Bewegungsprofile

22. April 2011 09:03; Akt: 22.04.2011 19:44 Print

Auch Android-Nutzer sind betroffen

Nicht nur die iPhones und iPads speichern fortlaufend die Aufenthaltsorte in einer versteckten Datei, sondern auch Smartphones mit dem Google-Betriebssystem.

storybild

Die Entwarnung kam zu früh: Nach neuesten Erkenntnissen sammeln Android-Handys praktisch die gleichen Geodaten wie die Apple-Geräte iPhone und iPad. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wie das «Wall Street Journal» und der britische «The Guardian» unter Berufung auf zwei Informatikexperten berichten, melden auch die Android-Smartphones Google regelmässig ihre Position – und zwar auf fast die gleiche Art wie die Geräte von Apple.

Laut «Guardian» speichern die Android-Telefone allerdings nur eine begrenzte Zahl von Aufenthaltsorten. Erfasst werden die Positionen der letzten 50 Mobilfunkantennen, mit denen eine Verbindung hergestellt wurde. Ausserdem werden die letzten 200 WLAN-Netzwerke erfasst. Die gespeicherten Geodaten werden fortlaufend überschrieben, die ältesten zuerst, wenn die Liste voll ist. Laut «Guardian» ist es noch nicht klar, ob die Daten an Google übermittelt werden.

Im Gegensatz zu den Apple-Geräten, die die sensiblen Daten bis zu einem Jahr lang speichern, löschen die Android-Handys die Daten also fortlaufend. Ausserdem ist die entsprechende Datei im Betriebssystem nicht so einfach verfügbar. Laut «Guardian» sind vertiefte Computer-Kenntnisse erforderlich, um die Daten zu extrahieren. Auf den Apple-Geräten kann direkt auf die unverschlüsselten Nutzer-Daten zugegriffen werden.

Apple unter Beschuss

Der Computerkonzern Apple steht wegen der jüngsten Enthüllungen unter Beschuss. Computerexperten und Politiker zeigen sich gleichermassen beunruhigt über den Umgang des Unternehmens mit sensiblen Nutzerdaten. Datenschützer in den USA verlangen vom US-Konzern Auskunft über die Aufzeichnung der Geodaten durch die Geräte iPhone und iPad. Zwei Briten hatten enthüllt, dass die Apple-Geräte die Bewegungsprofile ihrer Nutzer speichern - weltweit und vor allem langfristig.

Eine Stellungnahme des obersten Datenschützers der Schweiz, Hanspeter Thür, steht aus. Der in Deutschland für den US-Konzern zuständige Datenschützer Thomas Kranig zeigte sich über das Aufzeichnen sogenannter Geodaten durch Apple äusserst besorgt. «Wenn ich mich in die Rolle des Nutzers hineinversetze, dann würde ich mich jetzt einfach unwohl fühlen», sagte er. Sein Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht ist für Apple zuständig, weil die deutsche Apple-Dependance in Bayern sitzt. Kranig gab an, die hiesige Vertretung von Apple zur Aufklärung der Affäre aufgefordert zu haben.

Keine präzisen Ortsangaben

Nach ersten Erkenntnissen sammeln die Geräte von Apple, die sich mit dem Mobilfunknetz verbinden können, keine präzisen Ortsangaben. Nach übereinstimmenden Berichten von Fachzeitschriften werden allein die Daten über die Funkzellen erfasst, in denen sich Nutzer mit iPhones und iPads bewegen. Von einer Erfassung der auf wenige Meter genauen Koordinaten, die GPS-Empfänger via Satelliten liefern können und die in den iPhones und iPads serienmässig eingebaut sind, war keine Rede.

Mit dem «iPhone Tracker», den die IT-Experten Pete Warden und Alasdair Allan dafür auf ihre Webseite stellten, kann jeder Nutzer selbst auf einer interaktiven Karte verfolgen, wo er sich bewegt hat. Apple schweigt sich aller Kritik zum Trotz aus.

(dsc/sda/ap)