Hands-on

26. Oktober 2010 14:44; Akt: 26.10.2010 19:32 Print

Galaxy Tab im Test

von Henning Steier - Bald kommt Samsungs erster Tablet-PC in die Läden. Das Gerät ist besser ausgestattet als Apples iPad. Ob es die Erwartungen erfüllt, hat 20 Minuten Online ausprobiert.

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So heiss war es Anfang September bei keiner Medienkonferenz auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Denn der Saal, den Samsung für die Präsentation seines ersten Tablet-Computers gewählt hatte, war hoffnungslos überfüllt. Auf der IFA konnte 20 Minuten Online das Galaxy Tab P1000 einem ersten Kurz-Test unterziehen und war durchaus angetan. Doch wie schlägt sich der iPad-Rivale im Wochen-Test?

Wie auf den obigen Bildern zu sehen ist, wird der Tablet-PC für unseren Geschmack etwas zu schnell schmutzig, wenn man ihn regelmässig in Gebrauch hat. Die Fingerabdrücke liessen sich manchmal nur schwer entfernen. Ansonsten gibt es rein äusserlich am Galaxy Tab wenig auszusetzen. Die Verarbeitung ist hochwertig, das Design fast an allen Stellen edel. Die vier Soft-Touch-Tasten unter dem Display reagieren präzise auf unsere Eingaben. Einen USB-Anschluss hat Samsung dem Rechner nicht spendiert, dafür ist an der Unterseite des Gehäuses eine Buchse zu finden, die an jene von Apple-Geräten erinnert. Nachteil für den Kunden: Geht das mitgelieferte Kabel verloren, muss er ein teures nachkaufen. Am rechten Gehäuserand findet man den microSD-Karteneinschub, über den sich der 16- beziehungsweise 32-Gigabyte-Speicher um bis zu 32 erweitern lässt. Ausserdem sind auf dieser Seite der Standard-SIM-Karten-Slot, ein Wipp-Schalter für die Lautstärke und der Einschalt-Knopf zu finden. Das ist durchdacht und so lässt sich der Galaxy-Tab intuitiv bedienen. Nicht gefallen hat uns allerdings die weisse Rückseite, die billig wirkt.

Einiges unter der Haube

Zu den technischen Spezifikationen zählen ein 7-Zoll-Display, Android 2.2 (Froyo), Samsungs 1-Gigahertz-Prozessor vom Typ Cortex 8, den man vom Galaxy S kennt. Auch die eigene Oberfläche TouchWiz 3.0 ist bereits von diesem Smartphone bekannt. Der Galaxy Tab steht dem iPad in puncto Reaktionsgeschwindigkeit in nichts nach. Der Touchscreen reagiert sogar auf fünf Finger gleichzeitig, allerdings wird es wohl noch ein bisschen dauern, bis es viele Apps gibt, die derartige Multitouch-Eingaben unterstützen. Praktisch: Dank der virtuellen Swype-Tastatur kann man von Buchstabe zu Buchstabe wischen, ohne absetzen zu müssen und so schneller tippen. Auf Wunsch kann man die Funktion abschalten.

Die Unterschiede zum iPad liegen aber ohnehin auf der Hand: Samsungs Tablet ist mit 190 x 120 x 11,9 Millimetern viel kleiner, denn Apples Rechner misst 243, 8 x 189,7 x 13,4. Das Gewicht beträgt dementsprechend etwa 700 beziehungsweise 380 Gramm. Damit passt das Galaxy Tab gerade noch in eine Sakkotasche. Samsungs PC unterstützt Flash, kommt mit Googles Betriebssystem und mit ihm lässt sich telefonieren - auch Videotelefonie ist dank einer zweiten Kamera möglich. Ausserdem hat das Galaxy Tab eine Kamera, die zwar nur mit drei Megapixeln auflöst - aber besser als keine ist sie in jedem Fall. Beim Ausprobieren in Berlin ging die Qualität der testweise geschossenen Fotos und Videos in Ordnung. Sie liessen aber Kontrast und natürlich auch Auflösung vermissen. Dieser Eindruck hat sich im zweiten Test bestätigt. Zudem hätte Samsung am Gehäuse noch eine Auslösetaste anbringen können.

Das Angebot an elektronischen Büchern und Zeitschriften stand beim Test nicht zur Verfügung. Das Problem - wie beim iPad: Hintergrundbeleuchtete Displays ermöglichen kein Augen schonendes Lesen wie dies etwa Amazons Kindle tut. Daher dürfte der ans Apple-Design angelehnte Readers Hub wohl eher etwas für Gelegenheitsleser sein. Wie gross zum Marktstart Anfang November das Angebot an deutschsprachigen Inhalten sein wird, liess Samsung auf Anfrage von 20 Minuten Online bislang offen.

Clips auf den Fernseher streamen

Ansonsten beeindruckte das Galaxy Tab aber mit seinen Multimedia-Funktionen. Wie man es von Android-Geräten kennt, ist keine Software wie iTunes nötig; es wird einfach als Wechseldatenträger erkannt. Selbst mit HD-Videos hatte der Player keine Probleme und gab sie ruckelfrei wieder. Durchdacht: Dank der AllShare-Funktion kann man beispielsweise drahtlos Videos vom Galaxy Tab auf einen DLNA-kompatiblen Fernseher streamen. Im Test klappte dies in fünf Versuchen problemlos. Auch das Surfen macht grossen Spass, denn dank der Unterstützung von Adobe Flash 10.1 sind viele Webvideos für Samsungs Tablet kein Problem - im Gegensatz zum iPad.

Apples Rechner lässt überdies eine Telefonfunktion vermissen. Wer die des Samsung-Rechners nutzt, sollte dies am besten über ein Bluetooth-Headset tun, denn allzu lange kann man sich den Rechner nicht ans Ohr halten, ehe die Finger schwach werden. Eindeutig Apples Boxen unterlegen sind die Lautsprecher des Samsung-Rechners. Dass die Südkoreaner hier so sehr gespart haben, ist ärgerlich. Auch das Hochfahren könnte schneller gehen. Ein Bootvorgang dauerte in fünf Versuchen durchschnittlich eine halbe Minute. Das iPad war nach 23 Sekunden startklar. Überzeugt hat uns hingegen die Akkulaufzeit des Samsung-Rechners. Durchschnittlich musste er nach einem Tag wieder an die Steckdose. Damit liegt er auf dem Niveau des iPads.

Fazit

Samsung verlangt für die 16-Gigabyte-Version 999 und für die Variante mit doppelt so viel Speicher 1199 Franken. Apples iPad mit WLAN- und 3G-Unterstützung und 64 Gigabyte Speicher ist für 1049 Franken zu haben. Die Vorteile des Samsung-Tablets liegen klar auf der Hand: Telefonfunktion, Flash-Unterstützung, Video-Chat. Ausserdem ist in beiden Versionen GPS an Bord. Apples App Store hat seinen Nimbus verloren. Im Android Market gibt es mittlerweile 100 000 Apps - mehr als genug. Samsungs Tablet dürfte es trotzdem schwer haben, denn es ist zu teuer. Es bleibt also abzuwarten, zu welchen Preisen es mit einem Handy-Vertrag zu haben sein wird.