Cloud Computing

19. November 2009 19:02; Akt: 14.05.2010 09:47 Print

Google zeigt Chrome OS

von Henning Steier - Im Sommer kündigte der Suchmaschinenanbieter sein zweites Betriebssystem an, das zunächst für Netbooks gedacht ist. Heute hat das Unternehmen gezeigt, wie es aussieht und den Quellcode freigegeben.

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Quelle: Gizmodo.com

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Die Präsentation am Firmensitz im kalifornischen Mountain View startete mit Sundar Pichai, Vice President of Product Management, der gleich klar stellte, dass es heute weder eine Betaversion noch erste Geräte mit dem Google Chrome Operating System geben würde. Pichai lieferte zur Einstimmung ein paar Fakten zur Basis des Betriebssystems, dem Browser Chrome. «Er hat mittlerweile 40 Millionen Nutzer und soll bald für Mac OS und Linux erscheinen», sagte Pichai, ehe er nahtlos zu dem überleitete, worauf die Fachwelt gewartet hatte: «Wir wollen erreichen, dass Chrome OS sich so schnell starten lässt, wie man einen Fernseher einschaltet», sagte Pichai. In der Demo brauchte das Netbook von Asus aber knapp sechs Sekunden, bis das Betriebssystem gestartet war.

Die Benutzeroberfläche erinnert an den Browser; statt Tabs für Webseiten bietet sie welche für Anwendungen, wie in der obigen Bilderstrecke zu sehen ist. Wer einen USB-Stick oder eine Digitalkamera mit dem Rechner verbindet, sieht die Dateien in einem neuen Tab. Darüber hinaus gibt es Panels, die mehrere Tabs enthalten können. Alle Applikationen sind webbasiert. So sollen sich beispielsweise Word-Dokumente problemlos mit der von Microsoft für 2010 angekündigten Online-Version seiner Büro-Suite Office öffnen und bearbeiten lassen. Im Grunde wurde das bekannte Interface von Chrome um Symbole für den Netzwerkstatus und den Akkuladestand erweitert.

Schneller Start dank SSD

«Crome OS ist für Geräte mit Solid State Disks (SSD), also Flashspeichern, gemacht, um kurze Startzeiten zu erreichen», sagte Matt Papakipos, Leiter des Entwicklungsteams von Chrome OS. Weitere Zeit wird eingespart, weil keine Anwendungen wie Virenscanner im Hintergrund gestartet werden. Tabs aus der letzten Session sollen automatisch geöffnet werden. Zum Thema Sicherheit, sagte Papakipos, Chrome solle sich automatisch, also ohne Zutun des Nutzers aktualiseren. «Jede Komponente des Betriebssystems hat eine verschlüsselte Signatur, die sicherstellt, dass es sich um die richtigen Bausteine des Systems handelt», erläuterte der Entwicklungschef. Wenn der Check, den Google «Verified-Boot-Process» nennt, ein alarmierendes Ergebnis liefere, hat der Anwender die Möglichkeit, Chrome OS sofort neu zu starten, nachdem die aktuelle Version installiert wurde. Daten sollen zuvor automatisch gesichert werden.

Wie aber will Google sicher stellen, dass unerfahrene Nutzer von Chrome OS vor schadhaften Web-Anwendungen geschützt werden? Jedes Tool soll isoliert von den anderen in einer so genannten Sandbox laufen, wie das obige Video zeigt. Natürlich sei die Partition, in welche die Nutzereinstellungen gespeichert sind, verschlüsselt, so Papakipos. Daten des Nutzers sollen ständig in der Cloud gespeichert werden, also zentralen Servern, auf die über das Internet zugegriffen wird. Wie Google hier die Sicherheit gewährleisten will, dazu wurden keine Angaben gemacht. Cloud Computing hat in jedem Fall den Vorteil, dass man seine Daten einfach auf einen neuen Rechner übertragen kann, wenn der alte beispielsweise kaputt gegangen ist. Laut Sundar Pichai will Google auf Basis von Gears eine Lösung entwickeln, die Chrome OS auch offline funktionieren lassen soll.

Erste Rechner mit Chrome OS sollen im vierten Quartal 2010 in den Handel kommen. «Wir konzentrieren uns zunächst auf grössere Netbooks und legen Wert auf Displays und gute Touchpads», sagte Sundar Pichai. Damit bleibt eine gross angelegte Attacke auf Microsoft, dessen Betriebssystem Windows weltweit auf über 90 Prozent der Rechner läuft, wohl vorerst aus. Schon heute hat Google den Quellcode des Betriebssystems als Open Source veröffentlicht, so dass jeder Entwickler, der Zeit und Lust hat, ihn weiter entwickeln kann.

Zweites offenes Betriebssystem

Vor etwas mehr als zwei Jahren, am 5. November 2007, hatte Google angekündigt, mit über 30 Partnern sein freies Betriebssystem Android für Mobiltelefone zu entwickeln. Im Oktober kam mit dem T-Mobile G1 das erste Android-Smartphone in die Läden. Mittlerweile haben auch Hersteller wie HTC, Samsung und Sony Ericsson Geräte mit dem OS auf dem Markt oder angekündigt. Android eignet sich auch für Netbooks, allerdings ist noch Mini-Notebook mit dem auf Linux basierenden Betriebssystem verfügbar.