Duell der IT-Giganten

29. Juli 2009 07:31; Akt: 19.08.2009 15:05 Print

Schlägt das Imperium zurück?Schlägt das Imperium zurück?

von Henning Steier - Jahrelang hat Microsoft dem Aufstieg Googles zugesehen. Bei der lukrativen Internetsuche werden sich die Redmonder demnächst mit Yahoo verbünden, wie 20 Minuten Online erfuhr. Google und Microsoft stehen sich an vielen Fronten gegenüber.

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Der Marktführer bei Betriebssystemen und der Portalbetreiber Yahoo stehen offenbar vor der Einigung über eine Zusammenarbeit bei der Internetsuche. Einzelheiten der Vereinbarung sollen heute bekanntgegeben werden, wie 20 Minuten Online aus Unternehmenskreisen erfuhr. Mit der Kooperation soll die im Online-Anzeigengeschäft dominierende Position von Google angegriffen werden. Doch auch in anderen Bereichen scheint sich bei Microsoft etwas zu tun. Ist der schlafende Gigant aufgewacht?

Microsoft baut einen App Store

In diesem Monat feierte Apples App Store, über den sich Kunden tausende Programme auf iPhone und iPod touch herunterladen können, seinen ersten Geburtstag. Viele Tools sind gratis, doch der kalifornische IT-Konzern verdiente laut Analystenschätzungen mit kostenpflichtigen Anwendungen bislang immerhin zwischen 20 und 45 Millionen US-Dollar. Apple gab bisher keine genauen Zahlen bekannt.

Mit über 1,5 Milliarden Downloads binnen zwölf Monaten ist der Apfel-Konzern der Konkurrenz weit voraus. Seit kurzem ist der Blackberry-Hersteller RIM mit einem eigenen App Store am Start, Sony Ericsson arbeitet mit Hochdruck an seinem Angebot. Googles «Android Market» ist seit Oktober 2008 nutzbar und kommt ebenfalls auf mehrere tausend Tools. Das gilt auch für Nokias «Ovi Store», welcher hierzulande im Mai 2009 geöffnet wurde. Wie 20 Minuten Online bereits im März berichtete, will Microsoft im Herbst nachziehen. Nun gaben die Redmonder im Firmenblog bekannt, dass sie als Starttermin für 29 Länder, darunter auch die Schweiz, nach wie vor den Herbst dieses Jahres anpeilen. Ein genaues Datum nennt der Eintrag nicht. Dafür werden Entwickler von Anwendungen für den «Windows Marketplace for Mobile» im folgenden Video zur Teilnahme an einem Wettbewerb namens «Race to Market Challenge» aufgefordert.

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Sollen die Apps zu Beginn nur für Handys mit dem Betriebssystem «Windows Mobile», welches bisher oftmals den Unmut von Handy-Testern erregte, erhältlich sein, so will Microsoft nach eigenen Angaben spätestens Ende des Jahres auch Applikationen für Geräte mit den Versionen 6.0 und 6.1 anbieten. Dieser Schritt scheint logisch, denn Windows Mobile 6.5 ist noch nicht verfügbar. Ihre Pläne, bis zu 30 Millionen Kunden zu erreichen, könnten die Redmonder also nur umsetzen, wenn sie auch die älteren Versionen unterstützen. Ob man damit zumindest Googles «Android Market» ernsthaft Konkurrenz machen wird, bleibt abzuwarten, denn bislang liegen weder für abgesetzte «Android»-Apps noch -Geräte offizielle Zahlen vor.

Das ist bei den Suchmaschinen anders. Microsofts im Juni gestartete Nachfolgerin von «Live Search» namens «bing» konnte laut den Marktforschern von ComScore im Vergleich zum Vormonat kaum zulegen und lag beispielsweise mit 8,5 Prozent Marktanteil in den USA in etwa auf dem Niveau des Jahresanfangs. Google gewann hingegen in diesem Zeitraum zwei Prozent hinzu und verzeichnete 65 Prozent der Suchanfragen aus den Vereinigten Staaten, Yahoos Anteil fiel von 21 auf 19,6 Prozent. Der Neugiereffekt, welcher auch durch einen kaum funktionierenden Familienfilter geschürt wurde, scheint folglich nicht lange angehalten zu haben. Nun scheint Microsoft zumindest aus der für «bing» verwendeten Suchtechnologie Kapital schlagen zu wollen, wie adage.com bereits am Montag spekuliert hatte. Demnach soll Yahoo die «bing»-Suche nutzen und die Werbeerlöse mit Microsoft teilen. Der IT-Konzern könnte sich damit breiter aufstellen und wieder mehr verdienen. Immerhin hatte der weltgrösste Softwarekonzern im abgelaufenen Quartal einen Gewinnbruch um fast 30 Prozent auf drei Milliarden Dollar verzeichnet.

«Windows 7» muss es richten

Grosse Hoffnungen setzt man bei Microsoft auf das im Herbst erscheinende Betriebssystem «Windows 7», das den «Vista»-Flop vergessen lassen soll. IT-Portale wie CHIP Online zeigten sich von Vorabversionen bereits sehr angetan, weil das neue OS deutlich stabiler laufen und weniger Rechenpower verschlingen soll. Mit Sicherheit wird «Windows 7» daher für steigende Umsätze, aber gleichzeitig auch für sinkende Markanteile des «Internet Explorers» sorgen. Denn auf Druck der EU-Kommission hatte Microsoft kürzlich bekannt gegeben, dass Käufer des neuen Betriebssystems standardmässig die Wahl zwischen diversen Browsern haben sollen. Welche das sein werden, wurde noch nicht bekannt. Selbst wenn Googles «Chrome» nicht darunter sein wird, dürfte dieser Browser immer beliebter werden, denn in vielen Geschwindigkeitstests lag er bislang vorn. Im April 2009 schaffte es Microsofts Browser aber mit 66 Prozent laut den Marktforschern von Net Applications klar vor dem Firefox (23 Prozent) auf Platz 1 der meistgenutzten Weberkundungsprogramme. Chrome kam auf 1,4 Prozent, was Rang 4 nach Apples Safari bedeutete.

«Gazelle» soll kein Betriebssystem sein

In diesem Feld hat es Google also noch nicht vermocht, Microsoft ernsthaft zu gefährden. Auch beim kommenden «Chrome OS» bleibt abzuwarten, ob das Betriebssystem auf Basis des Browsers Windows in seinem Bestand gefährden (siehe obige Bildstrecke). Dagegen spricht, dass «Chrome OS» vor allem für Netbooks gedacht sein soll und Microsofts Software heutzutage auf knapp 90 Prozent aller Rechner läuft. Da viele Nutzer gewohnte Betriebssysteme schätzen, dürften die wenigsten umsteigen. Microsoft-Boss Steve Ballmer zitierte unlängst Studien, denen zufolge in der Hälfte der am Computer verbrachten Zeit gar kein Browser gestartet werde. Der für Windows Verantwortliche, Bill Veghte, nannte Chrome OS «nichts weiter als einen Blogeintrag». Aus diesem sollen aber im Frühjahr 2010 erste Geräte mit «Chrome OS» werden.

Dass Microsoft das Thema ernster nimmt, als es sich zunächst anhört, wird deutlich, weil das Unternehmen vor drei Wochen ankündigte, ein Tool namens «Gazelle» zu entwickeln. Dieses soll es unter anderem ermöglichen, mehrere Anwendungen getrennt im Browser laufen zu lassen. Dazu zählen beispielsweise Tools zur Text- und Bildbearbeitung. An die Stelle des Betriebssystems werde «Gazelle» nicht treten und auch nicht den Browser ersetzen. Mehr Details wollen die Redmonder auf der «Usenix»-Konferenz in Montreal, die am 10. August beginnt, präsentieren.