«S8000»

16. Juni 2009 15:05; Akt: 16.06.2009 17:01 Print

Samsung will abheben

von Henning Steier - Mit dem «Jet» bringt der südkoreanische Hersteller nach eigenen Angaben einen Überflieger auf den Markt. Ob er auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, zeigt der Kurztest von 20 Minuten Online.

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Mit Spannung wartet die Fachwelt auf das erste Google-Handy eines führenden Herstellers. Samsung will sein Modell «Galaxy» in wenigen Wochen auf den Markt bringen. Das kommende Flagschiff soll aber ein anderes Gerät sein, welches gestern in London offiziell vorgestellt wurde: 20 Minuten Online hat das «Jet» - auch unter der Bezeichnung «S8000» bekannt - einem Kurztest unterzogen.

Das 109 x 53,5 x 12 Millimeter messende Handy wird mit einem AMOLED-Touchscreen ausgeliefert, welcher über eine Diagonale von 3,1 Zoll verfügt und eine Auflösung von 800 x 480 Pixeln bietet. Vorteil dieser Technologie sind unter anderem klare Farben und hohe Kontrastwerte. Letztere werden erreicht, weil keine Hintergrundbeleuchtung nötig ist. Ausserdem zeigen diese Displays auch aus extremen Blickwinkeln keine veränderten Farben. Ein Video liess sich so bequem von drei Leuten gleichzeitig anschauen. Vor zwei Jahren brachte Samsung mit dem F500 das erste Handy in den Handel, welches DivX-zertifiziert war, also mit dem Codec erstellte Filme abspielen konnte. So ist es wenig überraschend, dass auch das «Jet» mit solchen Clips umgehen kann. Der Codec wird übrigens auch gern von Piraten verwendet, weil er ein gutes Verhältnis von Dateigrösse und Bildqualität bietet.

Webvideos sind kein Problem

Das Surfen im Internet klappte im Test gut. Die Adressleiste des integrierten Browsers «Dolfin» hat drei praktische Funktionen: Zum einen kann man natürlich URLs eingeben, darüber hinaus kann der Nutzer sie aber auch zur Google-Recherche und der Suche auf einer Webseite verwenden. Ausserdem nützlich: Surfer können ihre Favoriten direkt auf dem Desktop ablegen, um so auf sie zugreifen zu können. Der integrierte Pop-up-Blocker blendete auf fünf besuchten Webseiten die lästige Werbung vollständig aus. Sehr gut ist ausserdem, dass der Browser Flash-Inhalte wie Webvideos umstandslos abspielen kann. Das beste neue Feature ist theoretisch allerdings der Ein-Finger-Zoom: Lässt man ihn kurz auf einer Stelle des Displays ruhen, kann man danach Fotos, aber auch unter anderem PDF-Dokumente und Webseiten aufziehen. Im Test gelang das allerdings erst nach einigen Versuchen. Laut Samsung waren bei der Präsentation nur Vorseriengeräte zu sehen. Dass der Zoom beim finalen Produkt dann besser funktioniert, ist damit aber nicht garantiert.

Fotos schiesst das 110 Gramm wiegende «Jet» mit maximal fünf Megapixeln. Zehn Beispiele gelangen uns recht gut. Allerdings hatte es bei dunkleren Hintergründen Probleme, passable Bilder zu liefern. Uneingeschränkt positiv ist hingegen der integrierte Musikplayer zu beurteilen, der sehr gute Bässe und Höhen bietet. Weil das Handy eine 3,5-Millimeter-Buchse hat, kann man es überdies mit dem eigenen Kopfhörer benutzen. Viele Geräte geben ihren Besitzern diese Möglichkeit immer noch nicht.

Schnellerer Prozessor als im iPhone

Samsung gab nur bekannt, dass das Gerät in den nächsten Woche hierzulande in den Handel kommen und im oberen Preissegment angesiedelt sein soll. Dafür bekommt der Nutzer eine gute, aber keine herausragende Ausstattung, welche unter anderem WLAN, Quadband, A-GPS und HSDPA mit 3,6 Megabit pro Sekunde beinhaltet. Bei letztgenanntem hätte Samsung ruhig noch eine Schippe drauflegen und 7,2 Megabit pro Sekunde liefern können. Dafür ist der Prozessor des «Jet» mit schnellen 800 Megahertz getaktet, der Arbeitsspeicher fasst 256 Megabyte. Das äusserte sich in guter Performance im Kurztest. Zum Vergleich: Apples iPhone 3G S hat eine CPU mit 600 Megahertz, aber auch 256 Megabyte RAM.

Was wir bisher nur beim «Jet» gesehen haben, ist die Möglichkeit, das Handy über das Zeichnen eines Buchstabens zu entsperren und anschliessend eine von zwölf zuvor definierten Funktionen zu starten. So kann man beispielsweise festlegen, dass die Partnerin angerufen wird, wenn man ein «P» auf den Touchscreen zeichnet. Der berührungsempfindliche Bildschirm reagierte im Test flüssig auf die Eingaben und gab ein angenehmes, nicht zu starkes, taktiles Feedback, also eine kurze Vibration nach der Eingabe. Neu beim «Jet» ist die überarbeitete Benutzeroberfläche «Touch Wiz 2.0»: Herausstechend ist das Medienmenü, welches als 3D-Würfel präsentiert wird. Seine sechs Seiten sind unter anderem mit MP3-Player, Fotoalbum und Radio belegt - eine schöne Idee, welche die Bedienung des Geräts deutlich vereinfacht.

Fazit

Das «Jet» soll laut Werbeslogan «smarter als ein Smartphone» sein. Keine Frage, das überragende Display, Surfen mit Dolfin, der schnelle Prozessor sowie der Ein-Finger-Zoom sind aller Ehren wert. Statt eines internen 8-Gigabyte-Speichers hätten wir aber lieber eine microSD-Karte mit 16 Gigabyte im Lieferumfang gesehen, um die Multimediamaschine mit genug Musik füllen zu können. Grösster Nachteil aus unserer Sicht ist aber, dass Samsungs neues Flagschiff mit dem firmeneigenen Betriebssystem statt Symbian oder Windows Mobile kommt. Und für dieses sind bislang keine Anwendungen aus dem unternehmenseigenen App Store verfügbar.