Consumer Electronics Show

06. Januar 2011 09:20; Akt: 06.01.2011 09:47 Print

Ein kurzer Blick auf Windows 8

von Henning Steier, Las Vegas - Mit der nächsten Windows-Version will Microsoft den Tablet-Markt erobern. Ausserdem präsentierte CEO Ballmer Neuerungen für Kinect und Surface.

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Microsoft-Boss Steve Ballmer liess gestern Abend sein digitales Ebenbild Avatar Kinect präsentieren. Dank der Funktion sollen die virtuellen Gamer-Egos menschlicher werden, weil Gesichtsausdrücke der Spieler erkannt werden. 100 Apps für Windows Phone 7 kämen täglich hinzu, so Ballmer. Mittlerweile hat Microsoft rund 200 000 Entwickler für sein neues Betriebssystem gezählt. Die nächste Windowsversion soll auch SoCs (System-on-Chip) unterstützen und auf ARM-Prozessoren laufen. Damit will Microsoft stärker im Tablet-Markt mitmischen. ..., was Steve Ballmer und Mike Angiulo sogleich an Demo-Rechnern zeigten. Das finale Design des neuen Windows war aber noch nicht zu sehen. Der Motion CL900 ist einer der auf der CES vorgestellten Tablet-PCs mit Windows 7. Das 10,1-Zoll-Display löst mit 1366 x 768 Pixeln auf. Sein Prozessor ist mit 1,5 Gigahertz getaktet. Im Gehäuse stecken zwei Gigabyte RAM und SSDs mit 30 oder 62 Gigabyte Kapazität. Ausserdem bietet der Rechner, N-WLAN, GPS, Bluetooth 3.0 zwei Kameras sowie einen SIM-Karteneinschub. Der Rechner soll laut seinem Hersteller nach Militärstandards gegen äussere Einflüsse wie Kälte, Stösse und Staub geschützt sein. Der Asus Eee Slate EP121 hat entweder einen Intel Dual-Core i5-470UM mit 1,33 oder 1,86 Gigahertz an Bord. Für den Arbeitsspeicher stehen zwei oder vier Gigabyte zur Auswahl, für den Massenspeicher SSDs mit 32 oder 64 Gigabyte. Der 12,1-Zoll-Touchscreen hat eine Auflösung von 1280 x 800 Pixeln. Ausserdem bietet der Rechner eine Zwei-Megapixel-Webcam an der Vorderseite, WLAN 802.11b/g/n, Bluetooth 3.0, USB 2.0, mini HDMI (HDMI Type C), einen MMC-SD-Kartenleser sowie ein integriertes Mikrofon und Stereolautsprecher. Als Betriebssystem ist Microsofts Windows 7 Home Premium im Einsatz. Die Eee Pads Transformer (hier im Bild) und Slider kommen jeweils mit Nvidias Dual-Core-ARM-Prozessor Tegra 2 und Android zum Kunden. Für die beiden 10-Zoll-Rechner (1280 x 800 Pixel) werden Tastaturen mitgeliefert: Beim Transformer wird das Keyboard angesteckt, beim Slider herausgezogen. Viertes Mitglieder der von Asus auf der CES präsentierten Tablet-Familie ist das Eee Pad MeMO. Es kommt mit 7-Zoll-Display, Qualcomms Snapdragon-Prozessor, Android und zwei Kameras zum Kunden. Laut Hersteller kann man mit dem Rechner auch telefonieren - wenn der zusätzlich erhältliche MeMIC Media Extender angeschlossen ist. Mehr Informationen zu diesem lieferte Asus bislang allerdings nicht. Das MeMO kann man mit Stift oder Finger bedienen. Lenovos LePad hat eine 1,3-Gigahertz-Snapdragon-CPU. Noch läuft Android 2.2 auf dem Rechner. Beim europäischen Marktstart soll 3.0 installiert sein. Der Akku soll für sechs Stunden Betriebszeit reichen. Der Rechner kommt mit 512 Megabyte Arbeitsspeicher sowie 16 oder 32 Gigabyte Flash-Speicher. Ausserdem ist eine Frontkamera an Bord. Das Lenovo Ideapad U1 Hybrid mit eingesetztem LePad Slate läuft mit einem Core-i5-Prozessor im Notebook (1,2 bis 2 Gigahertz). Zwei Gigabyte RAM und eine Festplatte für 320 Gigayte Daten zählen zu den weiteren Spezifikationen. Als Anschlüsse stehen jeweils einmal USB und HDMI zur Verfügung. Das Display des Rechners stellt das erwähnte 10-Zoll-Tablet LePad mit der für diese Geräteklasse hohen Auflösung von 1280 x 800 Pixeln. Vizio ist vor allem als Hersteller von Fernsehern und Blu-ray-Playern bekannt. Nun will das Unternehmen auch im Tablet-Markt mitmischen - mit einem Android-Rechner namens Via Tablet, der einen mit einem Gigahertz getakteten Prozessor, ein 8-Zoll-Display, einen HDMI-Anschluss und zwei 5-Megapixel-Kameras mitbringt. Mit einer App wird der Rechner zur Fernbedienung für Vizio-Fernseher. Ausserdem bietet der Tablet-PC drei Lautsprecher, einen microSD-Kartenleser und GPS. Der Motorola Xoom ist der erste Tablet-PC mit Android 3.0 (Honeycomb) und Dual-Core-Prozessor. Er bietet ein Gigabyte RAM und ein 10,1-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1280 x 800 Pixeln.

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«Es ist das neue Windows, aber noch mit der bekannten Oberfläche», stellte Steve Ballmer klar. Trotzdem drückten am Mittwoch zu diesem Zeitpunkt die meisten Gäste seiner traditionell am Abend vor dem Start der CES stattfindenden Keynote auf die Auslöser ihrer Kameras. Denn Spekulationen, dass Ballmer einen ersten Ausblick auf Windows 8 geben würde, haben sich damit bewahrheitet.

Auf den ersten Blick war nichts Spektakuläres zu sehen – unter anderem druckten Unternehmenschef Steve Ballmer und Windows Vice President Mike Angiulo ein Dokument aus und präsentierten die Hardwarebeschleunigung des Internet Explorers 9. Was die Demo aber zeigte: Die nächste Windows-Version wird auch SoCs (System-on-Chip) unterstützen und auf ARM-Prozessoren laufen. Die Abkürzung steht für Advanced RISC Machine. CPUs mit dieser Architektur werden standardmässig in Smartphones und Tablet-PCs verbaut. Sie vereinen alle wichtigen Komponenten auf einer kleinen Silikonplatte und zeichnen sich durch vergleichsweise geringen Stromverbrauch aus. Zu den Herstellern zählen Nvidia, Texas Instruments und Qualcomm, deren Prozessoren in den Präsentationsrechnern verbaut waren. Steve Ballmer und Mike Angiulo enthielten der Menge nicht nur ein neues Design vor. Sie verrieten überdies nicht, wann das neue Betriebssystem erscheinen soll, ob es definitiv Windows 8 heisst und mit welchen Funktionen man rechnen darf. Die Botschaft der Präsentation war dennoch eindeutig: Microsoft hat klargemacht, dass man den boomenden Tablet-Markt nicht Geräten mit iOS und Android überlassen will.

Samsung Galaxy Tab – und dann lange nichts

Nach einer Schätzung des US-Branchenverbandes Consumer Electronics Association (CEA) sollen 2011 weltweit rund 30 Millionen Tablet-PCs abgesetzt werden – doppelt so viele wie 2010. Wichtigster Spieler auf diesem Markt ist nach wie vor Apple. Das iPad wurde allein in den ersten drei Quartalen rund 7,5 Millionen Mal verkauft. Und es dürfte nicht mehr lange dauern, bis das traditionell der CES fernbleibende Unternehmen die zweite Generation vorstellt, die einige Mängel des ersten iPads beheben dürfte. Nach Apple folgt bislang lange nichts, ehe man auf Samsungs Galaxy Tab stösst, dass in den zwei Monaten seit dem Marktstart im Oktober rund eine Million Mal abgesetzt wurde. Google hatte unlängst bekannt gegeben, dass die Android-Version 3.0 (Honeycomb) für Tablets optimiert sein soll. Erster Rechner damit soll Motorolas am Mittwoch präsentierter Tablet-PC Xoom sein. Dieser und weitere Neulinge sind in der obigen Bilderstrecke zu sehen.

PalmPad für Februar erwartet

Im vergangenen Jahr hatte Steve Ballmer unter anderem einen Tablet-PC von HP hochgehalten. Im April hat der weltgrösste PC-Hersteller allerdings den Smartphone-Hersteller Palm und damit dessen Betriebssystem WebOS für etwa 1,4 Milliarden US-Dollar gekauft. Ein erster Tablet-PC mit dem Betriebssystem wird auf der diesjährigen CES zwar nicht gezeigt, aber für das erste Quartal erwartet. Denn für den 9. Februar hat Palm unter dem Motto «Think Big, Think Small, Think Beyond» zu einer Medienkonferenz eingeladen.

Kurz vor Weihnachten hatte Achim Berg, bei Microsoft für Windows Phone zuständig, mitgeteilt, dass in den ersten sechs Wochen über den Einzelhandel insgesamt 1,5 Millionen Smartphones mit Windows Phone 7 verkauft worden sind. Im direkten Vergleich mit der Konkurrenz erscheinen die Zahlen allerdings ernüchternd, wenngleich das neue Betriebssystem im Test durchaus überzeugen konnte. Apple soll in den ersten drei Wochen nach Verkaufstart rund drei Millionen iPhones der vierten Generation verkauft haben. Bei Google ist die Rede von 300 000 Android-Handys die täglich aktiviert werden. Mittlerweile sind laut Ballmer rund 5500 Apps im Windows Marketplace verfügbar. Doch die Konkurrenz von Apple, Google und Nokia scheint mit 300 000, 200 000 beziehungsweise 20 000 Applikationen weit enteilt zu sein.

Kinect hat Erwartungen übertroffen

Uneingeschränkte Freude spiegelte Ballmers Miene hingegen wieder, als er er bekannt gab, dass die Anfang November in den Handel gebrachte controllerlose Steuerung für die Xbox 360 sich mittlerweile acht Millionen Mal verkauft hat. Kinect war allein in den ersten 25 Tagen rund 2,5 Millionen Mal über die Ladentische gegangen – so viel wie kein anderes Gaming-Gadget zuvor. Microsoft hatte für das Jahr 2010 fünf Millionen verkaufte Exemplare angepeilt.

Auch technische Neuerungen hatte Ballmer im Gepäck und liess einen Teil von seiner Spielfigur bekannt geben: Die Funktion Avatar Kinect soll nicht nur Bewegungen des Spielerkörpers sonder auch Gesichtsausdrücke von Gamern erkennen können. Dazu zählen hochgezogene Augenbrauen, ein Lächeln oder traurige Mienen. Die so animierten Gesichter können Avataren beispielsweise in Chats mit bis zu sieben anderen Teilnehmern ein natürlicheres Äusseres verleihen. Ausserdem können Anwender gefühlsbetonte Videos mit ihren Avataren aufnehmen und sie beispielsweise über Facebook mit Freunden teilen. Avatar Kinect wird für Xbox LIVE Gold-Mitglieder kostenlos sein. Ausserdem gab Microsoft bekannt, dass sich die bislang nur in den USA nutzbaren Streamingangebote Netflix und Hulu Plus demnächst über Kinect per Gestensteuerung bedienen lassen werden.

Surface 2.0 ist dünner und stabiler

Am Ende der Präsentation zeigten Ballmer und Angiulo die neue Version des Computer-Tisches Surface. Er soll nur noch etwa zehn Zentimeter dick sein. Statt fünf Kameras, welche die Reflexionen von Objekten filmten, komme nun eine Technologie namens Pixel Sense zum Einsatz, erläuterte Angiulo. Jedes Pixel werde zur Kamera. Nähere Angaben machte er nicht. Surface ist beispielsweise für Banken gedacht, die den Windows-7-Rechner nun auch wie einen Flachbildschirm an die Wand hängen können. Aber auch in Bars könnte man ihn als Spieltisch einsetzen, denn dank so genanntem Gorilla-Glas soll er beispielsweise aus etwa 50 Zentimetern herabstürzende Bierkrüge schadlos überstehen.