Philips Net TV

02. April 2009 13:01; Akt: 02.04.2009 13:48 Print

Surfen mit dem Fernseher

von Henning Steier - Wer das nötige Kleingeld hat, braucht daheim bald keinen PC mehr, um ins Internet zu gehen. Ob es trotzdem genauso viel Spass macht, hat 20 Minuten Online ausprobiert.

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Ende April bringt Philips den ersten LCD-Fernseher im 21:9-Format auch hierzulande auf den Markt. Das Modell 56PFL9954H kostet rund 6700 Franken. Das Gerät ist vor allem für Heimkino-Fans gemacht, denn im Test zeigt sich, dass er das Kino-Format Cinemascope tadellos zeigt und nicht wie 16:9-Geräte schwarze Balken an den Rändern präsentiert oder Teile des Bildes abschneidet, um es displayfüllend anzeigen zu können.

Trotz Bildverbesserungstechniken wie Perfect Pixel Engine, Perfect Natural Motion und 200-Hz-Technologie macht das analoge Kabelfernsehen mit dem von uns ausprobierten Vorseriengerät wenig Spass. Denn aus einem schlechten Eingangssignal zaubert auch der 21:9 Cinema erwartungsgemäss kein zufriedenstellendes Bild aufs Display. Das Schauen von Blu-ray-Discs macht hingegen richtig Laune. Auch der Sound des Philips-Fernsehers kann sich hören lassen.

Der Cinema 21:9 ist eines der ersten Geräte, die mit Philips Net TV ausgeliefert werden. Vollmundig versprechen die Niederländer, «die weite Welt des Internet direkt auf den Fernsehbildschirm» bringen zu wollen. In der Realität sind zum Schweizer Marktstart erst zwei lokale, für Net TV optimierte Kanäle verfügbar: YouTube und Funspot. Ab Juni sollen 50 weitere Channels folgen. «Hintergrund ist, dass die Seiten im CE-HMTL-Format erstellt werden müssen, um optimal auf Fernsehern angezeigt werden zu können», erläutert Philips-Sprecher Raphael Wermuth. Verhandlungen mit den Betreibern von populären Erotikportalen wie YouPorn führe man aber nicht.

Grosses Kino mit YouTube

Die Seite des weltrössten Clip-Portals YouTube ist gelungen. Wir finden uns schnell zurecht und wählen zunächst ein Video aus, das in guter Qualität hochgeladen wurde. Wir schalten in den Vollbildmodus um und sind positiv überrascht: Der Kurzfilm lässt sich auch aus vier Metern Entfernung noch gut anschauen. Das anschliessend gezeigte Amateurvideo eines Fussballspiels ist schon in der kleinen Version stark verpixelt. Retten kann der Fernseher hier natürlich nicht mehr viel. Aber in der Mini-Version lässt sich das Video durchaus anschauen.

Wer auf anderen Webseiten surfen will, muss dazu den auf dem TV-Gerät bereitgestellten Browser Opera benutzen. Adressen gibt man SMS-ähnlich über die Fernbedienung ein. Es gibt aber auch eine virtuelle Tastatur, deren Buchstaben sich ebenfalls über die Fernbedienung auswählen lassen. Praktisch ist, dass Domainendungen wie .ch als eigene Buttons vorliegen. Im Test brauchte der 21:9 Cinema allerdings oftmals einige Sekunden zu lange, um Seiten wie 20minuten.ch aufzurufen - selbst wenn man Toleranzzeiten für etwaige Serverüberlastungen der jeweiligen Anbieter einkalkuliert. An der Internetverbindung sollte es nicht gelegen haben, denn wir waren über ein Kabel im Netz, obwohl der Fernseher auch WLAN-fähig ist.

Störend ist, dass das TV-Gerät beim Surfen zunächst die mobile Version einer Webseite aufruft, die - wie Sie in der obigen Bildstrecke sehen können - oftmals spartanisch daherkommt. Dies muss man selbst im glücklicherweise sehr übersichtlich gestalteten Menü ändern. Ein Problem, das auch in CE-HTML erstellte Seiten haben: Beim Surfen wird nicht der ganze Bildschirm genutzt, was bei dem von uns getesteten 56-Zoll-Display aber zu verschmerzen ist.

Fazit

Selbst leistungsfähige Computer brauchen immer noch viel zu lange, um zu starten. Da könnte es verlockend sein, einfach schnell mit dem Fernseher ins Web zu gehen. Und zum klassischen Surfen eignet sich Net TV allemal, wenn die Geschwindigkeitsprobleme gelöst werden. Eine E-Mail zu schreiben ist aber nur etwas für geübte SMS-Tipper. Wünschenswert wäre es hier, dass Hersteller wie Philips eine Tastatur mitliefern oder ein virtuelles Keyboard vom Fernseher auf den Tisch projizieren lassen.