:05 Print

Datenschützer nehmen Google-Brille ins Visier

Noch ist Google Glass nicht erhältlich, doch die Sorgen wegen der Video-Brille wachsen. Nun soll sich der US-Konzern gegenüber staatlichen Aufsichtsbehörden erklären.

(Quelle: youtube.com)
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Die vom Internetriesen Google entwickelte Brille Google Glass sorgt bei Datenschützern weltweit für Bedenken. In einem gemeinsamen Brief an Google-Chef Larry Page bitten Dutzende Datenschutzbeauftragte aus der ganzen Welt um genauere Informationen zum Projekt Google Glass - darunter auch der oberste Datenschützer der Schweiz, Hanspeter Thür.

Laut Eliane Schmid, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB), wird der Brief am Mittwoch auf der EDÖB-Website aufgeschaltet.

Auf der Website der deutschen Datenschutzbehörde ist das Schreiben im (englischen) Original bereits zu finden. Darin wollen Thür und die Mitunterzeichner wissen, welche Informationen Google über die Nutzer seiner Internetbrille sammelt, was der Konzern damit tun und welche Daten er an Dritte weitergeben will. Der letzte Punkt hat mit dem PRISM-Schnüffelskandal zusätzliche Brisanz erhalten.

Demonstration gewünscht

Im Visier ist offenbar auch die automatische Gesichtserkennung: Zwar hat Google bereits angekündigt, auf die umstrittene Funktion zu verzichten. Das scheint den Datenschützern allerdings nicht zu genügen. Sie fragen den Google-Chef auch, ob der Einsatz der Brille demonstriert werden könne.

Google Glass befindet sich derzeit in der Testphase mit rund 1500 unabhängigen Software-Entwicklern. Das Gadget, dessen Preis noch nicht bekannt ist, wird laut Ankündigung voraussichtlich im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Der US-Konzern hatte die mit winziger Videokamera, Lautsprechern und Display ausgestattete Brille vor gut einem Jahr erstmals vorgestellt. Der Mini-Bildschirm befindet sich in einem Winkel des Brillengestells, gesteuert wird das Gerät mit Sprachbefehlen oder den Fingern.

Viele Bedenken

Die Datenschützer bitten Google darum, schon bei der Entwicklung ausreichenden Datenschutz in das neue System einzubauen. Auch soll der Konzern erklären, wie Google damit umgeht, dass die Nutzer von Google Glass künftig problemlos unbemerkt Daten über andere sammeln könnten. «Die angekündigte Datenbrille stellt eine neue Qualität der Erfassung alltäglichen menschlichen Verhaltens dar», lässt sich der oberste deutsche Datenschützer zitieren. Eine Prüfung hinsichtlich der Vereinbarkeit mit europäischem Datenschutzrecht sei daher schon jetzt geboten.

Das aktuelle Schreiben an Google unterzeichneten neben Thür die Datenschutzbeauftragten der EU-Staaten, Australiens, Neuseelands, Kanadas, Mexikos und Israels.

In der Kritik

Bedenken über Google Glass hatte auch schon eine Gruppe von US-Kongressabgeordneten geäussert. Sie verlangte von Google im Mai ebenfalls Antworten darauf, was die internetfähige Hightechbrille für den Datenschutz und die Privatsphäre der Bürger bedeute.

Google stand in den USA und in Europa in der Vergangenheit immer wieder wegen Verstössen gegen den Datenschutz in der Kritik. Unter anderem musste der Technologiekonzern Bussgelder zahlen, weil er bei den Aufnahmefahrten für seinen Strassenfotodienst Street View den Datenverkehr ungeschützter drahtloser Netzwerke mitgeschnitten hatte.

(dsc/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dragan am 19.06.2013 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    OMG alle machen sich in die Hosen und bremsen innovative neuheiten aus. Wäre es von crapple würde wohl niemand was sagen. Ausserdem kann man schon lange, mit mini Kameras (zb.im Kugelschreiber) unbemerkt filmen..

  • allan am 19.06.2013 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    unnötig

    wieso verlangen sie das denn nicht auch von den handyherstellern? fast jedes handy hat heuzutage eine internetfunktion, kann bilder machen, ohne dass die fotografierte person dies mitbekommt und kann die daten auch vom benutzer (un)wissend dem hersteller senden. was ist bei der brille denn anders, ausser, dass man sieht, dass es eine google-brille ist?

  • J. Mattli am 19.06.2013 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Datenschützer leben auf dem Mond

    Es gibt sie heute überall zu kaufen. Uhren mit Minikamera, Kugelschreiber, Dächli-Käppli und sogar Krawatten mit eingebauter Minikamera. Ja nach Ort und Land gibt es unzählige Überwachungskameras, in Geschäften, Restaurants, Bars, Strassen, Plätzen etc. Da ist die Google Brille bloss noch ein Zusatzteil. Die Datenschützer würden sich besser mal überlegen ob hirnlose Chaoten, wie bei der Tanz dich frei Aktion, überhaupt Anrecht auf Datenschutz haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 19.06.2013 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gemäss Video

    Ich stelle mir das so vor. Ein grosser öffentlicher Platz, es stehen überall Menschen rum und fingern an ihren Brillen. Mann wie doof muss das aussehen. Heute tippen alle auf dem Iphone, morgen an den Brillen.

  • Robert Zwick am 19.06.2013 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Akzeptiert auch andere Meinungen!

    An die Adresse welche uns Bürger die noch etwas von Privatsphäre verstehen dauernd diskriditieren. Akzeptiert das es auch andere Meinungen gibt zu dieser Entwicklung! Diese dauernde Meindungsunterdrückung ist nicht auszuhalten. Alle denken nur an ihr eigenes Wohl ohne Respekt davor das ihr Verhalten andere tangieren könnte.

  • paddy am 19.06.2013 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Welt ist noch nicht bereit ...

    für ein solches Gadget. ich will nicht, dass ich überall gefilmt werden kann und man den Stream in Echtzeit auf Youtube findet.

  • nein danke am 19.06.2013 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Private als Polizisten = Google isten

    Trau dem Wolf im Schafspelz nicht - so geht doch die Geschichte. Google oder wer auch immer hinter diesem Projekt steht rekrutiert so MILLIONEN von unbezahlten Spionen mit dem Lockangebot "google glasses", denn wo die ihr "Auge" nicht haben können ist vielleicht deins ..??

  • J. Mattli am 19.06.2013 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Datenschützer leben auf dem Mond

    Es gibt sie heute überall zu kaufen. Uhren mit Minikamera, Kugelschreiber, Dächli-Käppli und sogar Krawatten mit eingebauter Minikamera. Ja nach Ort und Land gibt es unzählige Überwachungskameras, in Geschäften, Restaurants, Bars, Strassen, Plätzen etc. Da ist die Google Brille bloss noch ein Zusatzteil. Die Datenschützer würden sich besser mal überlegen ob hirnlose Chaoten, wie bei der Tanz dich frei Aktion, überhaupt Anrecht auf Datenschutz haben.