Frauen im Spiel

23. Juli 2017 20:55; Akt: 23.07.2017 20:55 Print

«Das Thema wird immer noch hitzig diskutiert»

von J. Graber - Das Buch «Gender und Gaming» beleuchtet die Rolle der Frau in der Gamewelt. Die Autorin erklärt, wieso die Zeit der Männerspiele vorbei ist.

Bildstrecke im Grossformat »
Stereotyper Sexismus oder Kunst? Im Actiongame «Bayonetta» tritt zwar eine nahezu unbezwingbare Femme fatale den Gegner kräftig in den Hintern. An erotischen Reizen haben die Entwickler trotzdem nicht gespart. Als eine der ersten starken Heldinnen trat Lara Croft im Adventuregame «Tomb Raider» in Erscheinung. Während Lara früher noch mit Wespentaille und übergrossen Brüsten in Szene gesetzt wurde, ... ... veränderte sich das Bild zunehmend: Sie entwickelte sich zur starken, selbstbewussten und optisch normaleren Frau. Obwohl wir in modernen Zeiten leben, stehen leichtbekleidete Damen in Spielen wie «Resident Evil 5» immer noch hoch im Kurs. Allerdings ändert sich die Wahrnehmung. Starke Heldinnen wie Faith in «Mirror's Edge» und ... ... Aloy aus «Horizon Zero Dawn» übernehmen in Games vermehrt die Hauptrolle. In keinem anderem Game lagen Stärke und Verletzlichkeit der weiblichen Spielfigur so nahe beieinander wie in «Beyond Two Souls». Augenöffner: Als 1998 das Game «Barbie Fashion Designer» erschien und sich als überraschend erfolgreich erwies, erkannte die Industrie erstmals das Marktpotenzial einer weiblichen Kundschaft. Zu einer Veränderung des Frauenbilds führte auch mediale Aufmerksamkeit durch die #Gamergate-Kontroverse 2014, in deren Zug Ubisoft zum Beispiel dafür kritisiert wurde, in «Assassin's Creed» nur männliche Hauptfiguren zu verwenden. Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen am liebsten Match-3-Games wie «Candy Crush» spielen, ... ... gefolgt von Farming- und Family-Simulationen wie «Miramagia» und ... ... «Die Sims». Von Frauen ebenfalls gerne gespielt: atmosphärische Erkundungsspiele. Im Bild: das Indie-GAme «Firewatch». Schleche Karten haben hingegen taktische Shooter wie «Rainbow Six Siege» und ... ... Sportspiele.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Einst waren sie Standard, doch ihre Tage sind gezählt: Games, die von männlichen Entwicklern für ihresgleichen geschrieben werden. Doch sie haben Spuren hinterlassen, wie Sabine Hahn, Expertin für digitale Kultur, in ihrer kürzlich veröffentlichten Studie «Gender und Gaming» aufzeigt. So würden stereotype Frauenbilder auch heute noch gepflegt – bisweilen sogar von Entwicklerinnen. Hahn zeigt aber auch, wie mit einem «Virtuous Circle» mehr Frauen in die Industrie gebracht werden könnten und wie Ereignisse, wie zum Beispiel die #GamerGate-Kontroverse, zu Veränderung des Frauenbildes in Games geführt haben.

Umfrage
Wünschen Sie sich stärkere und realistischere Frauenfiguren in Games?
18 %
19 %
63 %
Insgesamt 468 Teilnehmer

20 Minuten: Welches waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse während der Studie?
Sabine Hahn: Am meisten frappierte mich, wie hitzig die Rolle der Frau in Games immer noch diskutiert wird. In den letzten zehn Jahren hat sich jedoch viel getan, heute sind fast die Hälfte der Game-Studierenden Frauen. Auch gibt es immer mehr Games mit starken weiblichen Lead-Charakteren, und die Darstellung der Frauen wird weniger stereotyp.

Wie kam es überhaupt zur Trennung von Frauen und Männern im Game-Universum?
Frauen wurden nicht bewusst ausgeschlossen. Doch die Konsolen waren früher oft nur den Jungs in der Familie vorbehalten, Mädchen interessierten sich nicht dafür. So entstanden in der Folge Spiele, die vor allem Männer ansprechen. Erst 1998 begann sich das Bewusstsein zu verändern.

Was geschah?
Das Spiel «Barbie Fashion Designer» erschien und war erfolgreich. Es öffnete der Industrie die Augen: Es bestand ein Gamemarkt für Frauen.

Das allein reichte aber nicht.
Wichtig war auch die Einführung von Smartphones mit den Casual Games, die Frauen mehr ansprachen als Männer. Entwickler stellten sich die Frage, was die weibliche Zielgruppe will. Ebenfalls eine Rolle spielte die #GamerGate-Kontroverse, die das Thema in die Köpfe des Publikums brachte. Plötzlich mussten sich Publisher medial rechtfertigen, wieso so wenig Frauen in Hauptrollen zu finden waren und welche Frauenbilder gepflegt wurden.

Sie erwähnen in der Studie, dass selbst Entwicklerinnen das stereotype Bild pflegen.
Tatsächlich hatte ich mit einer Designerin gesprochen, die die Darstellung grosser Brüste mag. Viele Interviewpartner haben das Bild zudem mit dem fiktiven Inhalt von Games verteidigt, was für mich aber nach Selbstschutz klang. Auf Druck der Öffentlichkeit verändert sich seit einigen Jahren aber die Rolle der Frau sowohl erzählerisch wie auch qualitativ.

Doch es scheint einen Mangel an Frauen in der Industrie zu geben.
Die Industrie sucht händeringend nach Frauen. Viele geraten aber nur per Zufall hinein. Kampagnen könnten helfen. Nützlich sind Teamfotos mit Frauen auf der Website, was andere Frauen anspricht. Zudem sollte es möglich werden, Familie und Karriere zu verbinden. Die Crunch Time [Endphase der Gameentwicklung mit hohen zeitlichen Anforderungen, Anm.d.Red.] erlaubt zum Beispiel keine Teilzeitarbeit.

Welchen Einfluss hat das Verständnis für Technik?
Im Gegensatz zu älteren Menschen ist ein gewisses Technikverständnis für jüngere Generationen völlig normal.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?
Das Thema wird aktuell bleiben. Ich wünsche mir aber einen Perspektivenwechsel innerhalb der Unternehmen hin zu mehr Diversität mit Jungen, Alten, Ausländern, Männern und Frauen.

Ist die Zeit der Boy’s Toys abgelaufen?
Heute werden auch Mädchen mit Games gross. Die Zeit der Boy’s Toys ist definitiv vorbei.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Imlerith am 23.07.2017 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Gähn

    Haltet doch eure bescheurte Gender Politik aus meinen Videogames. Ich habe bis jetzt noch keine einzige Gruppe getroffen die integrativer war als Gamer.

    einklappen einklappen
  • Tacheles am 24.07.2017 02:24 Report Diesen Beitrag melden

    Feministen-Blödsinn

    Und seltsamerweise gamen immer noch hauptsächlich Männer. Doch für die deutlich weniger Frauen wird alles angepasst. Ich bin einer der realistische Rüstungen in Fantasie-Spielen bevorzugt, nicht Metall-Bikinis, finde aber trotzdem, das eine Minderheit nicht einer Mehrheit die Spiele und deren Inhalt diktieren sollte. Bei muskelbekapten oben-ohne Männern regt sich natürlich keiner auf. Als ob wir den Rest des Lebens im Fitnessstudio verbringen wollen, um so auszusehen.

    einklappen einklappen
  • Gamer am 23.07.2017 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hibana, IQ, Caveira ...

    In Rainbow Six Siege gäbe es kaum Frauen? Jeder vierte Operator dort ist weiblich! Mehr als in jedem anderen Shooter. Ausserdem zählen einige dort zu den Besten, aus denen man wählen kann ;)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spartaner am 24.07.2017 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Es gibt keine Community die toleranter ist als die Gamerszene.

  • Markus am 24.07.2017 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Same old Story

    Wichtig ist nur, dass Männer gegenüber Frauen ein schlechtes Gewissen haben. Auch so ein Stereotyp, das abgeschafft gehört...

  • EMM am 24.07.2017 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zitat

    ((Das Thema wird aktuell bleiben. Ich wünsche mir aber einen Perspektivenwechsel innerhalb der Unternehmen hin zu mehr Diversität mit Jungen, Alten, Ausländern, Männern und Frauen)) Hmmm, mehr Diversität heisst, den Versuch mehr Zielgruppen anzusprechen, und wäre mit mehr aufwand verbunden. Letztendlich, kommt es darauf an was sich Etabliert hat, denn was nützt den Versuch einer Diversität, wenn der Gewinn dann mager ausfällt? Am ende Etabliert sich ein Modell, die dem Industrie auch nützt. Die Industrie muss den Angebot und Nachfrage beachten, ansonsten bekommen sie, Wirtschaftliche Probleme.

  • Steff am 24.07.2017 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Problem

    Macht es doch wie überall: Quoten und Bevorzugung von Frauen -> Problem gelöst.

  • fabmncci am 24.07.2017 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gamerin

    Naja...ich bin eine Frau, und liebe Spiele wie Skyrim, Witcher, Mass Effect oder Dragon Age. Und entspreche nicht den Stereotyp "Gamer-Frau". Ich geh feiern, liebe Sport und Reisen. Aber ich wünschte mir man könnte öfters eine Frau spielen. In Spielen von Bioware geht das aber vermissen tue ich es auch beim oben genannten Assassins Creed. Auch wenn ich den Wirbel drum herum etwas übertrieben finde

    • Liquid Snake am 24.07.2017 21:31 Report Diesen Beitrag melden

      Fakten und keine Fantasie

      also gerade bei Assassins Creed kann ich das ganze wir müssen auch Frauen drin haben überhaupt nicht verstehen das waren sagen wir mal halbe Fakten auch die Ganzen Historischen Figuren drin von dem her nur keine Frauen den die Geschichte war eben so! aber in den Heutigen Shootern können die von mir aus Frauen reinpacken wo sie wollen und noch kurz zu Lara damals war alles verpixelt also entweder flache Brust gleich Mann oder halt übertrieben DOA ;) war auch einfacher zu Programmieren nur so am Rande übrigens cooler Game Geschmack Witcher Dragon Age Klassikerrrrrrrrr ;) Mass Effekt 1-3^^

    • fabmncci am 24.07.2017 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Liquid Snake

      haha danke(: ich will auch nicht sagen dass da Frauen rein müssen aber es mal ne Abwechslung währe. Gerade wenn das Spiel in Epochen oder Völker spielt wo es starke Frauen gegeben hat(; Letztlich finde ich eine gute Story aber wichtiger als dass man eine Frau spielen kann

    einklappen einklappen
Sudoku
Kreuzwortraetsel
Bubble Shooter