Entwickler-Kommentar

18. März 2011 13:45; Akt: 23.03.2011 15:07 Print

Internet Explorer 9, eine Sünde?

von Jeremy A. Prescott - Der Internet Explorer 9 ist seit kurzem weltweit verfügbar und wartet mit zahlreichen Verbesserungen auf. Microsoft rührt kräftig die Werbetrommel. Zu Recht?

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Das Microsoft die Werbetrommel rühren kann, ist kein Geheimnis. So war zu erwarten, dass auch der neuste Browser beim Start heftig beworben wird. Mit entsprechenden Werbemassnahmen haben die Redmonder bereits vor ein paar Wochen begonnen; Microsoft hat verschiedene Websites gestartet, welche die Vorzüge vom IE9 in den Vordergrund rücken sollen. Darunter ein Vergleich zu «anderen Browsern», der die neue Funktionsvielfalt hervorheben soll. Ausserdem wurde eine Promo-Website aufgeschaltet, auf welcher die Schönheit des Webs «dank» dem Internet Explorer 9 (IE9) gezeigt wird.

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Häufig wird davon gesprochen, dass der IE9 jetzt mit Firefox, Safari, Chrome und Opera gleichzieht - oder diese gar hinter sich lässt. Dabei wird vor allem propagiert, dass der IE9 den HTML5-Standards genüge. Aber was ist HTML5 überhaupt?

Vielzahl neuer Möglichkeiten

HTML5 ist quasi ein Pool von Spezifikationen, die von verschiedenen Arbeitsgruppen der Web Hypertext Application Technology Working Group (WHATWG) und des World Wide Web Consortium (W3C) ausgearbeitet und von Ian Hickson (Google, ex. Opera und Netscape) als Chef-Redaktor überwacht werden, um anschliessend standardisiert zu werden. Anders als der Standard HTML4.01, der vor allem das Verhalten von Tags spezifizierte, geht es bei HTML5 hauptsächlich um Interfaces, die mittels JavaScript angesprochen werden können. Der Begriff «HTML5» schliesst implizit auch andere Technologien wie CSS3, SVG oder EcmaScript5 (auf dem JavaScript basiert) mit ein.

Durch HTML5 wird es verschiedene Neuerungen und Möglichkeiten für Webentwickler geben. Neu können etwa Videos und Soundfiles mit Tags direkt eingebunden werden. Multimediale Inhalte können so ohne Plugins wie Flash (Adobe) oder Silverlight (Microsoft) wiedergeben werden. WebGL beschleunigt 3D-Inhalte im Browser und kann dabei unter Umständen die Grafikhardware (GPU) nutzen. Mit LocalStorage können grössere Datenmengen (bis 5+ Megabyte) im Browser von Websitebesuchern gepeichert werden. Bislang mussten dafür Cookies herhalten, die mickrige 4 Kilobyte fassen können. Und mit dem neuen Canvas-Element kann der Browser direkt sogenannte Bitmap-Bilder manipulieren. Das ist nützlich, um etwa 2D-Games direkt im Browser zu spielen oder Statistiken darzustellen. Mittels 2D-Transforms lassen sich Bilder oder Texte rotieren und mit Effekten versehen.

HTML5, der Trend

Steve Jobs, CEO von Apple hat den Begriff in die Medienwelt eingeführt, als er Adobes Flash-Player von seinen Produkten verbannte und dem HTML5-Standard den Vorrang gab. Dadurch gab er Technologiefirmen und Medienhäusern einen Trend vor, den diese seither gerne und oft verwenden. Allerdings seider selten gänzlich korrekt, wie es sich im Fall vom IE9 zeigt. Doch wie kann grundsätzlich von einem Standard gesprochen werden, wenn voraussichtlich erst 2012 alle zu implementierenden Spezifikationen standardisiert sein werden?

Die HTML5-Browser

Allen voran hat Apple bereits vor Jahren damit begonnen, HTML5 auf hohem Niveau in seinen Browser Safari zu integrieren. Dem Trend schlossen sich Firefox und Opera rasch an. So deckte Firefox 3.5, der drei Monate nach dem IE8 erschien, bereits 57 Prozent der existierenden Spezifikationen ab. Der IE8 kommt laut caniuse.com gerade mal auf 28 Prozent.

Eine vollständige Umsetzung ist momentan nicht möglich. Verschiedene Spezifikationen sind noch in der Rohfassung, was aber die Herausforderer des Internet Explorers nicht davon abhält, diese bereits in experimenteller Form zu implementieren.

Wie gut ist der IE9?

Zum Glück ist für viele Entwickler der IE9 kein fehlerhaftes Problemkind, wie es der IE6 oder der IE7 waren. Zudem ist er deutlich leistungsfähiger als der IE8. Man kann von einem gelungenem Browser sprechen der, anders als seine Vorgänger, dem World Wide Web weniger Probleme machen dürfte. Die zwei aus Sicht von Webentwicklern wohl wichtigsten HTML5 Features, Video-/Audio-Tags und das Canvas-Element, werden vom neuen IE9 unterstützt. Ebenso 2D-Transforms, SVG und weitere Features, die sich Webentwickler in Zukunft zu nutze machen werden.

Also alles paletti? Leider nein. Vergleicht man die von Microsoft implementierten HTML5-Spezifikationen im Internet Explorer 9 mit der neusten Version seiner Herausforderer fällt auf, dass er bloss 59 Prozent abdeckt, wo die Konkurrenz bereits über 75 Prozent liegt. Chrome implemtiert laut caniuse.com als Spitzenreiter sogar 89 Prozent des kommenden Standards. Am auffälligsten ist die fehlende Möglichkeit «Offline Web Applications» zu machen.

Damit werden sogenannte «WebApps» möglich, die keine ständige Internet-Verbindung voraussetzen, um reibungslos zu funktionieren. Das fehlende «File API» würde erlauben, auf das lokale Dateisystem zugreifen zu dürfen. Auch das «WebWorkers»-Feature sucht man leider vergebens, womit rechenintensive JavaScript-Aufgaben in separate Threads verschoben werden, um den Vorteil von Multi-Core-Prozessoren zu nutzen.

Streit um «Geschwindigkeits-Rekord»

Als kleine Entschädigung für die fehlenden Features, die hoffentlich sehr bald (und nicht erst in zwei Jahren) nachgeliefert werden, nennt Microsoft die «vollständige Hardwarebeschleunigung». Und in Sachen JavaScript-Performance zog die Beta des IE9 nach eigenen Angaben sogar an den schnellen JavaScript-Engines «V8» von Chrome, «Nitro» von Safari und auch «TraceMonkey» von Firefox vorbei. Unabhängige Tester kamen mit den fertigen Browser-Versionen zu schlechteren Ergebnissen für den IE9.

Mozilla, die Non-Profit-Stiftung hinter Firefox, bezichtigt Microsoft bezüglich der «vollständigen Hardwarebeschleunigung» der Lüge. Das sei kein Alleinstellungsmerkmal, da Firefox 4 in Windows 7 die gleichen Schnittstellen wie der IE9 selbst nutzen werde. Einen wirklichen Unterschied zwischen Firefox 4 und IE9 gebe es da nicht. Im Gegenteil, die nächste Firefox-Version werde zusätzlich das Scrollen beschleunigen.

Auch bei der JavaScript-Performance gab es Kritik wegen der sogenannter «Dead Code Elimination», die Microsoft betreibt. Die Firma hat, um in dem breit anerkannten Geschwindigkeitstest «Sun Spider» gut dazustehen, den Browser so optimiert, dass die Rechenaufgaben des Tests besonders fix verarbeitet werden. Das ist bei einer Website durchaus sinnvoll, kann bei einem solchen Test aber als Schummelei werden. Als ein Entwickler von «Sun Spider» die Performance-Tests leicht änderte, rechnete der Browser prompt wieder deutlich langsamer, als seine direkte Konkurrenz.

IE9 weiter ein Bremsklotz fürs Web?

Das Hauptproblem für viele Website-Betreiber und engagierte Webentwickler ist, dass der Internet Explorer 6 bei einer Windows XP Installation (55 Prozent Marktanteil laut den Statistiken von Net Application) bereits mitinstalliert wird. Staatliche Institutionen, Banken und viele Firmen, deren Programme für den IE6 optimiert worden sind, tun sich schwer damit, Software Updates durchzuführen. Eine Aktualisierung birgt die Gefahr, dass die Systeme danach nicht mehr korrekt funktionieren und potentielle Sicherheitslöcher geöffnet werden. So überrascht es nicht, dass der IE6, der vor bald zehn Jahren erschien, noch immer einen Markanteil von elf Prozent (laut Net Application) hält.

Beim etwas weniger verbreiteten Windows Vista ist der Standardbrowser IE7 das andere wenig beliebte Problemkind. Der IE in der Version 8 wird nur von «Web-Bewussten-Usern» genutzt, die ihn selbst installiert - oder bereits mit Windows 7 gekauft haben. Der neue IE9 kann auf dem weit verbreiteten Windows XP nicht installiert werden. Das Programm läuft nur auf Windows Vista und Windows 7 (gemeinsamer Marktanteil: 34 Prozent). Microsoft animiert neuerdings sogar selbst zum Umstieg auf moderne Browser und rät von der Nutzung des Internet Explorer 6 ab. Es schimmert der Verdacht durch, dass Microsoft den IE6 plötzlich selbst «uncool» findet, um die Verkäufe von Windows 7 anzukurbeln.

Weil viele PC-Nutzer das Betriebssystem-Update scheuen, werden die fehlerhaften Kinder aus dem Hause Microsoft daher den Webentwicklern noch lange Probleme bereiten. Und selbst dann: Der IE9 wird wegen der fehlenden HTML5-Features den Fortschritt im Web weiter verlangsamen. Es sei denn, Microsoft will die Umsetzung neuer Versionen deutlich beschleunigen (spekuliert wird März 2012) und sich dabei an definierte Standards halten. Als Entwickler möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Sie als fleissigen Leser darum zu bitten, auf einen modernen Browser zu wechseln, falls Sie das noch nicht getan haben. Idealerweise geben Sie ihr neugewonnenes Wissen auch Ihren Freunden weiter.

(Mitarbeit: ast)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • olo meister am 29.03.2011 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    kein Fachmann

    Stimmt, bin kein Fachmann! - die Herren Thiersen und Dampf schon? Bitte, bitte sagt mir was an diesem Ablauf falsch sein soll: 1. IE8 aufgemacht und via sicherheit zu windows update 2. IE9 für mein System ausgewählt und runtergeladen 3.IE9 installiert 4. Neustart jetzt? mit ja beantortet 5. PC fährt nicht mehr hoch, Bildschirm schwarz Die letzten tausend Installationen hat das prima funktioniert - mit IE9 nicht ... ... oder einfach ein bisschen Trollen?

  • Eron Thiersen am 28.03.2011 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    Geschmackssache - nicht streitbar!

    IE9 funktioniert sehr gut, auch auf Win7 64-Bit Systeme, vorausgesetzt der Anwender hat überhaupt etwas Ahnung. Also das Ding ist schnell, die Millisekundenunterschiede zwischen den Browsern ist nicht von Bedeutung, sondern das Vertrauen und die Usability...das liegen sicher Mozilla Firefox und Google vorne...aber wie immer ist alles Geschmackssache, sicher ist dass die Zukunft offenen Systemen gehört...Internet-TV setzt auf Linux und das hat Gründe!

  • Fredi am 23.03.2011 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bin mit IE9 zufrieden

    Ich bin absolut zufrieden mit dem IE 9, hatte noch keine Probleme im Netz, besuche aber wahrscheinlich auch nicht die Spezial-Seiten, welche die anderen anwählen, sondern surfe als normaler Benutzer. An diejenigen, die mit dem Design nicht umgehen können, da kann ich nur sagen, das dies nur am Anfang der Fall ist, man gewöhnt sich sehr schnell daran. Oder arbeitet Ihr noch immer mit Word 2.0 oder OpenOffice 1.0? Zusätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass wir vielleicht alles etwas gemütlicher nehmen sollten, die Umwelt wird sonst schon immer stressiger

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr Burns am 13.10.2011 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    IE9 ist ein Problem

    Beim damit arbeiten zeigen sich diverse gravierende Probleme. So bricht die Performance von IE9 bei grösseren Datenmengen auf ein unerträgliches Niveau ein, der Browser hängt sich wieder öfter auf, Probleme mit Downloads & deren Caching, etc... generell wirkt IE9 auf mich wesentlich instabiler als die Version 8 und bei weitem nicht auf dem Niveau von Firefox... Letztendlich muss jeder selber rausfinden mit welchem Browser er arbeiten möchte.

  • GAryy am 20.08.2011 00:28 Report Diesen Beitrag melden

    Der IE ist kein guter Browser

    Also ernsthaft ...dieses bla...bla vom IE . Der IE ist kein guter Browser und hat erhebliche Probleme. Flash wird nicht richtig abgespielt ( hilft nur altctrlentf ) Einer der schlechtesten Browser der Welt. Auf Windows 7 64 bit macht der nur Faxen. Jeder der Informatik studiert und einigermassen Plan von Browsern hat, meidet dieses schlechte Programm. Nee ..dann lieber Firefox !

  • Hans Malteser am 10.04.2011 01:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht erwähnt wurde ...

    der eingebaute, ein- ausschaltbare & anpassbare Tracking- und ActiveX-Filter, ein guter Schutz vor Datenkraken.

  • mrdbase am 03.04.2011 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Immer noch die gleichen Fehler

    Dachte schon bei der Einführung von Vista und Windooof 7, dass da nichts besseres rauskommt. Habe letzte Woche ein Windoof 7 auf einer 4 Processor Maschine mit 12 GB Ram installiert, was macht dieses Doofe Betrübssystem? es sitzt voll auf dem Speicher und lässt den Applikationen praktisch keine offenen Resourcen. Ich denke, Mircrosoft hat nichts gelernt in den letzten 20 Jahren, schleppen ihren ganzen lahmen Registry Schrott mit, der das System komplett ausbremst. Mich nervt dass, daher bin ich schon vor über 10 Jahren auf Mac umgestiegen, seither schlafe ich wieder viel ruhiger.

    • Hans Malteser am 10.04.2011 01:28 Report Diesen Beitrag melden

      Hmmm ...

      tut mir leid, aber da ich schon x Win 7 aufgesetzt habe, muss ich an Ihren "Installationsfähigkeiten" zweifeln. Win 7 ist von der Performance, der Sicherheit & der Architektur her, das absolut "geilste win ever".

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  • Vaclav Josef am 29.03.2011 22:10 Report Diesen Beitrag melden

    IE9 einach nur schlimm

    IE9 sieht einfach nur schrecklich aus... da kann es noch so schnell sein