Blick in die Zukunft

31. August 2010 10:28; Akt: 31.08.2010 11:55 Print

«Eine Hürde haben wir schon genommen»

von Henning Steier - Google Translate hat ein neues Design bekommen. Franz Och, beim Suchmaschinisten für den Dienst zuständig, erklärt im Interview, ob es jemals einen Universalübersetzer wie in «Star Trek» geben wird.

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20 Minuten Online: Welche Neuerungen bringt Google Translate ab heute mit?
Franz Och: Eine der wichtigsten Änderungen ist, dass man viel besser informiert wird, was Google Translate neben der reinen Übersetzung zu bieten hat. Es ist unter anderem in die Suche integriert, in Gmail und in Chrome. So kann man sich in unserem Browser beispielsweise das ganze Web in seiner Wunschsprache anschauen. Vor allem für kleine Sprachgruppen gibt es viele Vorteile, beispielsweise bei der übersetzten Suche: Ein ausschliesslich Arabisch sprechender Surfer könnte sich weniger als ein Prozent des Netzes erschliessen, übersetzt er seine Anfrage, stehen ihm rund 99 Prozent zur Verfügung. Neben einem aufgefrischten Design haben wir auch die Menüs übersichtlicher gestaltet. Denn in den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der verfügbaren Sprachen stark erhöht. Mittlerweile sind es 57. Wir haben die Benutzeroberfläche so optimiert, dass man nicht mehr so viel scrollen muss, um seine Wunschsprache zu finden.

Verkauft Google die Technologie an andere Unternehmen?
Nein - unsere Schnittstelle steht jedem Entwickler offen, der sich an unsere Geschäftsbedingungen hält.

Basis für die Übersetzungen von Translate sind unter anderem offizielle Dokumente von EU und UNO. Nutzen Sie mittlerweile auch Ausschnitte aus Google Books?
Die offiziellen Regierungsdokumente haben den Vorteil, dass sie gut übersetzt und in vielen Sprachen vorliegen. Beispielsweise überträgt die Europäische Union alle Dateien in 23 Sprachen. Allerdings können sie Alltagssprache nur unzureichend abbilden. Daher nutzen wir mittlerweile auch Ausschnitte aus den von uns gescannten Büchern. Generell versuchen wir, alle Übersetzungen aus dem Web zu verwenden – beispielsweise Blogs. Allgemeine Webquellen sind mittlerweile wichtiger geworden als Dokumente von EU und UN. Für kleine Länder wie Litauen sind offizielle Dateien als Quelle allerdings noch am wichtigsten.

Wie geht es weiter?
Wir arbeiten daran, dass die Sprachbarriere nicht mehr so relevant ist. Nehmen wir die erwähnte übersetzte Suche. Wenn man beispielsweise das Wort Waffel eingibt, wählt man danach zum einen aus, in welcher Sprache dies ein interessanter Suchbegriff sein könnte. Das System weiss dann, dass Waffeln aus Belgien kommen. Also schlägt es unter anderem Französisch als Sprache vor, da diese dort gesprochen wird und gibt dann übersetzte Suchtreffer aus. Nutzer können natürlich auch noch Sprachen selbst hinzufügen. Unsere Vision ist, dass es irgendwann komplett integriert ist: Jeder kann in seiner Sprache eine Anfrage eingeben und passende Antworten finden. Bis dahin haben wir aber noch einige Herausforderungen zu bewältigen.

Welche Textarten stellen Ihre Rechner vor die grössten Herausforderungen?
Blog-Posts voller Rechtschreibfehler sind natürlich schwer zu übersetzen. Sportberichte sind aber oft auch nicht leicht. Denn es werden von den Journalisten oftmals Synonyme für Vereine verwendet – beispielsweise die Königlichen für Real Madrid.

Wozu haben Sie Ihr Angebot zuletzt benutzt?
Ich verwende es oft, um News über Google Translate zu lesen, die in Fremdsprachen verfasst wurden. Ein weiterer Vorteil: Wir erfahren schneller von etwaigen technischen Problemen.

Im Frühjahr hatten Sie in einem Interview mit der «Los Angeles Times» gesagt, in einigen Jahren werde es einen wie aus Star Trek bekannten Universalübersetzer für Android geben: So könnte sich dann beispielsweise ein Amerikaner mit einem Chinesen unterhalten, obwohl keiner die Sprache des anderen beherrscht. Wie weit sind Sie damit?
Eine Hürde haben wir schon genommen. Besitzer eines Android-Geräts können etwas ins Mikrofon sprechen und erhalten die Übersetzung per Sprachausgabe. Seit rund 25 Jahren arbeiten Forschungslabore rund um den Globus an der maschinellen Echtzeitübersetzung. Smartphones sind mittlerweile leistungsfähig genug. Entscheidend ist, dass wir das System mit so vielen Dokumenten füttern müssen, dass es lernfähig wird. Nur so kann es mit der Vielfalt der menschlichen Sprechweisen zurechtkommen. Unterschiedliche Nutzer verwenden nicht nur verschiedene Wörter für die gleichen Beschreibungen, viele haben auch einen Dialekt, den es zu erkennen gilt. Es geht also um Verfeinerung. Ausserdem hat die Technologie mit unterschiedlichen Grammatiken zu kämpfen. Beispielsweise steht im Deutschen ein Teil des Prädikates oft am Ende des Satzes.

Übersetzte Untertitel im Videochat von Google Talk – das wäre doch mal ein Projekt.
Das wäre in der Tat interessant. Ich finde aber auch Anwendungsmöglichkeiten spannend, die wir schon haben. Man nehme Google Goggles. Ein Anwender fotografiert mit dem Smartphone eine Speisekarte und bekommt eine Übersetzung geliefert.

Werden wir irgendwann keine Fremdsprachen mehr lernen müssen?
Maschinelle Übersetzung hat noch nicht die Qualität von jener in «Star Trek». Man lernt Fremdsprachen ja nicht nur um ihrer selbst willen, sondern unter anderem auch, um etwas über ein Land und seine Kultur zu erfahren. Andererseits kann man nur eine begrenzte Zahl lernen und so wird die computergenerierte Übersetzung sicherlich in naher Zukunft von vielen Anwendern deutlich häufiger genutzt werden als heute.