Kostenloser Virenschutz

08. November 2010 09:14; Akt: 11.11.2010 11:42 Print

«Wir zwingen niemanden»

Auf Druck der EU-Kommission hat Microsoft Browser und Betriebssystem entkoppelt. Der Virenscanner Security Essentials wird Nutzern nun geschickt empfohlen.

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Microsoft Security Essentials: Der Gratis-Virenscanner ist nun enger mit Windows verzahnt.

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Microsoft hat begonnen, Nutzern von XP, Vista und Windows 7 seinen kostenlosen Virenschutz Security Essentials in den USA und Grossbritannien über Microsoft Update zum Download zu empfehlen. Dies geht aus einem Eintrag in der Microsoft Knowledgebase hervor. Auf diese Art werden ansonsten unter anderem Patches für die Live Essentials und das Office-Paket auf den PC geliefert. Über Windows Update wird das Betriebssystem jeweils auf den neuesten Stand gebracht.

Weil Microsoft Update per Standardeinstellung aktiviert ist, haben sich die Redmonder nun den Zorn des Sicherheitsanbieters Trend Micro zugezogen. Im Gespräch mit computerworld.com kritisierte Carol Carpenter, Chefin des Bereichs Consumer und Small Business, dies als «unfairen Wettbewerb». Laut Berichten von US-Anwendern erhielten sie das Update nur angeboten, wenn sie zuvor keinen Virenschutz installiert hatten. «Wir zwingen niemanden, Security Essentials herunterzuladen», verteidigte der bei Microsoft zuständige Marketingmanager Jeff Smith das Vorgehen gegenüber computerworld.com. Ob und wann Microsoft auf die neue Art und Weise auch hierzulande Nutzer für seinen Gratis-Virenschutz gewinnen will, hat das Unternehmen noch nicht angegeben.

Anfang März hatte Microsoft damit begonnen, seinen Nutzern eine Auswahlmöglichkeit für ihre Webbrowser anzubieten. Die Redmonder präsentieren diese aber nicht freiwillig, sondern auf Druck der EU-Kommission. Diese hatte dem Unternehmen vorgeworfen, den Internet Explorer zu eng an sein Betriebssystem Windows zu koppeln, das immer noch auf rund 90 Prozent aller Rechner weltweit läuft.

Angriff auf Kinect

Vergangene Woche hatte Adafruit demjenigen eine Prämie von 2 000 US-Dollar versprochen, der einen Open-Source-Treiber für Kinect entwickelt. Im NUI-Group-Forum hat Administrator AlexP ein Video veröffentlicht, das zeigen soll, wie man den Monitor über einen PC bedient. So die Kameras und Mikrofone der controllerlosten Steuerung für die Xbox 360 anzusteuern, ist ihm allerdings noch nicht gelungen. Daher bekam er das Preisgeld nicht.

Gegenüber Cnet hatte ein Microsoft-Sprecher Adafruits Aktion so kommentiert: «Wir dulden keine Modifikationen unserer Produkte. In Kinect wurden zahlreiche sowohl hardware- wie auch softwarebasierte Sicherheitsfunktionen integriert, die verhindern sollen, dass Dritte die Technologie verändern. Microsoft wird diese Techniken weiterhin optimieren und mit Strafverfolgungsbehörden kooperieren, um Kinect vor unerlaubten Modifikationen zu schützen.»

Ballmer verkauft Aktien

Am Freitag hatte Microsoft mitgeteilt, dass CEO Steve Ballmer rund 50 Millionen Aktien des Unternehmens für insgesamt knapp 1,3 Milliarden US-Dollar verkauft hat. Somit hält er nun etwa zwölf Prozent weniger am Unternehmen. Wie es in der Mitteilung heisst, bereite Ballmer damit mitnichten seinen Ausstieg bei Microsoft vor. Er wolle seine Investments diversifizieren und Steuern sparen. Ballmer besitzt immer noch 359 Millionen Microsoft-Aktien. Dies entspricht einem Anteil von 4,2 Prozent. Grösster Anteilseigner ist Gründer Bill Gates, der 621 Millionen Aktien hält, was zirka 7,2 Prozent des Unternehmenswertes entspricht.

Ende Oktober hatte Microsoft einen guten Start ins Geschäftsjahr verkündet. Im ersten Quartal konnte das Unternehmen seinen Umsatz auf 16,2 Milliarden steigern. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte er noch bei von 12,9 Milliarden gelegen. So wurde ein Gewinn von 5,4 Milliarden US-Dollar erzielt - nach 3,6 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal.

Update 10.11.: Der Spanier Héctor Martín Cantero hat einen quelloffenen Treiber für Kinect entwickelt, der die Bilder von Farb- und Tiefenkamera des Sensors auswertet. Dafür erhält er die von Adafruit ausgelobte Prämie, wie die Firma mitteilte. Sie war zwischenzeitlich auf 3000 Dollar erhöht worden. Ein echter Hack ist das Ganze allerdings nicht, Software und Hardware blieben unverändert. Es ist nun nur möglich, Kinect mit anderen Geräten zu koppeln.

(hst)