Viele Versuche

26. Juni 2012 07:07; Akt: 26.06.2012 07:44 Print

Microsoft und das Tablet-Trauma

von Peter Svensson, ap - Microsoft hat in der Vergangenheit immer wieder tragbare Computer mit Touchscreen vorgestellt. Doch erst Konkurrent Apple verhalf der Idee zum Durchbruch.

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CEO Steve Ballmer bei der Enthüllung von Surface, dem jüngsten Tablet-Kind aus dem Hause Microsoft. (Bild: Keystone/AP/Damian Dovarganes)

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Jahrzehntelang stellte der Tablet-Computer eine Art Fata Morgana der IT-Industrie dar: eine grossartige Idee, die zum Greifen nah am Horizont schillerte und dann hoffnungsvolle Unternehmen doch immer wieder enttäuschte. Microsoft hat diesen Kreislauf aus Hoffnung und Enttäuschung mehrfach durchlaufen, denn der kürzlich vorgestellte «Surface» ist nicht der erste Versuch des Konzerns, einem Tablet zum Durchbruch zu verhelfen.

Seit es den PC gibt, haben Microsoft-Ingenieure immer wieder versucht, den Einsatz von Computern neu zu erfinden. Die ersten PCs hatten Tastaturen, wie sie von Schreibmaschinen schon bekannt waren. Rasch stellte sich jedoch die Frage, ob die Eingabe mit einem Stift nicht bequemer wäre. So entwickelten mehrere Unternehmen Ende der 80er-Jahre stiftbasierte Eingaben. Microsoft sprang auf den Trend auf und stellte 1991 «Windows for Pen Computing» vor, ein Add-On für Windows 3.1, das Eingaben mit einem Touchpen ermöglichte.

Mehrere Geräte setzten die Software ein und lassen den Vorläufer der heutigen Tablets erkennen: tragbare, rechteckige Platten mit einem Bildschirm. Allerdings reagierten sie noch nicht auf Berührungen, denn schliesslich stand die Idee eines Notizblocks mit Stift Pate. Pen-Computing verschwand in den 90er-Jahren. Zwar zogen die Windows-Tablets Aufmerksamkeit auf sich, die Masse der Nutzer blieb jedoch der Tastatur verbunden.

Hardware-Hersteller mit ins Boot geholt

Im Jahr 2002 bezeichnete Microsoft-Gründer Bill Gates die Erinnerungen an diese frühen Tablet-Versuche als «fast schmerzhaft», doch er gab nicht auf. Der Konzern präsentierte Windows for XP Tablet PC Edition und dieses Mal zogen auch Hardware-Hersteller wie Hewlett-Packard, Samsung, Toshiba und Acer mit. Sie stellten Tablet-PCs her, die äusserlich den heutigen Tablets ähnelten. Im Inneren allerdings waren sie weiterhin PCs. Im Vergleich zum iPad waren sie mit 1500 Dollar teuer, schwer und verfügten nur über eine schwache Akku-Leistung. Die Käufer gaben also eine Menge Geld aus, nur um Eingaben mit dem Stift tätigen zu können.

Das weitaus grössere Problem bestand allerdings darin, dass Windows ein Betriebssystem auf der Basis von Tastatur und Maus blieb. Viele Funktionen waren mit einem Stift schwer zu erreichen, Programme von anderen Herstellern wurden erst gar nicht für die Eingabe mit dem Touchpen überarbeitet. Zur Sicherheit verfügten einige dieser Tablets auch noch über eine Tastatur und unterschieden sich damit kaum noch von einem Laptop. Die Geräte setzten sich in einigen Unternehmen durch, blieben aber ein Nischenprodukt.

Parallel ermutige Microsoft Partner wie Fujitsu und ViewSonic, sogenannte Smart Displays zu entwickeln. Das waren grosse Tablets für den Einsatz zu Hause, die über Wi-Fi mit einem PC verbunden wurden. Sie waren im Grunde teure Monitore mit kurzer Reichweite. Während ein Smart-Display genutzt wurde, konnte am PC nicht gearbeitet werden. Nur wenige wurden 2003 verkauft und Microsoft stellte das Projekt noch im selben Jahr wieder ein.

Erster «Surface» war ein Tisch

Einen weiteren Versuch startete Microsoft 2006 mit «Projekt Origami». Dieses Mal sollten kleine PCs mit berührungsempfindlichen Bildschirmen entstehen. Wenige Unternehmen zogen mit, aber Samsung hatte dennoch Hoffnung für seinen «Q1». Das Kernproblem aber blieb: Windows war ohne Tastatur schwierig zu nutzen. Die «Ultra-Mobile PCs» waren teuer und litten unter einer kurzen Akku-Laufzeit. Mit dem «Q1» konnte der Nutzer gerade mal zwei Stunden im Web unterwegs sein. Allerdings stimmte dieses Mal zumindest das Gewicht: Der «Q1» wog nur wenig mehr als das erste iPad.

(Quelle: youtube.com/pablobart)

2008 stellte Microsoft dann den ersten Microsoft Surface vor - kein Tablet, sondern eher ein Tisch. Der Computer bestand aus einer riesigen Box, die auf dem Boden stand, mit einem horizontalen Display. Das Gerät sollte nicht im Privatbereich genutzt werden, sondern in Geschäften zum Einsatz kommen. Microsoft stellte die Hardware selbst her. Der erste Surface war als Nischenprodukt geplant und blieb eines.

(Quelle: youtube.com/GerbilGod7)

Erfolg mit Pocket PC

Einen Erfolg auf dem Tablet-Markt konnte Windows dann aber doch erzielen: Das Betriebssystem Pocket PC lief ab etwa 2000 auf den neuen PDAs, den kleinen tragbaren Computern, die einen Farbbildschirm hatten und handschriftliche Eingaben erkennen konnten. Pocket PC wanderte schliesslich zu den Smartphones über und wurde in Windows Mobile umbenannt, traf aber sogleich auf die scharfe Konkurrenz der BlackBerrys und später der iPhones.

Letztendlich verschaffte Apple dem Tablet 2010 den Durchbruch und nicht Microsoft. Apple reduzierte mit dem iPad nicht einen PC, sondern erweiterte die Möglichkeiten eines Handys. Das iPad war leicht, vergleichsweise günstig und trumpfte mit längerer Akku-Laufzeit auf - und die Software war von Anfang an auf die Eingabe per Berührung ausgelegt.

Microsofts neue Strategie ist ganz ähnlich: Windows 8 übernimmt Features von Windows Phone, dem neuen Smartphone-Betriebssystem. Nun bleibt abzuwarten, ob Microsoft mit dem neuen «Surface» seinen Tablet-Visionen umsetzen kann - oder ob alles wieder nur eine Fata Morgana bleibt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G. Sutter am 26.06.2012 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Apple hattte einfach Schwein

    Apple hätte auch in den 90ern keinen Erfolg gehabt, Microsoft war seiner Zeit voraus aber Wlan und Mobile Internet war halt noch nicht verbreitet. So gesehen hatte Apple einfach Schwein gehabt, allerdings finde ich es immer wieder witzig wie einige Fanboys immer noch denken Apple hätte das Tablet erfunden genauso wie sie denken Apple hätte das Smartphone erfunden. Tja, manche brauchen das wohl um für ihr Ego.

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  • Teinel am 26.06.2012 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idee

    Die Idee eines Tragbaren Tablet-Computers sah man schon im Film 2001 - Odysse im Weltraum von 1969.

  • Laborant am 26.06.2012 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    That's Life

    2002 Stellt Bill Gates den Tablet vor, keinen interessierts. 2010 Stellt Steve Jobs den iPad vor: "Woah! Wie innovativ!!" 2012 Stellt Microsoft erneut ein Tablet vor: "Bei Apple Gaklaut!!!" jaja.... ;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • markus am 26.06.2012 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut ding soll weile haben

    wenn man schon mit apple vergleiche macht: das ipad war auch nicht ein erstlingswerk... technik ist und war immer ein fotschungs- und innovationsmarkt...für alle beteiligten! gut bleiben visionen wach und immer wieder versucht zu erreichen - egal ob apple oder ms.

  • Fabio Botti am 26.06.2012 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Beobachten und warten

    Ich beobachte genau das neue Tablet von MS. Zum ersten mal könnte ich mich nicht für einen neuen iPad entscheiden. Aber zuerst werde ich es in den Händen halten und testen. Hört sich jedenfalls interessant an, was MS so bieten will.

    • eineAmÖpfel am 26.06.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      ich bin...

      ..nach 3 Monaten Win8 Preview ziemlich begeistert was die können, v.a. die Integration von andern Diensten wie google, linkedin, etc. ist super gelungen - das hat Auswirkungen für meinen künftigen Handy/Tablet entscheid. Und ich denke, das wird es auch bei Firmen haben - die kriegen bestimmt bessere Angebote, wenn noch Surface geräte dabei sind bei den Windows-Lizenzen :-)

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  • Teinel am 26.06.2012 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idee

    Die Idee eines Tragbaren Tablet-Computers sah man schon im Film 2001 - Odysse im Weltraum von 1969.

  • T.S. am 26.06.2012 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich, endlich, endlich!!!

    Wie lange mussten wir auf Bluescreen, Abstuerze und die beliebte Ctrl+Alt+Del Tastenkombination beim Tablet warten?! Jetzt ist es endlich soweit! Das hat Microsoft ja bei der Praesentation bewiesen, als sie das Geraet nach einem Absturz austauschen mussten :-) Erinnert irgendwie an den legendaeren Bluescreen bei der Win95-Praesentation damals :-)

    • Kevin Gut am 27.06.2012 07:52 Report Diesen Beitrag melden

      BSOD

      Der Bluescreen bei der Präsentation trat auf, weil der Treiber des Scanner Herstellers fehlerhaft war.

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  • Patrick am 26.06.2012 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nich?

    Microsoft hat ja in der Vergangenheit enorm viel Blödsinn entwickelt und ich hatte die Firma schon ziemlich abgeschrieben. Aber die bisherigen Aussagen zu Surface klingen durchaus bestechend. Für die alltäglichen Dinge braucht es heute kein Notebook mehr. Zum surfen, mailen und spielen ist ein Tablet viel bequemer. Muss aber zwischendurch doch mal richtig gearbeitet werden, wäre es ein enormer Vorteil wenn dies mit Tablet UND Tastatur auch möglich wäre. Surface kann das... Wenn nun die Bedienung so eifach wie beim iPad ist und das Marketing gut, wird es ein Erfolg. Wenn