DSi

03. April 2009 08:57; Akt: 03.04.2009 13:33 Print

Taschenspieler im Test

von Henning Steier - Nintendo legt die dritte Version seiner tragbaren Konsole vor. Sind WLAN, Kameras und Musikplayer genügend Kaufgründe? 20 Minuten Online hat den DSi ausprobiert.

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Nimmt man den DSi in die Hand, fühlt er sich aus zwei Gründen besser an als sein Vorgänger, der DS Lite: Erstens wurde der Oberfläche ein hochwertigeres Design verpasst, zweitens ist er dünner und ein bisschen breiter geworden. Dadurch liegt er viel besser in der Hand. Mit rund 215 Gramm ist das ab heute für 270 Franken erhältliche Gerät allerdings nur unwesentlich leichter.

Gearbeitet hat Nintendo hingegen an den Druckpunkten der Tasten, die nun viel präziser reagieren. So angenehm das Klickgeräusch bei jedem Tastendruck ist, so störend ist selbiges beim Fotografieren mit den beiden ins Gehäuse integrierten Kameras. Abstellen kann man es nicht. Fast schon höhnisch mutet die Mitteilung auf dem Display an: «Das Klicken beim Fotografieren lässt sich nicht abschalten. Fotografiere nur dort, wo dieses Geräusch nicht störend wirkt». Mag sein, dass der DSi sich so nicht dazu eignet von Spannern missbraucht zu werden, weil Foto-Opfer keinen Verdacht schöpfen. Aber dass man deswegen nicht die Wahl hat, enttäuscht. Ohnehin ist die Digitalkamerafunktion mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln eher ein Gimmick. Das gilt auch für die Software, mit der sich die Fotos bearbeiten lassen. Nicht zuletzt lassen sich die Bilder nur von der Konsole auf einen PC übertragen. Umgekehrt funktioniert das leider nicht.

Games herunterladen

Dank eingebautem WLAN-Modem kann man mit dem DSi im Netz surfen, wozu man den Browser Opera nutzt. Mit dem beiliegenden Stift geht das flüssig und intuitiv. Sehr gut gefallen hat uns, dass man eine Webseite auf dem oberen Monitor anzeigen lassen und auf dem unteren einen Ausschnitt vergrössert betrachten kann. Der Internetzugang ist natürlich kein Selbstzweck. Im Nintendo DSi-Shop sollen Nutzer in Zukunft ihre Spiele einfach herunterladen können, was eine gute Idee ist. Gespeichert werden sie dann auf SD- oder SDHC-Karten, für die der DSi einen Slot bietet. Die maximale Kapazität beträgt 32 Gigabyte. Das ist auch gut so, denn die Konsole lässt sich auch als Musikplayer nutzen. Und eine anständige Musikbibliothek braucht viel Speicher. Unverständlicherweise akzeptiert der DSi nur AAC-Dateien. Dieses Format ist längst nicht so beliebt wie MP3 - was viele Nutzer ärgern dürfte. Denn wer MP3- in AAC-Dateien umwandelt, kann dies nur mit einem Qualitätsverlust tun. Ausserdem knausert Nintendo beim Lieferumfang: Kopfhörer sucht man in der Schachtel vergebens. Dem Einschub musste der Slot für GameBoy-Advance-Spiele weichen, was nicht hätte sein müssen. Ausserdem hat dies zur Folge, dass sich Zubehör wie der Guitar-Hero-Adapter nicht mehr nutzen lässt.

Kein Neustart beim Spielewechsel

Ein wesentliches Manko der Vorgängermodelle hat Nintendo beim DSi nun endlich beseitigt. Spiele lassen sich nun einfach wechseln, nachdem man kurz den Power-Button gedrückt hat. Ein Neustart ist nicht mehr nötig. Ebenfalls positiv aufgefallen sind uns die mit 66 x 49 Millimeter im Vergleich zum DS Lite (62 x 47) leicht vergrösserten Displays, die für deutlich erhöhtes Spielvergnügen sorgen.

Im Test mussten wir leider eine verkürzte Akkulaufzeit feststellen. Lief der DS Lite noch über fünf Stunden, schafft sein Nachfolger mit einer Akkuladung 4,5. Auch das alte Netzteil passt nicht mehr, weil Nintendo ihn mit einer neuen Buchse ausgestattet hat.

Wer den DSi beispielsweise oft im Zug benutzt, sollte aufpassen. Denn die Lautstärke wird nicht mehr über den altbekannten Schieberegler eingestellt. Stattdessen gibt es nun einen Plus- und Minus-Button. Das ist praktisch, aber man sieht nicht mehr sofort, wie laut das Gerät eingestellt ist. Die Boxen sind zwar besser als beim Vorgänger, lassen aber immer noch kräftige Bässe vermissen.

Fazit

Spätestens wenn die ersten Games auf den Markt kommen, welche die im DSi verbauten Kameras nutzen, um Gesten des Nutzers ins Spiel zu übertragen, wird der DSi sicher die Erfolgsgeschichte seiner Vorgänger weiter schreiben. Von ihnen wurden bislang über 100 Millionen Exemplare abgesetzt. Aber auch heute schon machen das Surfen und Musikhören Spass, wenn man gewisse Abstriche beim Komfort akzeptiert. Der DSi ist im Vergleich zum Lite zweifellos ein Sprung - dieser hätte aber ruhig etwas weiter ausfallen können.