Skepsis vor dem Start

23. Oktober 2012 10:22; Akt: 23.10.2012 12:54 Print

Das grosse Zweifeln an Windows 8

von Peter Svensson, ap - Das neue Windows wird die Computerindustrie retten - da ist sich Microsoft sicher. Doch bei PC-Herstellern wachsen Zweifel, ob das Betriebssystem die Nutzer von Tablets weglocken kann.

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Selbst Intel, das die Prozessoren für 80 Prozent der PCs weltweit herstellt, ist skeptisch. Der Vorstandsvorsitzende Paul Otellini erklärte, das neue Betriebssystem werde wohl keine grossen Auswirkungen auf die Umsätze haben. «Wir hatten bisher noch keine Gelegenheit einzuschätzen, wie die Konsumenten das in der PC-Welt annehmen werden», sagte Otellini in der vergangenen Woche in einer Telefonkonferenz mit Journalisten und Analysten über das neue Betriebssystem Windows 8 (siehe Infobox).

Die Marktforscher von IHS iSuppli erwarten für dieses Jahr die Auslieferung von 349 Millionen PCs. Das wären ein Prozent weniger als der Rekord vom vergangenen Jahr. Auch wenn der Rückgang gering ausfällt, so ist es doch der erste seit 2001. In den USA gehen die PC-Verkäufe bereits seit zwei Jahren zurück.

Smartphones überholen PCs

Apple gelang es unterdessen, seit der Vorstellung des ersten iPads 2010 die Verkaufszahlen jedes Jahr zu verdoppeln. Zwischen April und Juni verkaufte Apple 17 Millionen der Tablets, während Hewlett-Packard (HP), der damals weltgrösste Hersteller von PCs, 13,6 Millionen Personal Computer auslieferte.

Smartphones, die bis zur Vorstellung des iPhones 2007 noch ein Nischendasein führten, verkauften sich im vergangenen Jahr besser als PCs - und das, obwohl die PC-Verkäufe ein Rekordhoch erreichten.

Ballmer glaubt an PC-Zukunft

Der Microsoft-Vorstandsvorsitzende Steve Ballmer lässt sich nicht beirren. Der PC-Markt sei noch immer gross, sagte er im vergangenen Monat der «Seattle Times». «Und Windows 8 wird dieses Volumen noch vergrössern.»

Mit Windows 8, das Ende dieser Woche in den Verkauf kommt, reagiert der Konzern auf die populären Tablets. Das neue Windows wirft viele Konventionen der Vorgänger über Bord und präsentiert sich in einem neuen Look mit dem Ziel, die Nutzung auf Touchscreens zu vereinfachen. Die PC-Hersteller stellen gleichzeitig neue Laptops und Hybridgeräte vor, die auch als Tablets zu nutzen sind: entweder mit abnehmbaren oder mit klappbaren Bildschirmen.

Die Skepsis des Analysten

Der Citigroup-Analyst Hoe Yoo ist pessimistisch und glaubt nicht, dass das neue Betriebssystem die Wende bringt. Vielleicht werde das Programm ein «Nicht-Ereignis», das von den Käufern gar nicht beachtet werde, sagt er. Sein Kollege Brian White von Topeka Capital Markets erklärte, die taiwanischen Zulieferer verzeichneten bisher keine grösseren Vorbestellungen für Windows-8-PCs. «Die Stimmung in Bezug auf Windows 8 ist mehrheitlich negativ», sagte er nach Gesprächen mit den Zulieferern. «Wir glauben, dass die PC-Industrie auf ein gedämpftes Dezember-Quartal zusteuert.»

Microsoft plant Werbekampagne für eine Milliarde Dollar

Die Analystin Mary Jo Foley von der Grossbank UBS zeigte sich ebenfalls skeptisch. Sie verwies auf das vollständig neue Design von Windows 8. Dieses könne entweder zu einem grossen Erfolg werden, oder die Nutzer verwirren und verprellen. Zu sagen ist allerdings, dass den Nutzern für Büroarbeiten auch mit Windows 8 die bekannte Oberfläche mit dem Desktop zur Verfügung stehen wird.

Microsoft wird die Einführung des neuen Betriebssystems mit einer Werbekampagne im Umfang von einer Milliarde Dollar begleiten - der grössten in seiner Geschichte. Diese Kampagne sei von grosser Bedeutung, um die Nutzer von der neuen Steuerung zu überzeugen und das Interesse an PCs neu zu wecken, schrieb sie.

Ein Schuss in den Ofen?

«Ich mache mir grosse Sorgen, dass Microsoft sich vielleicht spektakulär in den Fuss schiesst», sagte der Vorstandsvorsitzende der Software-Firma Cera Technology, Michael Mace. Windows 8 sei so radikal anders, dass viele Windows-Nutzer, die nicht technikbegeistert seien, möglicherweise verzweifeln könnten.

Die PC-Hersteller waren mit grossen Hoffnungen in das laufende Jahr gestartet. Leichte Laptops, die sogenannten Ultrabooks, sollten die Umsatzzahlen beflügeln. Doch die Geräte sind noch immer teuer und konnten der wachsenden Beliebtheit von Smartphones und Tablets nichts anhaben.

Jetzt wollen die PC-Hersteller Windows 8 für sich nutzen, doch das wird nicht einfach, wie Patrick Moorhead von der Forschungsfirma Moor Insight erklärte. Einen PC mit einem Touchscreen auszurüsten sei teuer, während die Geräte gleichzeitig mit den deutlich günstigeren Tablets konkurrierten. Neue Features für die klassischen PCs mit Maus und Tastatur gibt es kaum.

«Als Nutzer fragt man sich: Warum soll ich dieses neue Notebook kaufen, wenn mein altes Notebook alles kann, was ich benötige? Stattdessen kaufe ich ein neues Telefon oder ein Tablet», erklärte Moorhead.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich habe das Windows 8 auch getestet und bin zum Schluss gekommen, dass es unbrauchbar ist. Der Spagat zwischen Betriebssystem für PC und Tablet ist total misslungen. Es bietet weder für PC noch für Tablets eine geeignete Oberfläche. Und zu guter letzt wird es auch für Server eingesetzt, wo diese Metro Oberfläche keinerlei Sinn macht. Schade um den Aufwand. – Remy G

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom am 26.10.2012 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin gespannt!!!

    Als langjähriger AppleUser (beruflich) bin ich sehr gespannt auf Win 8. Ich kann die Überlegungen von Microsoft gut nachvollziehen, bin aber dennoch skeptisch, ob ein OS wirklich funktioniert, das auf Tablet, wie auf Desktops gleich aussieht... Was aber für mich sicher ist: Das Zielpublikum eines Tablets ist nicht dasselbe, wie das eines Desktops und darum bin ich bei Surface äusserst skeptisch! Desktops werden im ProBereich immer wichtig sein, da bin ich mir sicher, alleine schon wegen der Komponentenfreiheit... hoffentlich merkt das Apple auch! Bin jedenfalls sehr neugierig auf Win 8!!

  • I.N.Scider am 25.10.2012 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Windows bleibt Windows.

    Dank bekannten Nachteilen immer-noch nur auf dem Desktop wirklich brauchbar (Mobile & RT sind da der Totalflop). Auf den Server der Welt läuft hauptsächlich Linux (Anteil bei 90% und mehr), und da wo das Apple OS (übrigens ebenfalls UNIX basierend) nicht installiert ist (Flugschreiber, Settopbox, smarttv, radios, mobiles..) ist meist auch eine Linuxbasieren Firmware oder gar ein komplettes OS installiert. Und wiso das ganze? Tja OpenSource kann das was Microsoft nicht bieten kann. Offene Standards, flexible Kernel, und Verzicht auf Lizenzkosten.

  • Peter am 25.10.2012 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    W8 wird eine Totgeburt sein

    Es gab (95) Windows 98, (NT,W2k), ME (XP) Vista und (W7) Windows8, alles (Erfolge) flops. Auf jeden Erfolg ein Flop. Windows 7 wird XP ablösen, und zwar für lange, lange Zeit. Derweil wird 9 und 10 vorübergehen. Microsoft versucht die EierlegendeWollMilschSau, ein OS für alles. Den Fehler hat Apfel nicht gemacht. iOS und OS sind nicht das selbe und sollen es auch nicht. Der PC wird nie verschwinden, vielleicht der Notebook. Tablets und Smartphones sind gut für mobile Anwendungen, aber nichts fürs Office. Ein ERP oder CAD auf einem Tablet? Jau...

  • Kurt am 24.10.2012 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Win8 pro tablet getestet

    Konnte heute an einem kunden event ein windows 8 pro tablet testen mit i5 cpu.ich sage nur wow. Meins kommt am freitag

  • Fettt am 24.10.2012 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Windows!!!!!

    Windows ist allgemein nicht zu gebrauchen!!! Viel zu langsam und zu vernetzt sowie anfällig gegen alle Krankheiten!! Mac OSX ist das beste Betriebsystem der Welt. Einfach, unkompliziert und einfach genial!

    • H.G. am 25.10.2012 08:03 Report Diesen Beitrag melden

      das stimmt eben gerade nicht!

      apple hat einfach das bessere image, wodurch es den usern leicht fällt, dieselben krankheiten grosszügig zu übersehen und die standardfeatures als "viel besser umgesetzt" zu empfinden. schlussendlich alles reiner placeboeffekt. PS: ich bin ein mac-kind der frühesten tage. PS2: windows8 wird nicht scheitern weil es schlecht bzw schlechter als windows7 bzw ein verfrühter/unüberlegter paradigmenwechsel wäre, sondern weil windows ein verlierer-image hat, alle ein scheitern erwarten und eine sich selbst erfüllende prophezeihung schon jetzt absehbar ist. für microsoft tragisch, aber wahr!

    • Schlank am 25.10.2012 09:31 Report Diesen Beitrag melden

      Blödsinn

      Windows ist also allgemein nicht zu gebrauchen. Das ist auch der Grund, weshalb Unternehmen darauf setzen. Weil es nicht zu gebrauchen ist. Es mag sein, dass OSX für den DAU einfach, unkompliziert und genial ist. Für den technisch begabten Anwender ist OSX wohl eher Fluch wie Segen. Ach ja, auf meinem MacBook läuft inzwischen Fedora, es ist einfacher zu bedienen, unkomplizierter als OSX. Absolut genial damit zu arbeiten. Dazu noch stabiler und schneller als OSX. Und Fedora läuft auch auf jedem anderen Notebook so wunderschön flüssig.

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