Was kann Surface?

07. März 2013 11:11; Akt: 07.03.2013 11:11 Print

Das erste Microsoft-Tablet im Praxistest

von Oliver Wietlisbach - Der Windows-Konzern will Tablets und Laptops verschmelzen. Kann das gelingen? Wir haben das Surface RT drei Wochen auf Prozessor und Touchscreen geprüft.

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Das Surface ist seit Mitte Februar 2013 im Schweizer Handel. Wir haben das erste Microsoft-Tablet mit Windows 8 einem dreiwöchigen Praxistest unterzogen. Auf den ersten Blick sieht das Surface wie ein gewöhnliches Tablet aus, aber Microsoft hat ein paar Extras verbaut . . . Das optionale Touch Cover lässt sich magnetisch an das Tablet andocken. Der Clou: Der stabile Schutzumschlag dient auch als . . . . . . vollwertige Tastatur. In der Rückseite ist zudem ein Klappständer integriert, der sich blitzschnell ausklappen lässt. So mutiert das Windows-8-Tablet zum kleinen Laptop. Auf dem Type Cover schreibt es sich dank mechanischen Tasten erstaunlich gut. Die magnetische Delux-Schutzhülle mit Tastatur und Touchpad ist mit 140 Franken aber nicht ganz billig. Nebst dem Type Cover (links) verkauft Microsoft das Surface auch im Set mit dem 3 Millimeter dünnen Touch Cover. Die Tasten bieten keinen Druckwiderstand, das Schreiben fällt daher deutlich schwerer. Beide Tastaturen verfügen über Funktionstasten für die Lautsprecher, Suche, Systemeinstellungen etc. Auch die Windows-Taste, zum schnellen Wechseln zwischen Apps und dem Homescreen sowie ein Touchpad sind an Bord. Letzteres unterstützt jedoch keine Multitouchgesten und ist platzbedingt arg klein geraten. Type und Touch Cover lassen sich blitzschnell magnetisch andocken. Das dünne Touch Cover kostet 130, das Type Cover 140 Franken. Wird die Schutzhüllen-Tastatur zusammen mit dem Surface gekauft, kostet das Touch Cover 100 Franken. Es ist in Blau, Schwarz und Weiss verfügbar. Bei den Magneten, die das Cover mit dem Tablet verbinden, hat Microsoft offensichtlich nicht gespart. Unverständlich ist daher, wie schlecht sich das ebenfalls magnetische Ladekabel einstöpseln lässt. Das Surface ist etwas grösser und gleich dick wie das neuste iPad. Es verfügt zudem über einen USB-Anschluss (rechts). Microsofts Tablet-Debüt hat ein 16:9-Breitbildformat, was es fürs TV-Schauen prädestiniert. Auf dem hellen Display liest es sich auch gut, die Schrift ist aber längst nicht so knackig scharf wie auf einem Full-HD-Display. Das Surface der ersten Generation macht einen soliden Eindruck. Abzüge gibt es nebst dem Display für den mittelmässigen Akku. Im Härtetest musste das Surface pausenlos Internet-TV über das WLAN streamen (eine 4G-Version gibt es nicht). Nach knapp 7 Stunden ging dem Tablet der Saft aus. Punkte sammelt das Surface bei den Anschlüssen: Ein USB- und Micro-HD-Anschluss sowie ein Steckplatz für microSD-Karten sorgen für einen einfachen Datenaustausch und zusätzlichen Speicher. Von Haus aus kommt das Microsoft-Tablet mit 32 oder 64 Gigabyte Speicher daher. Mit der schnellen Verwandlung in ein kleines Laptop und dem vorinstallierten Office (ohne Outlook) kann das Surface RT auch für gelegentliches mobiles Arbeiten genutzt werden. Wer eine echte Alternative zu seinem Notebook sucht, sollte auf das Surface Pro warten oder zu einem Hybridgerät greifen. Microsofts App-Store hat seit Ende Oktober 2012 geöffnet. Das Angebot hinkt der Konkurrenz daher noch hinterher. Nicht verstecken muss sich die Auswahl an Games sowie . . . . . . der Xbox Music Store mit 30 Millionen Songs und den neusten Hollywood-Filmen, die als On-Demand-Angebot bereitstehen. Nebst dem Design und der Verarbeitung können auch die vorinstallierten Apps überzeugen – zumindest die meisten. Mit der App SkyDrive lassen sich beispielsweise Fotos, Musik und Dokumente zwischen Tablets, PCs und Smartphones synchronisieren. Der Datenaustausch funktioniert auch mit Apple- oder Android-Geräten reibungslos. Auch Twitter und Facebook sind nahtlos in Windows 8 integriert. Zwar übersichtlich, aber äusserst spartanisch gibt sich die Mail-App. Praktisch dafür: Die Live-Kacheln zeigen neue Inhalte wie Mails oder Kurznachrichten an, ohne dass die App geöffnet werden muss. Auf Tablets spielt das neue Windows 8 all seine Stärken aus. Es ist schnell, stabil und hat eine moderne, für Fingerbewegungen optimierte Oberfläche. Mit einem Wisch lässt sich duch die geöffneten Apps blättern. Mit einer Fingerbewegung vom rechten Rand in das Display kann das Kontextmenü aufgerufen werden. So erhält man schnellen Zugriff auf Funktionen wie Suche, Teilen oder Einstellungen. Als nützlich erweist sich der Split-Screen-Modus: Zwei Apps wie der Webbrowser und Skype können so gleichzeitig im Auge behalten werden. Beliebig viele Fenster können allerdings nur im Desktop-Modus geöffnet werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit Mitte Februar schmückt das Surface RT meine Wohnung. Nachdem mich weder das iPad noch das Galaxy Tab von Samsung überzeugen konnten, gebe ich Microsofts Tablet eine Chance. Und siehe da, insbesondere in der Küche leistet das Windows-Tablet als portabler Mini-Fernseher gute Dienste.

Als unverzichtbar entpuppt hat sich der fix in der Rückseite integrierte Klappständer. Er lässt sich mit einem Handgriff aus- und wieder einklappen. Der Kickstand verleiht dem Tablet deutlich mehr Stabilität als Schutzhüllen, die behelfsmässig zu einer Stütze gefaltet werden können.

Nicht knackig scharf

Das auch optisch gelungene Surface ist dank des 10,6 Zoll grossen Displays im 16:9-Breitbildformat prädestiniert, um Filme oder Serien zu schauen. Weniger gut gefällt die mässige Auflösung des Touchscreens, die bereits von einigen Smartphones überboten wird. Auf dem hellen Display liest es sich zwar gut, die Schrift ist aber längst nicht so knackig scharf wie auf einem Full-HD-Display.

Gut schlägt sich das Surface bei den Inhalten: Zwar hinkt der noch junge App-Store der Konkurrenz hinterher, dafür überzeugt das Musik- und Filmangebot. Rund 30 Millionen Songs und die neusten Hollywood-Blockbuster stehen als On-Demand-Angebot bereit.

Tablet oder Laptop? Beides!

Geschützt wird der grosse Touchscreen durch eine Schutzhülle, die aufgeklappt als Tastatur dient. Es gibt natürlich auch für andere Tablets Cover und Tastaturen in Hülle und Fülle, Microsofts Ansatz wirkt aber besonders elegant. Blitzschnell lässt sich der magnetische Schutzdeckel an- und abmontieren.

Mit dem ausklappbaren Ständer und der Tastatur in der Schutzhülle wird das Surface zu einem kleinen Laptop (siehe Diashow). Da Cover und Kickstand erstaunlich stabil sind, lässt sich das Surface auch auf dem Schoss ziemlich gut bedienen. Während meines dreiwöchigen Tests offenbarte die Cover-Tastatur aber auch kleine Schwächen. Mindestens zwei Mal wurde sie nach dem Andocken nicht erkannt.

Das sogenannte Touch Cover ist rund 3 Millimeter dünn und verfügt über berührungsempfindliche Tasten, die allerdings keinen Druckwiderstand bieten. Auch geübte Zehnfingersystem-Tipper werden daher mehrere Tage brauchen, um sich an die 130 Franken teure Tastatur zu gewöhnen. Mit knapp 6 Millimeter etwas dicker ist das Type Cover. Es verfügt über mechanische Tasten, kostet nur 10 Franken mehr und ist für Vielschreiber definitiv die bessere Wahl.

Neue Wischgesten in Windows 8

Microsoft hat unserem Testgerät eine umfassende Anleitung beigelegt, die aber in keinem Moment konsultiert werden musste. Der Desktop ist seit 1995 bekannt. Neu bei Windows 8 ist die Kachel-Oberfläche, die als Home-Screen dient und zum Starten von Apps genutzt wird. Die Kachel-Oberfläche ist für die Bedienung mit Fingern ausgelegt und meiner Meinung nach auf Tablets deutlich hübscher und effizienter als Android oder iOS.

Wer vom iPad oder Android zu Windows 8 wechselt, muss neue Wischgesten lernen, die während des ersten Startvorgangs erklärt werden. Das Prinzip ist denkbar einfach: Grundsätzlich werden alle Befehle mit einem Wisch vom Bildschirmrand in den Touchscreen ausgelöst. Mit einer Fingerbewegung vom linken Rand blättert man durch die geöffneten Apps. Mit einer Bewegung von oben nach unten lässt sich die App schliessen.

Es empfiehlt sich, das Surface von Anfang an mit einem Microsoft-Konto zu verbinden. Der Home-Screen erscheint dann so, wie man ihn auf einem anderen Windows-8-Gerät eingerichtet hat. Auch E-Mail-Konten, der Kalender oder die Musik- und Fotosammlung werden so automatisch eingerichtet und synchronisiert.

Starkes Tablet, schwacher Notebook-Ersatz

Für Büroarbeiten liefert Microsoft Office mit Word, Excel, PowerPoint und der Notizenverwaltung OneNote beim Kauf von Surface mit. Word und Co. werden wie gehabt auf dem Desktop bedient und auch der Explorer zur Dateiablage ist nach wie vor vorhanden. So gut sich die neue Kachel-Oberfläche mit den Fingern bedienen lässt, so mühsam wird das Unterfangen im Desktop-Modus. Zwar bietet Office einen «Touchmodus», der die Icons etwas weiter auseinandersetzt, mit dem Touchpad kommt man dennoch schneller ans Ziel.

Der Desktop soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf dem Surface RT – im Gegensatz zum kommenden Surface Pro – ausschliesslich Apps und keine klassischen Windows-Programme installiert werden können.

Das Surface RT sei primär ein Zweitgerät, das den PC zum Arbeiten nicht ersetzen werde, heisst es bei Microsoft. Zweifellos eine realistische Einschätzung, wie unser Test zeigt: Im Vordergrund steht die Nutzung als Tablet, also zum Schauen von Filmen oder zum Surfen im Internet. Mit der schnellen Verwandlung in ein kleines Notebook und dem vorinstallierten Office kann das Surface RT auch für gelegentliches mobiles Arbeiten genutzt werden.

Das Fazit:

Mit Surface gibt Microsoft einen gelungen Einstand in der Tablet-Welt. Die Verarbeitung überzeugt, der Klappständer und das Type Cover sind sinnvolle Neuerungen. Die ungewohnte Kachel-Oberfläche von Windows 8 ist zwar zunächst bei zahlreichen PC-Nutzern, die mit Maus und Tastatur arbeiten, durchgefallen. Auf Tablets spielt das neue Betriebssystem jedoch all seine Stärken aus. Es ist schnell, stabil und hat eine moderne, für Fingerbewegungen optimierte Oberfläche.

Das Surface RT mit 32 oder 64 Gigabyte Speicher (erweiterbar mit microSD-Karte) ist trotz allem kein technischer Überflieger: Apps starten mit spürbarer Verzögerung und das Display und der Akku kommen nicht übers Mittelmass hinaus. Wer sein Tablet nur zum Surfen oder für Spiele braucht, findet preiswertere Modelle. Als Allround-Gerät, irgendwo zwischen Laptop und Tablet, könnte das Surface aber seine Nische finden.

Die Unterschiede zwischen Surface RT und Surface Pro lesen Sie hier.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Diese Tablet/Ultrabook Kombination mit Windows 8 wird sich früher oder später durchsetzen. Surface, Ativ PC, Asus, HP und Lenovo sind schon mal die ersten und Apple wird vermutlich auch bald etwas in die Richtung machen wenn man so betrachtet das sie das 16/9 Format, Notification Center und Mini Tablets auch übernommen haben von der Konkurrenz. Mal schauen was noch kommt. Anfangs war man von 7'' - 8'' Tablets, Note's und Phablet's auch skeptisch und nun verkaufen sich diese sensationel. – Sushi

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D Gusti am 07.03.2013 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    surface pro

    Das Surface RT hat für den Homegebrauch viele Vorteile im Gegensatz zu IPad etc. Windows mit plug & play und und... Habe seit 3 Wochen ein Surface pro und bin wirklich erstaunt von dem Gerät. windows leistungsindex ist sehr hoch für ein Tablet. Am besten Windows AD integration!

  • John am 07.03.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Geniales Gerät

    Ich habe das RT Gerät seit ca. 3 Wochen und es ist genial, ich wüsste nicht was man noch besser machen könnte. Vorallem froh bin ich, dass ich das Ipad mit dem nervenden IOS loswerden konnte. Endlich vernünftig arbeiten.

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  • iPhensch am 08.03.2013 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So

    Das Problem ist: DESIGN und wenn man es gut macht dann hat man Apple kopiert.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lumière am 08.03.2013 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    iGerät...

    Weil die iGeräte in diesen Berufsklassen noch ein Status hat. Aber nur optisch, den auf den meissten iMacs läuft vermehrt Windows drauf. Auch ein Kumpel von mir hat sich das Mac Pro gekauft. OS-X? Weit gefehlt. Windows läuft drauf und er ist Informatiker. Auch er hat sich das Gerät gekauft, um ein gewisses Status zu erfreuen.

    • Von wegen am 09.03.2013 06:05 Report Diesen Beitrag melden

      Status Symbol

      dürfte wohl der falsche Begriff sein. Den Vorteil des OSX mit Windows kombinieren zu können ist einfach wirtschaftlich und clever. Umgekehrt ist es ja nicht möglich. Auf der anderen Seite ja, clever sein können ist wohl inzwichen ein Status-Symbol. Da hilft die Kombination der Möglichkeiten natürlich. Bei mir laufen gar 4 OS auf einem Mac parallel mit einander. Das schaffen andere Geräte nicht. Mein Status ist daher Zweckmässig zu sein.

    • Louis am 09.03.2013 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nö!

      Hat nichts mit Status zu tun! Klar läuft AUCH Windows auf Macs... und wie!! Ist ja genau der Vorteil dieser Maschinen... gemerkt??

    • Windows am 10.03.2013 09:59 Report Diesen Beitrag melden

      Eines für alles!

      Wer braucht schon ein OSX wenn er Windows hat...? Umgekehrt schon!

    • Lumière am 10.03.2013 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nun ja...

      bei einigen trifft das auch zu, zweifellos, nur es gibt halt auch Leute, die sich den Mac kaufen und OSx garnicht benutzen. Und naja, so ganz stimmt es nicht, dass es umgekehrt nicht laufen soll. Ich hab auf meinem Windowsrechner OSx auch zum laufen gebracht. Ging ganz leicht und problemlos, bis auf den Treiber für die Grafikkarte.

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  • iPhensch am 08.03.2013 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So

    Das Problem ist: DESIGN und wenn man es gut macht dann hat man Apple kopiert.

  • Markus Flury am 08.03.2013 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Magnet schädlich

    Bitte daran denken,bei derart starken Magneten kann man eine mechanische Uhr vergessen. Die Ganggenauigkeit ist dahin.

    • hallo am 08.03.2013 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      omega

      ausser die neue Omega

    • S. Lutz am 08.03.2013 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Cover für Surface

      Sie müssen das Cover auch nicht an die Uhr, sondern an das Surface hängen.

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  • Kevin Blayk am 08.03.2013 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Windows 8 / 9 / Tablet Verison / Meinung

    Ich finde Windows 9 oder so.. Sollte ohne diesen kacheln kommen.. Oder eine Tablet Version mit aber an einem computer der kein touchpad hat hat es hier nichts zu suchen... Hallo Leute für wehn ist das Praktisch? Das Tablet wäre mir zu gross aber schaut gut aus für die Grösse Günstig!

  • John am 08.03.2013 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thinkpad Tablet 2

    Das Thinkpad Tablet 2 kriegt man mit Stift und normalem Windows 8 für 999.- bwi digitec. Leider aber immer noch nicht verfügbar.