Vor dem Street-View-Urteil

09. September 2011 13:34; Akt: 23.09.2011 15:26 Print

Google Schweiz rührt die Werbetrommel

Ob Google auch in Zukunft Schweizer Strassenansichten zeigen wird, ist ungewiss: Das Urteil des Bundesgerichts steht noch aus. Nun geht der Suchmaschinen-Riese in die PR-Offensive.

Der bei YouTube veröffentlichte Werbefilm soll laut Google Schweiz auch im Fernsehen gezeigt werden. (Quelle: youtube.com/GoogleSchweiz)
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Das Urteil in Sachen «Schweizer Datenschützer gegen Google Street View» steht aus. Wann der Entscheid veröffentlicht wird, ist nicht bekannt. Die höchsten Richter des Landes haben das Verfahren in den letzten Monaten schriftlich geführt, eine öffentliche Verhandlung fand bislang nicht statt. Beide Parteien hatten die Gelegenheit, ihre Argumente vorzubringen, nun liegt der Ball beim Bundesgericht.

Es steht einiges auf dem Spiel für Google. Die Folgen einer juristischen Niederlage sind nicht absehbar. Nachdem die Vorinstanz, das Bundesverwaltungsgericht, zugunsten des Klägers entschieden hatte, reichte das Unternehmen beim zuständigen Gericht Beschwerde ein. Google macht geltend, man könne den Forderungen von Datenschützer Hanspeter Thür nicht nachkommen. So wurde auch unverhohlen mit der Einstellung von Street View in der Schweiz gedroht. Aufgrund des Urteils bestehe «die Gefahr, dass dieses für Schweizer Nutzer und Unternehmen so innovative Tool geschlossen werden muss». Sollten die Schweizer Strassenansichten tatsächlich aus Street View verbannt werden, wäre dies ein Novum.

Werbung in eigener Sache

Noch ist der Entscheid über die Zukunft des kostenlosen Online-Dienstes aber nicht gefallen. Und so lanciert Google ab kommendem Sonntag eine Informationskampagne zu Street View in der Schweiz. Mit einem TV-Spot und Werbung in Print- und Onlinemedien wolle man «die vielseitige Nutzung sichtbar machen und Interessierte zum Ausprobieren» anregen. Im bei YouTube veröffentlichten Werbefilm «Was ist Dein Street View?» äussern sich ein Rollstuhlfahrer, ein Biker und eine Frau, die ihren Hochzeitstag plant.

Der oberste Googler der Schweiz, «Country Manager» Patrick Warnking, rührt noch einmal kräftig die Werbetrommel: Street View sei hierzulande sehr beliebt und schon von mehr als 53 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer genutzt worden.

Der Eidgenössische Datenschützer hat zwar öffentlich geäussert, dass er die Fortführung des Online-Dienstes begrüssen würde. Doch der Datenschutz müsse zu 100 Prozent gewährleistet sein. Sprich: Die Gesichter aller (unfreiwillig) fotografierten Personen, die im Internet veröffentlicht werden, sollen unkenntlich gemacht sein.

(dsc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Emannuel am 09.09.2011 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Das finde ich aber schade! Mir perönlich haben die Dienste viel geholfen. Wenn man im Sicherheitsbereich schafft und mehrmals in der Woche zu verschiedenen meist unbekannten Ortschaften gehen muss, schätzt man Street View sehr. Liebe Datenschützer, bitte seien Sie nicht so stur! Es gibt deutlich wichtigere Sachen, die die Bevölkerung stören!

  • Ueli am 13.09.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Digital Native, Webseite, Innovation, ..

    Kein Wunder, wenn ein 52-Jähriger Datenschutzbeauftragter ist - einer vom Bund muss sich nicht um Innovationen kümmern, ein 52-Jähriger ist nicht von der Digital Native Generation und hat wohl kaum Ahnung im Umgang mit solch modernen Mitteln wie Street View. Ich verdanke Street View Stunden, welche ich eingespart habe, habe Street View selber in einige Webseiten implementiert - das ist ein extrem brauchbares, modernes Tool, welches - solange wir es richtig nutzen - uns einiges an Zeit und Kosten erspart.

  • Bernhard Schneider, Bern am 09.09.2011 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Street View hat mir oft gehofen

    Der oberste Datenschützer sollte lieber den wichtigen Problemen des Datenschutzes nachgehen......

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 13.09.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Digital Native, Webseite, Innovation, ..

    Kein Wunder, wenn ein 52-Jähriger Datenschutzbeauftragter ist - einer vom Bund muss sich nicht um Innovationen kümmern, ein 52-Jähriger ist nicht von der Digital Native Generation und hat wohl kaum Ahnung im Umgang mit solch modernen Mitteln wie Street View. Ich verdanke Street View Stunden, welche ich eingespart habe, habe Street View selber in einige Webseiten implementiert - das ist ein extrem brauchbares, modernes Tool, welches - solange wir es richtig nutzen - uns einiges an Zeit und Kosten erspart.

  • Jessica Beutler am 09.09.2011 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht erklärbar wieso

    Für mich ist es auch ein geniales Tool! Datenschutz kann nie 100% gewährleistet sein, egal wo. Datenschutz schützt eh die 'Vögel' und nicht die so genannt normale Bevölkerung. Wie kann auch ein Bundesgericht über etwas befinden, das eigentlich niemanden stört! Ich nenne dies: Verhüllung mündiger Bürger! Immer mehr Gesetze, die mein Leben einschränken!

  • Mättu am 09.09.2011 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen

    Den Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten sollte man wieder abschaffen. Der kostet nur viel und produziert wenig Sinnvolles.

  • Eveline am 09.09.2011 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig und Persönlichkeitsverletztend

    Es geht sehr gut auch ohne (Einbrecher und dergleichen denken da wohl anders).

    • Tobias am 11.09.2011 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      wie dazumal das Telefon

      Vor 150 Jahren hatten die Leute ähnliche Besorgnisse über das Telefon... Einbrecher könnten rasch zuhause anrufen und wenn niemand abnimmt, kann man davon ausgehen, dass niemand zuhause ist...

    • Simon M. am 12.09.2011 00:28 Report Diesen Beitrag melden

      Aha und wie genau?

      Dann erleuchte uns doch mal wie ein Einbrecher anhand von Google Maps einen Einbruch plant.

    • Nicam am 12.09.2011 08:48 Report Diesen Beitrag melden

      Re: Unnötig und Persönlichkeitsverletzte

      Die Einstellung "Es geht auch ohne" ist nur innovationshemmend. Es geht auch ohne Geschirrspüler, Warmwasserboiler und Waschmaschine. Trotzdem hat jeder eine.

    • Karin B. am 06.06.2012 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      Was für ein Argument...

      Evelyne: bei uns ist die Siedlung von hinten nicht sichbar erfasst bei Street View und trotzdem (man glaubt es kaum?!) wird genau von der Seite her hin und wieder mal eingebrochen... und das schon Jahre vor Street View!Wenn ich schon so ein Argument höre, gehen mir die Schnürsenkel auf. Und nein: "es geht nicht auch sehr gut ohne!"- richtig ist: "mit Street View geht es viel besser"!

    einklappen einklappen
  • Toni am 09.09.2011 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Street View muss bleiben

    Ich bin auch klar dafür, dass Google Street View bleiben muss. Denn so ein praktischer Dienst ist einfach notwendig in der heutigen Welt. Man kann schnell zugreifen und sich bestens informieren. Alles Spiesser