Wie das Web die Gesellschaft verändert

11. Juli 2011 10:49; Akt: 11.07.2011 14:16 Print

Google sponsert deutsche ForscherGoogle sponsert deutsche Forscher

Gemeinsam mit der Humboldt-Universität startet der Suchmaschinenriese im Oktober ein Institut in Berlin. Dafür macht Google knapp fünf Millionen Franken locker.

storybild

Das «Institut für Internet und Gesellschaft» soll im kommenden Oktober seine Tore öffnen.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Das geplante Berliner Internet-Institut nimmt Gestalt an. Wie die beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen am Montag gemeinsam mit Vertretern von Google in der Humboldt-Universität (HU) bekannt gaben, fördert der Suchmaschinen-Konzern das Projekt in den ersten drei Jahren mit insgesamt 4,5 Millionen Euro. Der Start soll im Oktober mit einer Fachtagung zu den Herausforderungen des Internets erfolgen.

Das neue Institut werde vor allem «die vom Internet ausgelösten und verstärkten Veränderungen der Gesellschaft besser verstehen» und «allen Gruppen die Mitgestaltung der digitalen vernetzten Zukunft» ermöglichen. Dafür werde in der Hauptstadt bis Herbst das «Institut für Internet und Gesellschaft» entstehen, an der sich neben der HU auch die Berliner Universität der Künste und das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) beteiligten.

Verantwortung im Internet

Das Institut soll an der juristischen Fakultät der HU sitzen und anfangs etwa zehn Mitarbeiter beschäftigen. Einen Zugriff auf die Datenbanken von Google hätten die Forscher allerdings nicht, wie es hiess. Themen, mit denen sich das Institut befassen werde, seien technische Innovationen und deren Auswirkungen auf die Nutzer, aber auch Medienpolitik, Regulierung und das Urheberrecht.

Konkret schwebt den Forschern vor, die Plattform «Regulation-Watch» zu starten, um die politischen Spielregeln für das Internet einem internationalen Vergleich zu unterziehen. Auch die Folgen, die eine Zensur in Ländern wie China für die jeweiligen Angebote habe, werde erforscht. Google hat selbst Probleme, mit seinen Angeboten in den chinesischen Markt vorzustossen. Der Konzern wehrt sich gegen Zensur.

Förderung von Bund und EU angestrebt

Der Vorstandsvorsitzende von Google, Eric Schmidt, sagte am Montag in einer Videobotschaft: «Das Institut soll einen Beitrag leisten, um die Veränderungen zu beschreiben, die mit der Entwicklung dieser bahnbrechenden Technologie verbunden sind.» Konkrete Wünsche äusserte er in der knappen Aufzeichnung jedoch nicht. Schmidt hatte das Institut im Frühjahr bei einem Besuch der HU selbst angekündigt.

Google-Vertreter Max Senges bezeichnete den Forschungsstandort Berlin bei der Präsentation als «Spitzenklasse». In den ersten Jahren sei geplant, weitere Fördergelder zu akquirieren, «etwa vom Bund und der Europäischen Union», sagte Senges. «Wir wollen das Institut auf eine gute Grundlage stellen.» Auch andere Unternehmen seien eingeladen, das Projekt zu fördern.

Die Interessen von Google

«Das Interesse von Google ist, möglichst viel über die Konsequenzen dieser weltweiten Vernetzung der Information herauszufinden», sagte HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz. Es gehe darum, die Möglichkeiten auszuloten, «wie wir das Internet verantwortungsvoll nutzen können». Dabei werde über die Grenzen der üblichen Fachbereiche hinweg gearbeitet. Informatiker, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler und auch Juristen würden Theorien und Modelle gemeinsam erarbeiten. Auf diesen «Dialog der Wissenschaften» werde «grossen Wert» gelegt.

Die Beteiligten beteuerten, dass Google seiner millionenschweren Förderung zum Trotz keinen Einfluss auf die wissenschaftliche Arbeit nehmen werde. Dafür werde eine Fördergesellschaft gegründet, die unabhängig vom eigentlichen Institut die Finanzierung der Forschung organisiere. «Google stellt für seine 1,5 Millionen Euro pro Jahr keinerlei Bedingungen», sagte WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger. Olbertz betonte: «Es wäre ein Missverständnis, wenn jemand annähme, dass Google damit ein Forschungsinstitut bekommt.» Google fördere die Einrichtung allein, habe aber keinen Zugriff.

Google und die Kritiker

Google war in Deutschland in den vergangenen Jahren wiederholt in die Kritik geraten. Die Kamerafahrten für seinen interaktiven Atlas «Street View» durch deutsche Städte rief mehrfach Datenschützer auf den Plan. Auch die Personalisierung der Werbung, mit der Google im Wesentlichen sein Geld verdient, beschäftigt immer wieder Kritiker. Google wertet dafür neben den Suchabfragen etwa auch den Inhalt von E-Mails aus, die Nutzer über seinen Dienst «Gmail» lesen und senden.

Google-Vertreter Senges sagte dazu am Montag: «Dieses Institut wird sich kritisch-konstruktiv mit diesen Fragen auseinandersetzen.» Dies könne letztlich durchaus dabei helfen, auch die eigenen Produkte zu verbessern. Das Institut folge allerdings «einem humanistischen Ansatz». Das Institut sei keine Produktschmiede für seinen Geldgeber.

(dapd)