Betaversion zum Download

15. September 2010 20:58; Akt: 03.11.2010 14:11 Print

Internet Explorer 9 schon jetzt testen

von Henning Steier, Hamburg - Microsofts Surfprogramm ist immer noch der meistbenutzte Browser, obwohl Firefox und Chrome mit Innovationen glänzten. Das soll sich mit der neunten Version ändern, die man nun ausprobieren kann.

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Der Firefox punktet mit zahlreichen Erweiterungen, Googles Chrome mit Schnelligkeit und Opera mit integrierten Komfortfunktionen. Und was macht der Marktführer? Seit heute Abend steht die Betaversion des IE9 9 offiziell in 33 Sprachen zum Download bereit. Ausprobieren können sie allerdings nur PC-Besitzer, auf deren Rechnern Windows 7 oder Vista läuft.

Vor allem bei der Geschwindigkeit, mit der Webseiten und ihre Elemente wie Bilder und Videos angezeigt werden, soll der IE9 aufgeholt haben, wie Microsoft-Manager Daniel Melanchthon in seiner Präsentation vor Journalisten in Hamburg versprach. Denn der IE lässt die Darstellung der Webseitenteile nicht mehr nur von der CPU des Rechners erledigen, sondern spannt den oftmals sehr leistungsfähigen Grafikprozessor ein. Die Hardware-Beschleunigung ist nur unter Microsofts letzten beiden Betriebssystemen nutzbar, da sie den erst mit Vista eingeführten Desktop Window Manager nutzt.

XP immer noch beliebtestes Betriebssystem

Microsoft hat sich wohl nicht ganz freiwillig für die Aussperrung des mit einem Markanteil von über 50 Prozent noch immer populärsten Betriebssystems Windows XP entschieden. Denn auch der Firefox und Googles Chrome setzen in Ansätzen auf die Rechenkraft des Grafikprozessors, um das Surfen schneller und komfortabler zu machen. Microsoft habe in den Internet Explorer 9 seine neue, angeblich bis zu zehnmal so schnelle JavaScript-Engine Chakra integriert, deren Performance nur noch knapp hinter Opera und Chrome liege, erklärte Melanchthon. Die Unterschiede lägen nur bei einigen Millisekunden. Er forderte Nutzer auf, sich selbst ein Bild zu machen, denn Benchmark-Tests wie SunSpider seien oftmals eher theoretischer Natur. Grob verkürzt, wird mit diesen gemessen, wie schnell der Browser JavaScript verarbeiten kann. «Jeder kann einen solchen Test so programmieren, dass ein bestimmter Browser gewinnt», sagte Melanchthon. Beim Aufrufen einer Seite spielten viele andere Faktoren eine Rolle, daher lieferten Tools wie SunSpider nun einen kleinen Ausschnitt der Realität.

Zwei weitere Ansätze, die Performance zu verbessern, sind: Erweiterungen und Toolbars, die den Start des Browers oftmals deutlich verzögern, kann man sich im IE 9 samt ihrer Ladezeit anzeigen lassen. Mit einem Klick kann man sie löschen und auf Wunsch auch wieder installieren. Ausserdem laufen die jeweiligen Tabs nun als separate Prozesse, wie man es von Firefox und Chrome kennt. Vorteil für den Nutzer: Stürzt ein Reiter ab, kann man nur diesen schliessen und muss nicht den ganzen Browser beenden.

Schlankes Design, das an die Konkurrenz erinnert

«Der Browser ist das Theater, nicht die Aufführung», hiess es auf einer Folie der Präsentation. Dementsprechend sei das Design zurückhaltender ausgefallen als bisher, hiess es. Links im Browserfenster sind die Vor- und Zurück-Buttons zu finden. Mittig ist eine schmalere, kombinierte URL- und Suchmaske (One Box) sowie Schaltflächen zum Neu laden und Abbrechen zu finden, rechts sieht man die Symbole für Lesezeichen, Startseite und Einstellungen. Tabs befinden sich dazwischen. Immer mehr Seitenbetreiber erstellen ein Symbol für ihre Website, welches vor der Adresse in der Eingabemaske erscheint. Dieses so genannte Favicon lässt sich im IE9 per Drag & Drop in der Taskleiste platzieren.

Die Tabs können auch aus dem Browser gezogen werden, um die Übersicht mit den Urlaubsangeboten zu sehen, während man im Kalender die Daten prüft. Mit einem Klick lässt sich nun ein YouTube-Video abspielen. Ausserdem kann man sich jetzt einen Webmail-Anbieter wie GMX oder Bluewin auf den Desktop zu holen, der dann wie ein lokal installiertes Mailprogramm benutzt werden kann. In seiner Präsentation zeigte Melanchthon überdies ein Facebook-Icon, das die Zahl neuer Status-Updates in Echtzeit aktualisiert und als Icon darstellt.

Gefährliche Dateien sofort löschen

Neu gestaltet wurde im IE 9 auch der Download-Manager, der nun vor potenzieller Malware warnen soll. Wie gut dies in der Praxis funktioniert, muss sich noch zeigen. In jedem Fall ist es ein Schritt in die richtige Richtung - den Rechner wenigstens ein bisschen mehr abzusichern als zuvor. Cross-Site-Skripte soll der Browser sogar von sich aus entfernen.

Aber auch an kleinen Details haben Microsofts Entwickler gearbeitet: Tabs lassen sich nun gleichzeitig anzeigen. Der Internet Explorer 9 nutzt dazu das mit Windows 7 eingeführte Aero Snap. Eine wichtigere Neuerung ist die Unterstützung von HTML5. Dank dem Standard können Seitenmacher unter anderem Fotos, Songs und Videos so in Websites integrieren, dass zum Betrachten im Browser keine Plugins mehr nötig sind. Wer dies ausprobieren will und die Betaversion des neunten Internet Explorers installiert, löscht damit den IE 8. Aktualisierungen für die neue Version des Browsers lassen sich über die in Windows integrierte Update-Funktion installieren. Auf die Frage, wann die finale Version bereit stehen wird, sagte Daniel Melanchthon schmunzelnd: «Wir haben unsere Erfahrungswerte und die liegen bei vier bis sechs Monaten.»

Seit dem Frühjahr muss Microsoft auf Druck der EU-Kommission Windows-Nutzer auch auf andere Surfprogramme als den Internet Explorer aufmerksam machen. Im März lag der Markanteil des Browsers aus Redmond bei rund 61,5 Prozent. Mit rund 60 Prozent ist der Internet Explorer noch immer der populärste Browser weltweit. Auf Platz 2 folgt laut den Marktforschern von Net Applications der Firefox mit etwa 23 Prozent vor Googles Chrome (7,5 Prozent), Apples Safari (fünf Prozent) und Opera (Prozent). «Zwei von drei Windows-Anwendern nutzen den IE», sagte Olivier Blanchard, Online Lead bei Microsoft Deutschland, auf der Medienveranstaltung. Er verwies ausserdem darauf, dass Surfer 59 Prozent ihrer Internetzeit mit ihrem Browser verbringen sollen.

Browser soll Nutzer ans Betriebssystem heranführen

Das Surfprogramm gewinnt aber auch an strategischer Bedeutung. Denn Google arbeitet seit längerem an seinem Betriebssystem Chrome OS. Dieses basiert auf dem gleichnamigen Browser des Suchmaschinenanbieters und ist vor allem für Netbooks gedacht. Die Benutzeroberfläche erinnert an den Browser; statt Tabs für Webseiten bietet sie welche für Anwendungen. Wer einen USB-Stick oder eine Digitalkamera mit dem Rechner verbindet, sieht die Dateien in einem neuen Tab. Darüber hinaus gibt es Panels, die mehrere Tabs enthalten können. Alle Applikationen sind webbasiert. So sollen sich beispielsweise Word-Dokumente problemlos mit der von Microsoft für 2010 angekündigten Online-Version seiner Büro-Suite Office öffnen und bearbeiten lassen. Im Grunde wurde das bekannte Interface von Chrome um Symbole für den Netzwerkstatus und den Akkuladestand erweitert. Google schaltet seit einiger Zeit auch Werbung für seinen Browser. Strategischer Hintergedanke dürfte sein, seine Nutzerzahlen zu steigern und so potenziellen Kunden die Angst zu nehmen, sich an ein völlig neues Betriebssystem gewöhnen zu müssen.