Neue Regeln

25. Januar 2012 17:20; Akt: 26.01.2012 09:03 Print

Google will Nutzerdaten verschmelzen

Der Suchmaschinenriese wird künftig persönliche Informationen aus über 60 Google-Diensten kombinieren. Ist das schlecht? Wir beantworten die brennendsten Fragen.

Ab 1. März 2012 gelten für Google-Nutzer neue Datenschutzregeln. Betroffen sind unter anderem Nutzer von Android, Gmail, YouTube oder Google+. (Quelle: Google)
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Google vereinheitlicht zum 1. März 2012 die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und Datenschutzerklärungen von 60 Produkten – von der Websuche und Google Mail über das Handy-Betriebssystem Android bis zum sozialen Netzwerk Google+. Was zunächst mehr Klarheit für die Nutzer bedeutet, hat es bei genauerer Betrachtung in sich: Der Tech-Gigant erlaubt sich mit den neuen Regeln ausdrücklich, die Daten aus den einzelnen Diensten zusammenzuführen, was die Google-Nutzer für den Konzern vollständig transparent macht und höhere Werbeeinnahmen verspricht. Vermarktet werden die Neuerungen mit einer besseren «User Experience» und relevanteren Suchergebnissen.

Im Folgenden werden die wichtigsten Fragen zu Googles neuer Datenschutz-Politik beantwortet:

Was ändert sich am 1. März 2012?
Google sammelt schon lange Informationen von Nutzern populärer Dienste wie der Google Suche, Android, Gmail, YouTube oder dem sozialen Netzwerk Google+. Neu werden diese persönlichen Informationen zusammengeführt, was Google ein umfassendes Bild von seinen Nutzern ermöglicht. Je besser der Konzern seine Kunden kennt, desto wertvoller werden sie für die Werbekunden, die bei Google Anzeigen schalten.

Welche Informationen werden gesammelt?
So ziemlich alles, das die Nutzer über Google-Dienste von sich Preis geben oder andere über einen öffentlich machen: Kalender-Einträge, Positionsdaten, Suchanfragen, Kontakte im Adressbuch, persönliche Gewohnheiten anhand der Chat-Protokolle und so weiter und so fort.

Dürfen die das?
Ja. Google hat bereits in der Vergangenheit Informationen zwischen gewissen Diensten ausgetauscht. Wenn die Datenschutzerklärung per 1. März ändert, können die Daten aus über 60 verschiedenen Diensten kombiniert werden. Als Nutzer hat man die Möglichkeit, die neuen AGB abzulehnen. Zudem kann man selbst festlegen, welche Daten verwendet werden dürfen.

Was ändert sich für mich?
Ist ein Nutzer mit seinem Google-Account angemeldet, kann die Suchmaschine beispielsweise die Suchergebnisse und Werbung anhand der Informationen aus Gmail, Google+ oder YouTube personalisieren. Künftig werden immer häufiger Empfehlungen von Freunden weit oben in den Suchergebnissen auftauchen. Kritiker befürchten, dass die Suche so verfälscht wird, sprich nicht mehr die wirklich relevanten Treffer oben erscheinen.

Ist Google nun doch «evil»?
Die Firma sagt, sie könne viel mehr «coole Dinge» tun, wenn sie die persönlichen Nutzer-Daten aus den verschiedenen Produkten kombiniere. Das Hauptargument: Google könne seinen Kunden so viel besser helfen. Beispielsweise kann Google künftig einen Nutzer warnen, dass er zu spät zu einem im Kalender eingetragenen Meeting kommt, da es seine Position überwacht und erkennt, dass auf der Strasse zum Zielort zu viel Verkehr herrscht. Zudem garantiert Google weiterhin, dass persönliche Daten weder verkauft noch ohne Erlaubnis des Nutzers mit Dritten geteilt werden.

Mir gefällt das nicht. Was kann ich tun?
Wer mit den Änderungen nicht einverstanden ist, kann lediglich sein Google-Konto schliessen und andere Anbieter nutzen. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten ermöglicht Google seinen Nutzern, mit Google Takeout die Daten zu anderen Anbieter zu zügeln. Informationen hierzu will der Konzern in der Online-Hilfe der verschiedenen Dienste anbieten.

Ich habe kein Google-Konto. Bin ich trotzdem betroffen?
Nein.

Was ist, wenn ich ein Google-Konto habe, mich aber nicht anmelde?
In diesem Fall werden keine Daten verknüpft. Google kann die Informationen aus den verschiedenen Diensten nur verknüpfen, wenn ein Nutzer in seinem Google-Konto eingeloggt ist. Ist jemand beispielsweise bei Gmail angemeldet und öffnet im selben Browser YouTube, können die Informationen verknüpft werden. Wird YouTube in einem anderen Browser geöffnet, ohne sich anzumelden, werden keine Daten verknüpft.

Ich nutze ein Android-Handy. Bin ich auch betroffen?
Da für viele Android-Funktionen – abgesehen vom Telefonieren und Webbrowser – ein Google-Konto notwendig ist, wird Google praktisch alles speichern können, was die Nutzer auf ihrem Handy tun. Google könnte beispielsweise die individuelle Gerätenummer mit dem Google-Konto verbinden und alle möglichen persönlichen Informationen sammeln und verknüpfen: Details, wie das Handy genutzt wird, Suchanfragen, die gewählten Rufnummern, IP-Adressen sowie Cookies, die den Browser oder das Google-Konto identifizieren können.

Was ist, wenn ich ein anderes Handy nutze?
Wer Gmail, YouTube, Google+ etc. auf einem BlackBerry, iPhone oder Windows Phone als eingeloggter Nutzer verwendet, gibt Google ebenfalls die Möglichkeit, die Daten zu kombinieren.

(owi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Didi Dumm am 25.01.2012 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld!

    Bin nirgends angemeldet, also kein fb, kein gmail, kein youtube konto und ich existiere nicht....da ich konsumiere aber ich mich nicht anmelde, oder zumindest nicht einlogge. Wenn man natürlich jeden Hype mitmachen muss weil man meint man sei nicht in oder nicht dabei...nun ja...mein bedauern hat so eine Person.....;-)

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  • mMee am 25.01.2012 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Mal schaun wie viele

    nun sagen werden "Ich hab nichts zu verstecken" Ich bin selber Android-User, habe logischerweise ein Google-Konto für den Market, mein Ursprünglicher Youtube-Account dürfte eig. gar nicht mehr funktionieren, da es mit der Übernahme auch zu dem Konto system ging, aber ich konnte mich bisher tapfer wegklicken um dies zu verhindern ;-) Was mich aber etwas beunruhigt, ist die verknüpfung mit der Google-Suche. Ich hab mich kreuz und quer gesurft, von Pornos über Bombenbau, Atomwissenschaft, politik, etc. etc. etc. Das dies gespeichert wird, war mir durchaus klar, die verknüpfung macht mir "sorgen"

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  • sägi nid am 25.01.2012 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    na und?

    die berechtigungen der 20min facebook app sind weitaus schlimmer. Stichwort Facebook: FB und Apple erstellen schon lange persönliche Profile.

Die neusten Leser-Kommentare

  • mikwut am 26.01.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    20 min hat alle zweifel beseitigt

    "Ich habe kein Google-Konto. Bin ich trotzdem betroffen? Nein." - steht so oben im Beitrag. Dann schlage ich vor, bevor man etwas googelt, sich wieder vom account abzumelden (oben rechts auf google.com) so wie wir dies auch beim email account tun, beim facebook account machen und beim online banking handhaben. und schon sind die suchergebnisse nicht mehr an ein nutzerprofil gebunden. tatarata!

  • David unknown am 26.01.2012 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ausspioniert durch 50 oder einen Grossen

    Google ist super, ich nutze alle Google Dienste und bin froh, dass ich meine Daten grössten teils an nur eine Firma gehen und nicht an 50 verschiedene. Ja sie sind übermächtig und ist mir auch ganz recht so.

    • fab mini am 26.01.2012 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      ganz genau!

      wollte ich selber schreiben, hab deinen kommentar gelesen und denke das gleiche. ist doch perfekt so.

    • stefan am 26.01.2012 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      +1

      richtig!

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  • melanie am 26.01.2012 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    immer diese angst

    was haben immer alle für ein problem mit den daten? wenn ihr nichts zu verstecken habt, müsst ihr euch auch nicht fürchten.

  • Ivan H. am 26.01.2012 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Google

    Google war cool, ist cool und wird noch viel cooler werden. Die machen das schon. Was wäre das Internet ohne die Googledienste ? Laaaangweilig. Ich vertraue alles an Google an. Sogar meine Freundin wenn es sein müsste.

    • Nevaeh am 26.01.2012 11:16 Report Diesen Beitrag melden

      Ich bin Google...Deine KontoNr. Bitte :-

      da liebt einer seine Freundin wohl nicht wirklich *g*

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  • A. Kipfer am 26.01.2012 00:16 Report Diesen Beitrag melden

    Dachte, die machen das schon lange..

    Natürlich sammelt Google Daten. Google lebt von Werbung. Man sollte sich an das einfache Prinzip halten. If you get something for free, you are not the customer, your the Produkt. Dies muss sich jeder bewusst sein, der Dienste wie Google, Facebook oder die andere Hälfte des Internets benutzt. Das Internet ist grösstenteisl Gratis, da es Werbefinanziert ist. Wie 20 Minuten auch. Dinge die Google oder Facebook nicht wissen soll, sollte ich ihnen nicht geben. Dies kann ich kontrollieren. Auslogen oder Private browsing helfen da echt.