Android

15. Januar 2011 14:59; Akt: 23.01.2011 15:26 Print

Zweiter Versuch mit neuem Partner

von Henning Steier - Beim Nexus One arbeitete Google mit HTC zusammen, das Nexus S wurde von Samsung gebaut. Was sich sonst noch geändert hat, zeigt der Test von 20 Minuten Online.

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Etwa 300 000 Geräte mit Android werden mittlerweile täglich aktiviert. Ob dazu auch solche gezählt werden, die nur den Besitzer wechseln, verriet Google bei Nennung dieser Zahl nicht. Trotzdem bleibt diese eine beeindruckende Zahl - wenn man hinzuzieht, dass Nokia auf seiner Hausmesse im September angab, täglich würden 260 000 Nokia-Smartphones mit Symbian verkauft. Apple hatte im gerade abgelaufenen Quartal rund 16 Millionen iPhones abgesetzt.

Mit rund 200 000 Apps liegt der Android Market zwar klar hinter Apples App Store, in dem zirka 300 000 Anwendungen verfügbar sind. Doch ein anderer Marktplatz - beispielsweise von Nokia oder Microsoft - hat es bislang nicht mal in Sichtweite der beiden Platzhirsche geschafft. Doch die vermeintliche Erfolgsbilanz des Google-Betriebssystems ist nicht ungetrübt: So wollen die App-Entwickler von Bump unlängst ermittelt haben, dass auf nur 0,4 Prozent aller Android-Handys die neueste Version läuft. Apples iOS 4 sei hingegen auf knapp 90 Prozent der Apfel-Smartphones zu finden, hiess es. Ein Grund dafür ist, dass Hersteller ihre Geräte oftmals mit eigenen Benutzeroberflächen wie HTC Sense versehen, was den Prozess verzögert, weil sie erst an die neue Android-Version angepasst werden müssen. Und warum machen die Anbieter dies? Es ist ein der wenigen Möglichkeiten - vom Design abgesehen - sich von der Konkurrenz abzusetzen. Darunter leiden Nutzer, denn Updates des Betriebssystems bringen nicht nur neue Funktionen, sondern verbessern in der Regel auch die Performance und damit die Akkulaufzeit. Zudem beseitigen sie Fehler des Betriebssystems.

Erfolgreiches Vorbild

Nicht nur für Entwickler wollte Google vor einem Jahr mit dem von HTC gebauten Nexus One ein Handy anbieten, das dieses Problem nicht hat. Denn es bot stets das reine Android in neuester Version und wurde vom kalifornischen Unternehmen auch über einen eigenen Online-Shop verkauft. Im Test von 20 Minuten Online konnte das Gerät zwar nicht durchweg überzeugen, erwies sich aber als solides State-of-the-Art-Gerät. Im Sommer wurde dann bekannt, dass das Nexus One die Erwartungen wohl nicht erfüllt hatte, denn den eigenen Vertrieb stellte Google damals ein. Obwohl es damit im Vergleich zu erfolgreichen Geräten wie dem Samsung Galaxy S ein Nischendasein fristet, wagt Google einen neuen Versuch, der passenderweise mit Samsung gestartet wird. Das Gerät nennt sich Nexus S und kostet rund 750 Franken.

Auf der Consumer Electronics Show hatte der Tester bereits die Gelegenheit, sich das Gerät eine halbe Stunde anzusehen, nun hat er eine weitere Woche mit ihm verbracht und ist durchaus angetan. Denn natürlich kommt es mit Android 2.3 zum Kunden, einer Version des Betriebssystems, die zwar keine derartigen Performanceschübe wie 2.2 im Vergleich zu 2.1 liefert, aber durchaus mit sinnvollen Neuerungen zu überzeugen weiss. Wer nicht gerade mit grazilen Fingern gesegnet ist, dürfte sich über das neue Keyboard freuen, denn die Tasten haben nun einen grösseren Abstand zueinander. Praktisch: Korrekturen kann man nun auch sprachgesteuert vornehmen. Dazu markiert man ein falsch geschriebenes Wort, drückt auf das Mikrofon-Symbol und spricht das richtige, welches in zehn Versuchen immer erkannt wurde. Dies allerdings erst, nachdem uns klar wurde, dass das Ganze bei unserem Testgerät vorerst nur auf Englisch funktioniert.

Kleine Verbesserungen

Gut gefallen hat uns überdies die neue Copy-and-Paste-Funktion: Während Windows-Phone-7-Nutzer auf eine warten müssen, wurde die Android-Variante bereits verbessert: Nachdem man ein Wort durch langes Drücken markiert hat, werden Pfeile eingeblendet, mit denen man den zu kopierenden Wortteil auswählt. Was wir uns noch gewünscht hätten, wäre eine mit dem letzen grossen iOS-Update eingeführte Funktion, dank der man alle laufenden Apps einblenden und einzelne beenden kann. Dazu ist auch weiterhin ein Task Manager nötig, den man sich aus dem Android Market herunterladen muss. Gratis-Varianten sind in der Regel von auffälliger Werbung verunstaltet. Ausserdem vermissen wir eine eigene Leiste, über die sich unter anderem WLAN- und GPS-Empfang direkt einschalten liessen. Des Nexus One hat eine solche, welche sich direkt auf einem der Startbildschirme platzieren lässt.

Auffälligste äussere Neuerung im Vergleich zum Nexus One ist der fehlende Trackball. Schade, denn er vereinfachte nicht nur mitunter die Navigation, sondern informierte den Besitzer durch sein Blicken beispielsweise über erhaltene SMS. Grundsätzlich wirkt die gebogene Form des Nexus S extravagant, hat aber auch den Vorteil, dass es besser in der Hand liegt als das Nexus One. Im direkten Vergleich wirkt die Aufmachung des Neulings allerdings nicht ganz so edel, was vor allem daran liegt, dass viel mehr Plastik als Metall im Gehäuse verbaut wurde. Instabil wird es aber nicht, so dass sich dieser Punkt sich wohl unter Geschmacksfragen einsortieren lässt.

Super-Display verbaut

Eindeutige Ausstattungsverbesserungen im Vergleich zum Nexus One sind ein Gyroskop, eine zweite Kamera für Videotelefonie und das Super-AMOLED-Display. Es bietet mit 16,7 Millionen Farben und einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln zwar identische Leistungsmerkmale, aufgrund der verbauten Technologie aber höhere Kontraste, knackigere Farben und eine bessere Lesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung. Ausserdem neu ist die Unterstützung von NFC (Near Field Communication). Damit könnte man sein Handy zur Identifikation nutzen und beispielsweise Tiefgaragentüren öffnen. NFC ist nichts Neues und wird unter anderem von Nokias C7 unterstützt, die Finnen wollen ohnehin all ihre ab diesem Jahr all ihre Smartphones mit NFC-Chips ausstatten. Was das Feature momentan uninteressant macht, ist sind die fehlenden Anwendungsmöglichkeiten. In der Schweiz wurden zwar Ende 2009 im Rahmen des Projekts touch'n pay Bezahlmöglichkeiten getestet, eine Markteinführung steht aber noch aus. In Deutschland können Kunden an ausgewählten Bahnhöfen bereits ihre Tickets bezahlen, indem sie ihr Gerät beim Ein- und Aussteigen an Sensoren auf dem Bahnsteig halten.

Insgesamt überzeugte uns die Performance des Nexus S - mit dem bereits vom Galaxy S bekannten Cortex-A8-Prozessor sowie integrierter Grafikbeschleunigung, wie man sie von Nokias N8 kennt. Die Bilder und Videos der Kamera gehen in Ordnung - wenngleich wir uns HD-Auflösung und acht Megapixel gewünscht hätten - wie sie beispielsweise das HTC Desire HD bietet, das überdies 768 Megabyte Arbeitsspeicher hat - im Nexus S sind 512 Megabyte verbaut. Uneingeschränkt überzeugt hat uns hingegen, dass die Akkukapazität für fast fünf Stunden Gesprächszeit ausreichte.

Fazit

Fast gäbe es am Nexus S nur Kleinigkeiten zu bemängeln: Bluetooth 3.0, höhere Kamerauflösungen und mehr RAM wären wünschenswert. Was aus unserer Sicht am schwersten negativ ins Gewicht fällt, ist der nicht erweiterbare 16-Gigabyte Speicher. Aus dem Stand fällt uns kein Android-Gerät ein, bei dem dies der Fall ist - wenngleich der Fairness halber angemerkt sei, dass Nutzer bei Geräten mit Windows Phone 7 ähnliche Probleme haben und es das iPhone bekanntlich immerhin mit 32 Gigabyte Speicher gibt, der sich aber nicht erweitern lässt. Auf der CES hat LG mit dem Optimus 2X ein Smartphone mit Dualcore-Prozessor gezeigt, auch das für den Mobile World Congress erwartete Galaxy S2 soll einen Doppelkern-Prozessor haben. Und wie ein Kurz-Test am LG-Stand auf der Messe in Las Vegas zeigt, bringt eine solche CPU noch mal deutliche Performanceschübe. Die eingangs erwähnten Aktivierungszahlen von Android-Geräten zeigen eben auch: Es gibt kein Betriebssystem, mit dem eine solche Fülle an Smartphones ausgestattet ist, was zu starker Konkurrenz zwischen den Anbietern führt. Das Nexus S belegt zumindest bis zur Branchemesse in Barcelona mit Samsungs Galaxy S und HTCs Desire HD die vorderen Ränge im Ranking der Google-Geräte.