Google Instant

08. September 2010 12:59; Akt: 29.09.2010 16:33 Print

Treffer während der Eingabe

von Henning Steier - Google führt heute in sieben Ländern eine Neuerung ein: Nutzer erhalten bereits Suchergebnisse, während sie tippen. In der Schweiz lässt sich die Funktion bislang nur über einen Umweg nutzen.

Google liefert bereits Suchergebnisse, während man tippt. Quelle: Websonic.nl
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Seit einigen Wochen war bekannt, dass Google Tests durchführte, in denen Nutzern der Suchmaschine bereits Treffer angezeigt werden, während sie noch ihre Anfrage tippten. Seit gestern mehrten sich Berichte, dass der Anbieter die Funktion auf google.com immer mehr Anwendern zugänglich macht. Der Blog Websonic.nl erstellte den obigen Bildschirmfilm, in dem das Ganze zu sehen ist.

Gestern hatte sich das Google-Logo auf der Suchseite in einen Schwarm bunter Kugeln aufgelöst, der auf Bewegungen des Cursors reagierte. Heute bekam das eigentlich farblose Doodle mit jedem eingegebenen einen farbigen Buchstaben. Doodles werden normalerweise für besondere Ereignisse wie den Olympia-Start auf Googles Seite platziert. Die beiden aktuellen liessen vermuten, dass es neue Funktionen für die Suche geben würde.

Gerüchte werden wahr

Soeben hat nun Jonathan Effrat, Product Manager Web Search, die Neuerung namens Google Instant in einer Präsentation am Firmensitz im kalifornischen Mountain View offiziell vorgestellt. Beim Tippen wird der vorgeschlagene Rest der Suchanfrage in hellgrauem Text angezeigt und gleichzeitig erscheinen bereits Treffer unter dem Eingabefeld. Anwender können nun durch die erscheinenden Anfragen scrollen und erhalten sofort neue Treffer zum jeweiligen Vorschlag. Die Trefferliste wird per Ajax mit jedem eingegebenen Buchstaben aktualisiert. Google verzeichnete zuletzt rund 85 Prozent aller weltweiten Suchanfragen. Laut Effrat werden täglich rund eine Milliarde Webrecherchen mit dem Marktführer gestartet. Google Instant solle die durchschnittliche Zeit für eine Anfrage um bis zu fünf Sekunden reduzieren. Pro Sekunde entspreche das weltweit eingesparter Zeit von etwa elf Stunden, sagte der Produktmanager. Die im April 2009 auch auf Deutsch eingeführte, automatischen Vorschlagsfunktion Suggest wird es weiterhin geben; sie heisst nun Autocomplete.

Zunächst ist Google Instant sukzessive für alle PC-Nutzer von google.com in Englisch sowie Anwender aus Russland direkt auf der Suchseite verfügbar. In Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Spanien und Italien muss man eingeloggt sein, um es verwenden zu können. Wann man die Neuerung in der Schweiz offiziell nutzen kann, gab das Unternehmen nicht bekannt. Um sie hierzulande auszuprobieren, kann man auf die US-Seite gehen - zum Beispiel, indem man google.com in die Suchmaske eingibt und unter dem Treffer auf «Im Cache» klickt. Matthias Meyer, Sprecher von Google Schweiz, sagte, in den kommenden Wochen und Monate arbeite Google daran, die Echtzeitsuche in weiteren Ländern und auf anderen Plattformen einzuführen. Dazu zählen die Smartphones und Browser wie Opera. Für die mobile Suche gibt es laut Jonathan Effrat schon eine Demoversion. Bislang wird Google Instant nur von den aktuellen Versionen folgender Surfsoftware unterstützt: Firefox, Chrome, Internet Explorer und Safari. Wer Google Instant nicht nutzen möchte, kann es über eine Schaltfläche rechts neben der Suchmaske abschalten.

Jugendschutz per Enter-Taste

Anstössige Suchanfragen erfüllt Instant übrigens kaum - selbst wenn der SafeSearch-Filter abgeschaltet ist: Wer Wörter wie Penis, Child Sex oder Tit Fuck eingibt, sieht nur eine leere Seite. Dabei spielt es keine Rolle, welche Einstellung man für den SafeSearch-Filter gewählt hat. Um dennoch entsprechende Ergebnisse geliefert zu bekommen, muss man die Enter-Taste drücken oder den Such-Button anklicken. Ausserdem wurde beim Kurz-Test deutlich, dass die Textanzeigen am rechten Bildrand nun schwerer wahrgenommen werden könnten, weil sich die Augen des Nutzers nun noch stärker auf die Mitte konzentrieren. Google Ads sind aber das Hauptgeschäft des Unternehmens. Es bleibt abzuwarten, wie sie sich entwickeln. Das Prinzip des Unternehmens könnte man - grob verkürzt - aber auch so zusammenfassen: «Locke immer mehr Nutzer an und präsentiere ihnen dann nach und nach Werbung.» Auf Google Instant übertragen hiesse dies, dass es zunächst darum geht, die Suche attraktiver zu machen, die Nutzerzahlen zu steigern und dann damit mehr Geld zu verdienen. Oder wie es auf der AdWords-Hilfeseite heisst: «Google Instant kann die Qualität Ihrer Klicks verbessern, weil Anwendern geholfen wird, schneller die am besten zu ihren Bedürfnissen passenden Suchanfragen einzugeben.» Ausserdem dürften die meisten Nutzer nun mehr Treffer sehen als zuvor, weil sich diese mit jedem Buchstaben ändern müssten.

Konkurrent Yahoo hatte übrigens im September 2005 eine vergleichbare Funktion namens Instant Search integriert. Einen Screenshot sieht man noch auf archive.org. Sie basierte ebenfalls auf Ajax und zeigte Ergebnisse bereits während der Eingabe in einer Blase unter der Suchmaske an. Heute führt der Link allerdings nur noch auf eine 404-Fehlerseite.

Echtzeitsuche mit eigener Seite

Ende August hatte Google seine Echtzeitsuche aufgebohrt, die nun überdies eine eine eigene Webseite hat. Darüber erhalten die User die Möglichkeit, sich nur die Treffer einer bestimmten Region anzeigen zu lassen. So erfährt man im Nu, was die Leute in der unmittelbaren Nähe beschäftigt. Mit Hilfe der Option «Full Conversation» erhält man Zugriff auf den gesamten Konversationsverlauf zu einem Thema. Ausserdem kann man sich per News-Alarm eine E-Mail schicken lassen, sobald ein zuvor definierter Suchbegriff in einem Tweet erwähnt wird.

Durch die Echtzeitsuche werden aktuelle Inhalte aus Social Communities, Twitter und Blogposts in der Trefferliste berücksichtigt. Bei unerwarteten Ereignissen sind die neuesten Entwicklungen oftmals auf Seiten wie Twitter und Facebook zu finden. Ungefiltert und damit ungeprüft, dafür aber nahezu ohne zeitliche Verzögerung erreichen sie ihr Publikum. Wer Tweets und Status Updates für die Web-Öffentlichkeit freigibt, dessen Beiträge werden mittlerweile von Suchmaschinen gefunden und sind damit von jedem Surfer lesbar - ein Grund mehr, sich genau zu überlegen, wie viel man von sich im preisgeben möchte.


Update: 29.9.: Ab heute steht Google Instant über google.ch zur Verfügung, wie der Suchmaschinenanbieter mitteilte.