Android als Betriebssystem

23. September 2010 14:43; Akt: 23.09.2010 15:02 Print

Nicht für jeden etwas

von Henning Steier - Mit dem AC100 bringt Toshiba eine Kombination aus Netbook und Smartphone auf den Markt. Die Idee ist gut, doch mittelmässig umgesetzt, wie der Test zeigt.

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Toshiba AC100: Netbook mit Android.

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Im Android Market sind mittlerweile rund 100 000 Apps vorhanden. Toshibas erstes Android-Smartbook AC100 unterstützt Googles Angebot aber nicht. Stattdessen bietet es Zugang zum so genannten Camangi Market - gut am Blumentopf-Symbol erkennbar. Allerdings sollte der Hersteller noch an seinem Menü arbeiten: Der Registrieren-Button heisst Vorlegen, nach dem Eingeben der Daten heisst es «Gratulieren, Sie sind fertig mit der Anmeldung» und oben rechts ist nach dem Einloggen «Grüssen berndbrot» (unser Nutzername) zu lesen. Gratis-Anwendungen heissen «frei», kostenpflichtige werden mit «bezalt» betitelt und die App-Übersicht verbirgt sich hinter einer Schaltfläche mit der Aufschrift «Personal greifen».

Weniger als 200 Apps

Wer diese Hindernisse klickenderweise beseitigt hat, findet sich aber schnell zurecht. Das liegt allerdings auch daran, dass das Angebot mit nicht einmal 200 vergleichsweise übersichtlich ist, denn Apps aus dem Android-Market müssten an die Displaygrösse und Tastaturbedienung des Toshiba-Rechners angepasst werden. Mit Layar, Fring und Tweetdroid sind aber einige bekannte Tools darunter. Ärgerlich: Mit der vorinstallierten Büro-Suite Documents To Go von DataViz lassen sich Dokumente nur betrachten. Wer welche erstellen will, muss zahlen. Ein Gratis-Office suchten wir in Toshibas Angebot vergebens.

Wer die Android-Benutzeroberfläche auf dem mit 1024 x 600 auflösende 10,1-Zoll-Display sieht, kommt anfänglich in Versuchung, aufs Display zu drücken - wie man es vom für Touchscreen-Smartphones optimierten Betriebssystem kennt. Doch einen berührungsempfindlichen Bildschirm bietet das AC100 nicht. Doch nach kurzer Zeit hat man sich an die Navigation per Keyboard und Touchpad gewöhnt. Die Tastatur ist ohnehin - wie das gesamte Äussere des Rechners - hochwertig verarbeitet. Die Tasten haben angenehme Druckpunkte und die ideale Grösse. Praktisch: Verbindet man das AC100 über seine zusätzliche Mini-USB-Buchse mit einem anderen PC, wird es problemlos als externes Laufwerk erkannt, so dass man den acht Gigabyte fassenden eMMC-Speicher mit Daten füllen kann.

Probleme mit vier Fernsehern

Als Anschlüsse stehen zwei USB-Buchsen und ein HDMI-Ausgang zur Verfügung. Vorteil für den Nutzer. Dateien lassen sich direkt auf einem modernen Fernseher abspielen. Wir haben es mit fünf Geräten ausprobiert. Nur auf einem Philips-TV klappte es tadellos. Samsungs, Panasonics, Sonys und LGs Fernseher brachte das AC100 zum Teilabsturz. Zudem konnten viele Web-Videos nicht abgespielt werden, weil Android 2.1 an Bord ist und kein Flash unterstützt.

Ein Vorteil der im AC100 verwendeten Kombination von Hard- und Software sind kurze Aufwach- und Startzeiten. Binnen durchschnittlich drei Sekunden fuhr der Rechner in fünf Versuchen herunter. Im Schnitt brauchte sechs für einen Bootvorgang. Auch die weitere Hardwareausstattung lässt wenig zu wünschen übrig: Nvidias mit einem Gigahertz getakteter T20-Prozessor, 512 Megabyte DDR2-RAM, Bluetooth 2.1, 1,3-Megapixel-Webcam, SDHC-Cardreader sowie ein Gewicht von etwa 900 Gramm bei Abmessungen von 262 x 190 x 21 Millimeter. Damit hat das AC100 im zusammengeklappten Zustand etwa die Abmessungen eines iPads. Wir hätten uns noch nur ein UMTS-Modul gewünscht. Dieses gibt es aber nur gegen Aufpreis. Acht Stunden Akkulaufzeit bei durchschnittlicher Nutzung verspricht Toshiba. In drei Tests musste der Rechner im Schnitt nach fünf Stunden wieder an die Steckdose - ein ordentlicher Wert. Gut gefallen hat uns ausserdem, dass die vom Nutzer selbst erstellbaren Benutzeroberflächen - beispielsweise eine fürs Büro und eine andere fürs Wochenende - anhand des SSID des angesteuerten Routers erkannt und angezeigt werden können.

Fazit

Mit rund 700 Franken ist das AC100 ein vergleichsweise teures Smartbook. Die Kombination aus Netbook und Smartphone hat ein gelungenes Design und hält mit einer Akkuladung lange durch. Abstriche muss man bei der Performance und dem App-Angebot machen. Die meisten Nutzer dürften mit einem günstigeren Netbook daher besser bedient sein. Die Karten dürften aber neue gemischt werden, wenn erste Geräte mit Googles für Netbooks optimiertem Betriebssystem Chrome OS auf den Markt kommen, was noch für dieses Jahr erwartet wird.