Privatsphäre

23. Oktober 2010 10:05; Akt: 25.10.2010 11:40 Print

Street-View-Autos speicherten auch E-Mails

Googles Kamerawagen haben bei ihren Fahrten zum Teil auch unverschlüsselt verschickte E-Mails und Passwörter aufgezeichnet.

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Google Street View: Kamerafahrzeuge zeichneten ganze E-Mails auf.

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Das hätten Behörden-Untersuchungen ergeben, teilte Google am Freitag in einem Blog-Eintrag mit. Welche Länder betroffen sind, blieb zunächst unklar. «Soweit wir wissen, sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, so dass noch kein Abschlussbericht vorliegt», sagte ein Sprecher auf Anfrage. «Wir haben die Behörden in ihren Untersuchungen von Beginn an unterstützt.» Google hatte im Mai eingeräumt, dass die Kamerawagen, die Bilder für den Online-Strassenatlas Street View machten, auch Informationen aus unverschlüsselten WLAN-Netzen aufgezeichnet hatten. Das sei durch einen Software-Fehler passiert und lange nicht aufgefallen.

Die Informationen seien nur sehr bruchstückhaft mitgeschnitten worden, da die Empfänger in den Autos fünfmal pro Sekunde den Kanal gewechselt hätten. Google wolle die versehentlich erhaltenen Informationen so schnell wie möglich wieder löschen, kündigte der Suchmaschinenbetreiber an. Konkrete Zahlen nannte der Konzern nicht. Für seinen Bilderdienst fotografiert Google die Städte mit speziell ausgerüsteten Autos aus drei Metern Höhe.

Warten auf das Urteil

Nach einem Unterbruch von mehreren Monaten schickt Google seine Autos seit Anfang August wieder auf Schweizer Strassen. Auf seiner Internetseite gibt Google jeweils bekannt, wo die Fahrzeuge unterwegs sind. Das Aufschaltverbot und die Ankündigung der Fahrten in einem Wochen-Intervall gehen auf eine Vereinbarung zurück, die Google mit dem Eidgenössischen Datenschützer Hanspeter Thür im Dezember 2009 getroffen hat. Sie gilt vorübergehend, bis das Bundesverwaltungsgericht über eine Klage Thürs gegen Google Street View entschieden hat. Hanspeter Thür wirft Google vor, zahlreiche Gesichter und Autonummern gar nicht oder nur unzureichend zu verwischen.

Laut Google wollen 81 Prozent derjenigen Schweizer, die Street View schon einmal genutzt haben, dies auch in Zukunft tun. Das ergab eine Studie des Marktforschungsinstituts TNS Infratest, die Mitte Oktober 2009 durchgeführt wurde. In den ersten Wochen nach der Lancierung von Google Street View in der Schweiz haben ist das Nutzungsvolumen auf maps.google.ch um 80 Prozent gestiegen. Laut Google wird in der Schweiz eines von 20 000 Bildern beanstandet.

Alma Whitten soll es richten

Google kündigte überdies am Freitag in einem Blogeintrag Massnahmen an, die helfen sollen, die Daten seiner Nutzer besser zu schützen. Neue Beauftragte für den Schutz der Privatsphäre wird Alma Whitten, die bereits seit 2003 für den Suchmaschinisten arbeitet. Sie soll mit einem Team von Entwicklern und Produktmanagern zusammenarbeiten. Ausserem müssten Angestellte des Unternehmens ab Dezember Schulungen zu den Themen Datenschutz und Privatsphäre absolvieren müssen. Ausserdem muss jeder Entwickler nun Datenschutzprotokolle erstellen, schrieb Alan Eustace, Senior VP, Engineering & Research.

(hst/sda)