Urheberrecht

03. Dezember 2010 10:06; Akt: 03.12.2010 15:58 Print

Google verschärft Kampf gegen Raubkopierer

von Henning Steier - Der Suchmaschinist erleichtert Piraten das Finden geschützter Inhalte und lässt sie Geld verdienen. Nun macht er es ihnen ein bisschen schwerer.

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Google Suggest: Vorschläge für Raubkopierer

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Wer sich nicht um Urheberechte kümmert und einschlägige Foren oder Torrent Tracker nicht kennt, für den ist Google erste Wahl zum Finden geschützter Inhalte. Denn wer seit April 2009 beispielsweise «Madonna» und «Music» in die Suchmaske eingibt, dem schlägt Google sogleich «Madonna Music zippyshare» als Anfrage vor. Startet man diese, erhält man auch einen Treffer wie diesen, dank dem man das gleichnamige Album der Sängerin über den One-Click-Hoster RapidShare herunterladen kann.

Auch Piraten, welche die Namen teurer Software wie «Adobe Photoshop CS5» und «Microsoft Office 2010» bei Google eingeben, werden schnell fündig. «Suchmaschinen wie Google sind eine Abbildung von dem, was im Internet existiert - und keine Inhalte-Editoren», hatte Google-Sprecher Matthias Meyer einen entsprechenden Bericht von 20 Minuten Online damals kommentiert. «Was wir mit «Google Suggest» zu erreichen versuchen, ist, die Popularität eines beliebigen Suchbegriffs zu ermitteln; dies erlaubt uns, dem Benutzer Vorschläge zu machen, während sie oder er etwas in das Suchfeld eintippt», so Meyer weiter.

Nicht nur Piraten nutzen BitTorrent

Diese Vorschläge sollen sich in den nächsten Monaten ändern, wie Google nun im firmeneigenen Blog ankündigte. «Wir werden Begriffe, die in engem Zusammenhang mit Piraterie stehen, in Zukunft aus unserer Vorschlagsliste entfernen», schrieb Kent Walker aus Googles Rechtsabteilung. Dies könnte allerdings auch zur Benachteiligung von Filmfirmen oder Softwareherstellern führen, die ihre Inhalte über BitTorrent-Technologie verbreiten - wenn Google beispielsweise das Wort Torrent nicht mehr vorschlägt. Wie Google darauf reagieren will, liess der Blogeintrag offen. Eine Anfrage von 20 Minuten Online blieb bislang unbeantwortet. Daher ist auch unklar, warum Google gerade jetzt diese Massnahmen ergreift. Googles wichtigster Konkurrent, Microsofts Suchmaschine bing, bietet eine Vorschlagsfunktion bisher nur in ihrer US-Version an. Allerdings schlug sie im Kurz-Test keine Begriffe wie Torrent vor.

Weitere Massnahmen formulierte Walker ebenfalls eher vage: Google will auf gemäss US-Digital-Millenium-Copyright-Act (DMCA)gemeldete Rechteverletzungen nun innerhalb 24 Stunden antworten. Wer meint, dass seine Inhalte irrtümlich entfernt wurden, dem will Google ebenfalls schneller helfen. Im Februar hatte Google Seiten wie I Rock Cleveland, It’s a Rap, Living Ears, To Die By Your Side, Masala und Pop Tarts vom Netz genommen. Sie nutzten allesamt Googles Angebot Blogger. Das Unternehmen argumentierte, die Seitenbetreiber hätten Urheberrechtsverletzungen begangen. Die Beschuldigten wollen hingegen ausschliesslich Songs und Links zum Download derselben präsentiert haben, die von Plattenfirmen und Künstlern freigegeben worden waren. Seitenmacher hatten moniert, dass sie sich nur unzureichend darüber informiert fühlten, wie sie sich wehren könnten. Später räumte Google ein, einen Blog irrtümlich gelöscht zu haben und stellte ihn wieder her.

Kent Walker schrieb überdies im aktuellen Blog-Post, dass der Suchmaschinist mehr Internetseitenbetreiber aus dem Werbenetzwerk AdSense ausschliessen will, deren Angebote geschützte Dateien verbreitet haben. Allerdings nutzen viele Foren keine Textanzeigen, sondern fast bildschirmfüllende Banner anderer Anbieter wie SponsorAds.de.