Hands-on

26. Oktober 2010 14:35; Akt: 27.10.2010 14:17 Print

Das neue MacBook Air im Test

von Henning Steier - Seit Sommer 2009 hatte Apple sein dünnes Notebook nicht mehr aufgefrischt. Nun ist die neue Version da. 20 Minuten Online hat sie ausprobiert - und eine Alternative zum iPad entdeckt.

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«Das MacBook Air soll Trends für alle kommenden MacBooks setzen», sagte Erik Stannow, Product Marketing Director EMEA, heute vor Journalisten in Zürich. Apples Medienkonferenz der vergangenen Woche habe nicht umsonst unter dem Motto «Back to the Mac» gestanden. Denn ein Drittel seines Umsatzes erzielt man immer noch mit den Rechnern. «Trotzdem ist es doch logisch, dass wir vom iPad gelernt haben», betonte Stannow. Für das neue MacBook Air habe man dementsprechend ausschliesslich Flash-Speicher verwendet. Es soll nahezu verzögerungsfreie aus dem Schlaf-Modus aufwachen und bei durchschnittlicher Nutzung erst nach einem Arbeitstag wieder an die Steckdose müssen. Weil diese Speicherart keine beweglichen Teile enthält, ist sie wesentlich robuster und arbeitet geräuschlos.

Zwei neue Modelle des dünnen Rechners sind seit dem 20. Oktober hierzulande erhältlich - mit 13,3- und 11,6-Zoll-Display. An seiner dicksten Stelle misst der Rechner 1,7 Zentimeter. Zur Hardware zählen ein Core 2 Duo-Prozessor, eine Nvidia GeForce 320M und eine FaceTime-Kamera. Wie bisher fehlt ein optisches Laufwerk. Die neuen Modelle gibt es ausschliesslich mit Flash-Speicher. Das grosse Display löst mit 1440 x 900 und das kleine mit 1366 x 768 auf. Der Prozessor des 11,6-Zoll-Modells ist in der günstigsten Version mit 1,4 Gigahertz getaktet. Warum Apple nicht Intels aktuelle, stromsparende i3-Prozessoren verbaut hat, dazu wollte sich Stannow auf Anfrage nicht äussern. Es könnte aber daran liegen, dass der integrierte Grafikchip vergleichsweise leistungsschwach ist. Somit müsse Apple einen weiteren verbauen, was angesichts des knappen Platzes schwierig wäre.

Kunden haben die Wahl zwischen 64 (1199 Franken) und 128 Gigabyte Speicher (1449 Franken). Die günstigste 13-Zoll-Variante kommt mit einer 1,86-Gigahertz-CPU und 128 Gigabyte Speicher für 1549 Franken in die Läden, wer 256 Gigabyte haben möchte, zahlt 1899 Franken. In der Standardkonfiguration aller Modelle stecken zwei Gigabyte Arbeitsspeicher. Als Gewicht gibt Apple 1,06 Kilogramm für die 11-Zoll- und 1,32 Kilogramm für die 13-Zoll-Variante an.

Versprechen gehalten

20 Minuten Online hat die grössere Version mit zwei Gigabyte RAM und 256-Gigabyte-Festplatte einem Kurz-Test unterzogen. Durchschnittlich vier Sekunden Aufwach- und 12 Sekunden Boot-Zeit hatte Stannow versprochen. Und das Testgerät konnte es halten. Um die Akkulaufzeit zu ermitteln, testet Apple drahtloses Aufrufen von 25 Websites bei einer Bildschirmhelligkeit von 50 Prozent. So erreicht man die angebenen sieben Stunden. In der Realität mussten wir aber die Helligkeit auf etwa 80 Prozent erhöhen, um komfortabel arbeiten zu können. Daher musste der Akku heute nach knapp viereinhalb Stunden wieder geladen werden. Zu beachten ist aber, dass erst nach mehrmaligem Laden seine endgültige Kapazität erreicht wird.

Wenn man den Rechner zum ersten Mal einschaltet, fällt einem sogleich das überdurchschnittlich gute Display auf. Das liegt unter anderem daran, dass es mit 1440 x 900 genauso hoch auflöst wie der Bildschirm des MacBook Pro mit 15-Zoll-Display. Auch die Grafikkarte ist die gleiche. Und welche Hardware bekommt man im 13-Zoll-MacBook-Pro, das 50 Franken weniger als sein gleich grosser Air-Bruder kostet? In der Basiskonfiguration stecken vier Gigabyte Arbeitsspeicher, eine 500-Gigabyte Festplatte und ein mit 2,4 Gigahertz getakteter Intel Core 2 Duo. Das Display hat eine Auflösung von 1280 x 800. Dafür soll der Akku mit bis zu zehn Stunden durchschnittlich drei länger halten als im MacBook Air.

Nicht alle Mängel beseitigt

Endlich hat das MacBook Air, dessen letztes Modell im Sommer 2009 auf den Markt kam, das grosse Multitouch-Tackpad erhalten, das man von anderen MacBooks kennt. Und einen weiteren Kundenwunsch hat Apple erfüllt: Es gibt nun zwei USB-Anschlüsse - doppelt so viel wie vorher. Leider vermissen wir nach wie vor eine Firewire-Buchse und müssen so auf höhere Übetragungsraten als sie USB bietet verzichten. Weil ein Ethernet-Anschluss fehlt, muss man für diesen einen USB-Adapter kaufen. Wir finden: Dieser hätte im Lieferumfang enthalten sein sollen. Im 13-Zoll-Modell ist immerhin nun ein SD-Karten-Slot verbaut. Die 11-Zoll-Version muss ohne einen solchen auskommen. Beide Versionen lassen eine beleuchtete Tastatur vermissen, die das Arbeiten bei schlechten Lichtverhältnissen erleichtert. Ausserdem fehlte uns ein Mikrofoneingang, so dass Aufnahmen dank eines externen Mikrofons eine bessere Qualität hätten als jene über das integrierte.

Fazit

Das MacBook Air ist in beiden Versionen ein vergleichsweise teurer Spass. Denn diesen hat man mit den Rechnern zweifelsohne, wenn man nicht gerade aufwändige Arbeiten wie Videoschnitt oder Musikproduktion erledigen möchte. Denn dazu sind zwei Gigabyte Arbeitsspeicher nicht ausreichend. Man kann ihn zwar gegen Aufpreis verdoppeln, doch in jedem MacBook Pro sind vier Gigabyte RAM nicht ohne Grund Standard. Die erwähnten Vorteile des im MacBook Air verbauten Flash-Speichers sind unbestritten. Doch noch ist dieser ein Nischenprodukt und daher entsprechend teuer, was sich wiederum im Preis der Rechner niederschlägt. Zudem ist das Maximum von 256 Gigabyte für Besitzer grosser Film- und Musiksammlungen in der Regel nicht ausreichend. Mit 1050 Franken ist das 3G-/WLAN-iPad 150 günstiger als das kleinste MacBook Air. Beide kommen mit 64 Gigabyte Speicher zu einem Kunden, der das Gros seiner Daten in der Cloud speichert oder ohnehin in erster Linie eine mobile Surfmaschine sucht. Dabei hat er nun die Wahl zwischen einer mit und ohne Tastatur. Eine kommt allerdings ohne 3G-Anbindung. Interesssant dürfte im nächsten Jahr werden, was aus dem MacBook Air als Trendsetter wird, wie Erik Stannow es seinem Boss Steve Jobs folgend genannt hatte. Wird Apple sich von konventionellen Festplatten verabschieden? 2011 könnten wir mehr erfahren.