Das Nexus 7 im Test

26. Dezember 2012 18:27; Akt: 28.12.2012 13:10 Print

So schlägt sich das kleine Google-Tablet

von Daniel Schurter - Ist weniger tatsächlich mehr? Wir haben das abgespeckte Mini-Tablet mit dem neusten Android-System getestet – und es am iPad mini gemessen.

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20 Minuten Online hat das Nexus 7 ausgiebig getestet. Vermag das Android-Tablet von Google und Asus, das im Internet zum Schnäppchenpreis erhältlich ist, zu überzeugen? Mit seiner abgespeckten Hardware-Ausstattung ist das Nexus 7 nicht für jeden denkbaren Einsatz geeignet. Das zeigt sich bei der Kameraausstattung. Eine Linse oberhalb des Displays ermöglicht Video-Chats, ob mit Skype oder Google+ Hangout. «Knipsen» ist nicht möglich - die bei anderen Tablets übliche Rückseiten-Kamera fehlt. Dafür sind die massgeblichen Komponenten von guter Qualität. Das hochauflösende Display eignet sich hervorragend zum Schauen von Videos. Ein kräftiger Prozessor sorgt für die nötige Power, um alle Inhalte ruckelfrei anzuzeigen. Damit taugt das Android-Tablet auch zum mobilen Gamen. Der Akku hält einen Arbeitstag durch, die Leistung ist überdurchschnittlich hoch, wie unabhängige Praxistests gezeigt haben. Der eingebaute Mono-Lautsprecher ist eine Enttäuschung, das fällt aber kaum ins Gewicht, weil man eh die Kopfhörer verwendet, um unterwegs Musik und Videos zu konsumieren. Die Kopfhörerbuchse befindet sich an der Geräte-Unterseite. Dort ist auch der Anschluss für das Lade- und Synchronisierungskabel. Das von Google Schweiz zur Verfügung gestellte Testgerät besitzt kein Mobilfunk-Modul. Die Verbindung zur Aussenwelt wird über WLAN, Bluetooth, NFC oder per USB-Kabel (MicroUSB 2.0) hergestellt. Mittlerweile sind auch Nexus-7-Modelle mit einem vergleichsweise langsamen Mobilfunk-Modul (kein LTE oder UMTS) erhältlich. In der günstigsten Variante bietet das Nexus 16 Gigabyte (GB) Speicherplatz, wobei effektiv nur etwas über 14 GB zur Verfügung stehen. Seit November wird ein teureres Modell mit 32 GB Speicher angeboten. Das dürfte digitale Sammler mit entsprechendem Platzbedarf freuen. Denn für externe SSD-Speicherkarten ist kein Slot vorhanden. Was ebenfalls bei allen Nexus-7-Modellen fehlt, ist ein HDMI-Anschluss, um Tablet-Inhalte (Games, Filme) via Kabel auf dem Fernsehgerät abzuspielen. Im Bild: Die auf der rechten Seite platzierten Lautstärke-Tasten sowie der Ein-Aus-Schalter. Über diese beiden Knöpfe lassen sich auch rasch Screenshots anfertigen. Fazit: Das Nexus 7 ist ein hochwertiges Mini-Tablet zum Schnäppchenpreis und ein handlicher Multimedia-Player für unterwegs. Ärgerlich aus Schweizer Sicht: Das Gerät ist vorläufig nur als Import verfügbar, Google verzichtet auf den Verkauf. Das hat mit dem hierzulande beschränkten Angebot des Online-Stores Google Play zu tun (siehe Artikel).

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Während mehrerer Wochen hat mich das kleine Google-Tablet im Alltag begleitet. Das Nexus 7 war mein ständiger Begleiter, ob im Zug oder Tram, und hat mir dabei wertvolle Dienste erwiesen. Das liegt hauptsächlich am starken Display.

In einer überfüllten S-Bahn gibt es für mich nichts Besseres, als einen guten Film zu schauen. Die Kopfhörer einstöpseln und schon sind die Mitreisenden vergessen. Dank der hohen Auflösung von 1280 mal 800 Pixeln und der «MX Player»-App wird das Nexus 7 zum mobilen HD-Kino und übertrumpft locker den grösseren Bildschirm des iPad mini. Videos lädt man am besten via USB-Kabel auf das Gerät. Das funktioniert dank dem Gratis-Programm «Android File Transfer» auch problemlos mit dem Mac.

Der Nexus-7-Touchscreen überzeugt mit satten Farben und hohem Kontrast. Auch bei schwierigen Lichtverhältnissen (Sonneneinstrahlung, Lampen) halten sich die lästigen Spiegelungen in Grenzen. Selbst deutlich teurere Tablet-Konkurrenten kommen nicht an die Qualität der Anzeige heran.

Zudem passt das 12 Zentimeter breite Tablet bequem in eine Hand. Das liegt auch am geringen Gewicht von rund 330 Gramm und an der gewöhnungsbedürftigen Rückseite aus schwarzem Kunststoff. Die wirkt im Vergleich mit dem Aluminiumgehäuse des iPad mini weniger edel, doch die Verarbeitung ist tadellos. Dank dem «Taschenbuch-Format» lässt sich auf der Google-Flunder bequem lesen, auch im Stehen. Und falls man plötzlich aussteigen muss, verschwindet sie blitzschnell im Mantel.

Wo bleiben die Inhalte, Google?

Hardware hui, Software pfui? Na ja, so krass würde ich die Situation beim Nexus 7 zwar nicht beurteilen. Und doch tut sich ein Graben auf, zumindest aus Schweizer Sicht. Auf der einen Seite haben wir den Gerätehersteller Asus, der das 7-Zoll-Tablet im Auftrag von Google gebaut hat. Dabei beweisen die Ingenieure aus Taiwan, dass sie ihr Handwerk verstehen. Auf der anderen Seite haben wir den mächtigsten Internet-Konzern der Welt, der sein mobiles Betriebssystem Android in der neusten Version zur Verfügung stellt und mit seinem Online-Store Google Play gegen Apple und Amazon antritt.

Das Geschäftsmodell ist beim Online-Händler Amazon abgeschaut. Die Hardware wird zum Schnäppchenpreis angeboten, beziehungsweise subventioniert, um dann mit den Inhalten Geld zu verdienen. «Content is King» lautet das Motto auf den Tablets, die ja in erster Linie auf das Konsumieren von Inhalten und die Nutzung von Internet-Diensten ausgelegt sind. Deshalb bietet Google selber das Nexus 7 nur in Ländern an, in denen der eigene Online-Store solche Inhalte zu bieten hat. Also nicht in der Schweiz.

Zwar kann das Nexus 7 über Elektronikverkäufer im Internet geordert werden. Doch der Blick über die Landesgrenze zeigt, was hierzulande dem Google-Ökosystem (noch) fehlt. So bietet der deutsche Play Store nebst der grossen Auswahl an Apps (Programmen), Musik, Filme und E-Books an. In der Schweiz beschränkt sich das offizielle Angebot auf Apps. Immerhin lässt sich der Musik-Streaming-Dienst über einen technischen Kniff nutzen. Dazu registriert man sich über einen US-amerikanischen Proxy-Server.

Android 4.2 überzeugt

Noch ein Wort zur aktuellen Android-Version. Das aufgemotzte Jelly-Bean-System läuft flüssig und schnell. Äusserst praktisch ist die Multi-User-Funktion. Damit können sich mehrere Personen das Tablet teilen und dabei ihr Profil nach eigenem Gusto einrichten, inklusive Startbildschirm, Hintergrundfotos und Programmen. Der Wechsel zwischen den Nutzer-Profilen geht blitzschnell über den Sperrbildschirm (Lockscreen) vonstatten. Fazit: Diese Funktion wird in Mehrpersonen-Haushalten schnell unverzichtbar - hier könnte sich Apple eine gewaltige Scheibe abschneiden, bei iOS ist davon nichts zu finden.

Bekanntlich kommen die Besitzer eines Nexus-Geräts zuerst in den Genuss von Android-Updates. Das hat sich auch beim skurrilen Kalender-Bug bemerkbar gemacht. Innert einer Woche wurde der peinliche Fehler mit dem Mini-Update auf Version 4.2.1 korrigiert.

Fazit

Das Nexus 7 ist ein hochwertiges Mini-Tablet zum Schnäppchenpreis und ein handlicher Multimedia-Player für unterwegs. Ärgerlich aus Schweizer Sicht: Das Ökosystem (Google Play) ist hierzulande dürftig und beschränkt sich für Normal-User auf Apps. Pflicht für entdeckungsfreudige Android-Nutzer ist ein leistungsfähiger Malware-Scanner, der die Installationen in Echtzeit überwacht. Im offiziellen App-Store von Google sind mittlerweile um die 700‘000 Programme verfügbar, viele davon gibts kostenlos, wenige sind für Tablets optimiert. Wer hierzulande auf ein grosses (Kauf-)Angebot an Filmen, Musik und E-Books zugreifen möchte, ist wohl mit einem (teureren) iPad besser beraten.

Wer im Alltag die praktischen und kostenlosen Google-Dienste wie zum Beispiel Gmail nutzt, ist gut bedient mit dem Nexus 7. Natürlich haben auch diese Gratis-Angebote ihren Preis: Als Nutzer «bezahlt» man mit seinen persönlichen Daten, die zu Werbezwecken ausgewertet und von Google zu gutem Geld gemacht werden.

Wer ein Smartphone besitzt, kann getrost das günstige WLAN-Modell kaufen. Die mobile Internetverbindung lässt sich über die Thethering-Funktion erstellen (ist in den Geräte-Einstellungen des Smartphones aktivierbar). Damit wird das Nexus 7 zum unverzichtbaren Begleiter - speziell für ÖV-nutzende Filmfans.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Normi am 28.12.2012 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nicht ausgereift

    Hatte das Nexus 7 schon im November bei Mediamarkt gekauft und das Teil nach kurzer Zeit wieder verkauft. Was nutzt mir das beste Gerät wenn ich weder Filme, Musik oder Bücher bequem im Store kaufen kann ohne komplizierte (womöglich noch illegale) Umwege gehen zu müssen. Das hat Apple wesentlich besser im Griff auch wenn Sie dafür mehr kosten. Google ist auf einem guten Weg aber steckt noch in den Kinderschuhen.

  • Hans B. am 28.12.2012 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Klasse Tablet

    Mit Android "fahre" ich nun schon seit Jahren bestens. Die Krönung ist nun das 7"Tablet mit Android 4.2, mit welchem ich sehr zufrieden bin.

  • Der Tom am 28.12.2012 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Kistchen!

    Wer, weiss der Geier wieso, kein iOS Gerät will ist damit sehr gut bedient. Ich habe 3 Samsung Tab mit 3 verschiedenen Samsung Android Versionen. Zwar sind die Samsung Anpassungen wieklich nett und nützlich aber beim puren Android System hat man bessere chanen mehr als 2 Jahre Aktualisierungen zu erhalten.

  • T. Echnik am 27.12.2012 23:27 Report Diesen Beitrag melden

    E-Books nicht verfügbar?

    Amazon App auf Android installieren und tada! E-Books! Was für eine Hexerei, nicht? Zudem würde ich jedem raten E-Books doch lieber bei Amazon zu kaufen als bei Apple oder Google. Habe auch ein IPad3, sehe aber keinen nennenswerten Vorteil gegenüber meinem Nexus7. Im Gegenteil.

  • hha am 27.12.2012 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich Apple Samsung

    Ich war selbst ein iPhone 4 nutzer und bin kürzlich auf ein Galaxy S3 umgestiegen, weil ich neugierig war. Das Galaxy bietet viel mehr Möglichkeiten das Smartphone zu personalisieren und Apps gibt es auch genügend. Jedoch vermisse ich das perfekte Zusammenspiel von Soft-und Hardware, wie beim iPhone. Android an sich ist nicht schlecht aber erst seit ich kein iPhone mehr habe merke ich wie gut es eigentlich war. Nächstes Handy sicher wieder ein Apple Gerät.