ChevronWP7

26. November 2010 09:36; Akt: 01.12.2010 14:43 Print

Microsoft geniesst und schweigt

von Henning Steier - Der erste Jailbreak für Windows Phone 7 soll mit wenigen Klicks möglich sein. Bislang scheint ihn trotzdem kaum jemand erfolgreich durchgeführt zu haben.

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Jailbreak mit dem Tool ChevronWP7: Fehlermeldung im Test.

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Die Entwickler Rafael Rivera, Chris Walsh und Long Zheng haben auf ihrer Website ein Tool namens ChevronWP7 gratis zum Download bereitgestellt. Damit soll es einfach sein, ein Smartphone mit Windows Phone 7 zu entsperren. So könnte man Apps installieren, die nicht aus dem Windows Marketplace for Mobile stammen. Apps wie der Multi-Messenger Fring und die Augmented-Reality-Lösung Layar können die API von Windows Phone 7 nicht nutzen. Denn es steht nur die Fotofunktion der Kamera zur Verfügung. Ob und wann Microsoft die Schnittstelle freigeben wird, gaben die Redmonder bislang nicht bekannt. Nach einem Jailbreak müsste man nicht darauf warten. Wie dessen Macher weiter schreiben, sollen sich die Geräte leicht wieder in den Werkszustand versetzen lassen. Profitieren könnten auch Entwickler, weil sie für die Freischaltung eines Developer-Zugangs sonst 99 US-Dollar jährlich an Microsoft zahlen müssen.

Wie es auf der Website der Macher heisst, soll man die Software installieren, ein Gerät mit dem Rechner verbinden und das Handy dann mit wenigen Klicks einem Jailbreak unterziehen können. Bereits die Nutzerkommentare auf der Seite legen aber nahe, dass es nicht ganz so einfach ist. «Ich habe es nicht geschafft», schreibt beispielsweise Bert Craven. Er bekomme eine Fehlermeldung zu sehen, laut der die App keine Verbindung zum Smartphone aufbauen konnte. Technlogie-Blogs wie Engadget und Gizmodo berichten zwar über ChevronWP7, zeigen aber keine Screenshots, die belegen könnten, dass sie den Jailbreak ausprobiert haben.

Nutzlose Tipps

Rivera, Walsh und Zheng haben auf der Website Tipps für Anwender veröffentlicht, die Verbindungsprobleme haben. Man könnte beispielsweise einen Eintrag in der Registry ändern, Anwendungen, die Port 433 nutzen, schliessen oder das Gerät neu starten. 20 Minuten Online hat versucht, mit einem Vista-Rechner den Jailbreak bei einem HTC Trophy und LG Optimus 7 durchzuführen und dabei alle gegebenen Ratschläge beherzigt. Allerdings erhielten wir stets die im obigen Screenshot zu sehende Fehlermeldung. Die Seitenbetreiber haben auf eine Anfrage der Redaktion bislang nicht reagiert. Auch Microsoft wollte sich nicht äussern.

«Wir unterstützen Piraterie nicht», schreiben die Macher auf ihrer Website, «denn wir sind selbst Entwickler». Es gehe ihnen vor allem darum, auch Anwendungen auf Windows-Smartphones installieren zu können, die nicht in Microsofts offiziellem Angebot zu finden sind. In Kürze werden im Windows Marketplace for Mobile rund 3000 Apps verfügbar sein. Zum Start Mitte Oktober waren es 500. 15 000 Entwickler will Microsoft bereits gewonnen haben. Die Konkurrenz ist momentan aber noch weit enteilt. Nokia hat beispielsweise im vergangenen Jahr rund 400 000 Entwickler überzeugen können, Anwendungen für den Ovi Store zu schreiben. Die Finnen verzeichnen mittlerweile rund 20 000 Applikationen in ihrem Angebot. Führend ist Apple mit etwa 300 000 - dreimal so viele wie in Googles Android Market.

Jailbreak fürs iOS 4.2

Anfang der Woche hatte Apple das iOS 4.2 für iPhone, iPod touch und iPad veröffentlicht. Kaum war es erschienen, stellte das iPhone Dev Team eine vierte Betaversion seines Jailbreak-Tools redsn0w 0.9.6 zum Download für Windows und Mac OS X ins Netz. Damit lassen sich Apple-Geräte entsperren und Anwender können Software installieren, die nicht von Apple freigegeben wurde. Allerdings verliert man nach einem Jailbreak seine Garantieansprüche. Der Netlock lässt sich mit redsn0w 0.9.6b4 aber nicht aushebeln, so dass man sein Gerät nicht mit SIM-Karten anderer Provider als vorgesehen verwenden kann. Hat man iOS 4.2 installiert, ist der Jailbreak auf dem iPhone 4, dem iPhone 3GS mit neuem Bootrom, dem iPad und den iPod-Touch-Modellen 2G (MC-Serie), 3G und 4G bislang nur möglich, wenn der Nutzer sein Gerät nach jedem Neustart erneut mit dem Rechner verbindet. Nur beim iPhone 3G, iPhone 3GS (altes Boot-ROM) und iPod Touch 2G (Non-MC-Modelle) ist dies nicht nötig. Der Netlock für das iPhone 3G und 3GS soll laut Dev Team noch in dieser Woche verfügbar sein. Für die iPhone-4-Variante brauchen die Mitglieder nach eigenen Angaben noch länger Zeit.

Eine Schwierigkeit dabei: Bisher konnte man den entfernten Netlock von einer iOS-Version auf die nächste übertragen, denn mit einem manipulierten iOS-Update wurde die alte Basisbandversion des iPhones nicht aktualisiert. Wer versehentlich ein Basebandupdate macht, das in der aktuellen iOS-Version 4.2 steckt, kann ein bereits entsperrtes iPhone wieder sperren - derzeit ohne Aussicht auf ein erneutes Entfernen eines Netlocks; iOS-Version 4.2.1 überprüft nun die installierte Basebandversion.

Update 1.12.: Mittlerweile haben die Entwickler ChevronWP7 auf Wunsch Microsofts von ihrer Website entfernt. Dies teilten sie in einem Blogeintrag mit. Wie ausserdem zu lesen ist, soll Microsofts Brandon Watson ihn zugesichert haben, dass man an einer gemeinsamen Lösung arbeiten will, die Homebrew-Apps unter Windows Phone 7 laufen lässt.