«Locationgate»

27. April 2011 15:37; Akt: 28.04.2011 08:29 Print

Apple räumt Programmier-Fehler ein

Wegen «Schnüffeleien» sind nun auch Smartphones mit Windows Phone 7 ins Visier geraten. Derweil nimmt Apple erstmals offiziell Stellung - und verspricht Besserung.

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Nach Apple und Google rückt Microsoft ins Visier: Smartphones mit Windows Phone 7 übermitteln laufend Geodaten an Microsoft. (Bild: Keystone)

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«Locationgate» nimmt kein Ende. Neben Apple und Google sammelt auch Microsoft massenhaft Geodaten mithilfe der ahnungslosen Smartphone-Nutzer. Laut einem Bericht von cnet.com übermittelt das mobile Betriebssystem Windows Phone 7 in regelmässigen Abständen Informationen an die Microsoft-Server. Betroffen sind Geräte von Smartphone-Herstellern wie HTC, LG und Samsung.

Die übermittelten Daten beinhalten Details über naheliegende drahtlose Netzwerke (WLAN) sowie den genauen Standort, sprich Längen- und Breitengrad, bestimmt per GPS. Zusätzlich zu diesen allgemeinen Daten wird allerdings auch die «Unique Device ID» (UDID) übermittelt, also die persönliche Geräte-Kennnummer. Dies sei bezüglich Datenschutz bedenklich, schreibt cnet.com. Dank der UIID, kombiniert mit anderen Daten, liessen sich wiederum Bewegungsprofile der Nutzer erstellen.

Offene Fragen

Der IT-Journalist Declan McCullagh hat Microsoft eine ganze Liste mit detaillierten Fragen zukommen lassen. Eine offizielle Antwort steht aus. Demnach ist noch nicht bekannt, wie häufig die Daten an die Microsoft-Server übermittelt werden und wie der Datenschutz gewährleistet wird. Unklar ist auch, wozu Microsoft die oben erwähnte Geräte-ID braucht.

In einem wichtigen Punkt unterscheiden sich Microsofts «Schnüffeleien» aber von der Konkurrenz. Wie das Unternehmen aus Redmond versichert, speichern die Windows-Smartphones die Daten nicht direkt auf dem Gerät. Im Gegensatz dazu legen das iPhone und das iPad 3G die Geodaten längerfristig - und in einer unverschlüsselten Datei - ab. Auch Smartphones, die mit Googles mobilem Betriebssystem Android laufen, speichern mehrere Dutzend Standorte lokal in einer Datei. Jedoch werden die ältesten Einträge in der entsprechenden Datenbank fortlaufend überschrieben.

Ziel: Den Akku schonen

Gemäss der offiziellen Hilfe-Website für Windows Phone 7 erfüllen die gesammelten Geodaten einen guten Zweck. Microsoft trägt das Wissen über die Standorte von Mobilfunkantennen und WLAN-Zugangspunkten in einer Datenbank zusammen. Dank dieser Datenbank könne das Smartphone schneller seinen Standort bestimmen, ohne jedes Mal auf die Satellitennavigation (GPS) zurückgreifen zu müssen. Diese Methode helfe Energie zu sparen: GPS würde den Akku stärker belasten, ausserdem verfügen nicht alle Geräte über die entsprechende Technik. Weiter hält Microsoft fest, dass sich die Ortungsdienste in den Geräte-Einstellungen deaktivieren lassen.

Apple nimmt Stellung

Auch die anderen Anbieter haben entsprechende Datenbanken aufgebaut, in denen sie die Standorte von Mobilfunk-Masten und WLAN-Netzwerken speichern. In einer aktuellen Stellungnahme geht Apple erstmals offiziell auf die brennendsten Fragen ein.

Das iPhone speichere nicht den Standort eines Nutzers, sondern erstelle eine Datenbank mit WLAN-Hotspots und Mobilfunk-Masten in der Umgebung, heisst es. Apple spricht von einer «crowd-sourced»-Datenbank - es würden also die gesammelten Daten von Millionen von Geräten einfliessen. Dadurch könnten Standortbestimmungen auf den Smartphones schneller und effizienter durchgeführt werden. Ausserdem sei die Standortbestimmung auch möglich, wenn GPS nicht verfügbar sei.

Zwei Programmier-Fehler

Aufgrund der gesammelten und auf dem Gerät gespeicherten Daten könne man die Nutzer nicht lokalisieren, schreibt Apple. Zum Teil würden Standorte («Location Data») gespeichert, die über hundert Kilometer vom tatsächlichen Standort des Nutzers entfernt lägen. Die Daten würden anonymisiert und verschlüsselt auf die Firmen-Server übertragen.

Dass die Daten während längerer Zeit (bis zu einem Jahr) in einer Datei auf dem Gerät gespeichert würden, sei ein Programmier-Fehler. Dieser «Bug» soll mit einem iOS-Update in den nächsten Wochen behoben werden. Dass die Apple-Geräte auch nach dem Deaktivieren der Ortungsdienste weiterhin Daten sammeln, sei ebenfalls ein Programmier-Fehler. Auch dieser «Bug» solle durch ein kostenloses Update behoben werden.

Was die IT-Konzerne in Zukunft mit den gesammelten Geodaten der Nutzer anfangen wollen, ist offen. Fachleute nehmen an, dass es um ortsbezogene Werbung geht - ein lukratives Geschäft. Wie Apple weiter mitteilt, sammelt das Unternehmen derzeit auch anonymisierte Informationen rund um den Verkehr. Ziel sei es, den iPhone-Nutzern in den kommenden Jahren einen verbesserten Verkehrs-Service anzubieten.

(dsc)