E-Sport-WM

06. November 2017 16:35; Akt: 06.11.2017 16:35 Print

«Die körperliche Belastung im E-Sport ist enorm»

von J. Graber - Die Schweizer E-Sport-Nati reist an die WM in Busan. Spielen allein genügt nicht, um sich vorzubereiten. Ein Blick hinter die Kulissen.

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Alekasandar «eleKz» Trajok nestelt am Kabel seines Kopfhörers, prüft die Verbindung seiner Maus, über den Bildschirm flimmern PC-Einstellungen. Derweil besprechen Gion «Merca» Janett und Meriton «Mali» Ibrahimi das kommende Spiel. Und der Team-Captain Manuel «SolEk» Zeindler ist für die letzte Rauchpause vor dem Turnierbeginn kurz ausgetreten. Zusammen mit Michael «carlsoN» Journot bilden sie das E-Sport-Team Berzerk, das als Teil der Schweizer Nati an die E-Sport-Weltmeisterschaft in Busan, Südkorea, reisen wird. Ab dem 8. November messen sich die Schweizer in vier Disziplinen, das Team Berzerk vertritt die Schweiz in der Disziplin «Counter Strike: Global Offensive».

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Ende Oktober war das Team an der Zurich Game Show präsent, um zu trainieren. Eine Woche zuvor war es in Bern an der SwissToy Digital. Teamcaptain Zeindler nennt es Boot Camp, wenn sich das Team trifft. Dies ist jedoch nur selten der Fall. «Grösstenteils trainieren wir online», sagt er. Jeder sitzt bei sich zu Hause, kommuniziert wird online über Teamspeak.

Vorteile erspielen

Zeindlers Schweizer Team existiert vorerst nur für die WM in Busan. Ähnlich wie Fussball-Nationalmannschaften sind alle E-Sportler daneben in eigenen Clubs oder Ligen-ähnlichen Teams zu Hause. So auch Zeindler, der zwei Teams – ein deutsches und ein schweizerisches – besitzt und führt. Umso wichtiger sei es, dass in der temporären Nati die Chemie stimmt, sagt der Captain: «Einfach nur die besten Spieler zusammenzutrommeln, reicht nicht.» Das Zusammenspiel muss auf einer intuitiven Ebene funktionieren.

Jetzt, kurz vor der WM, trainiert Berzerk fünf Abende pro Woche, je vier Stunden. Dazu suchen sie sich online möglichst starke Gegner aus. «Wir werden nur besser, wenn wir gegen Stärkere spielen», sagt Zeindler. Die Trainingsmatches werden über Facebook und andere soziale Plattformen organisiert. Geübt werden Taktiken und Strategien: Wer nimmt welche Position ein? Welche Vorteile lassen sich herausspielen? Wo zum Beispiel wirkt eine Rauchgranate am besten, so dass der Gegner einen nicht sieht, aber als Silhouette erkennbar ist? Distanzen auf dem Spielfeld werden exakt ausgemessen. «Wir üben das Zusammenspiel, denn wir müssen wie ein Uhrwerk ineinandergreifen», sagt Zeindler. Die Karten, auf denen die «Counter Strike»-Matches stattfinden, müssen die einzelnen Mitglieder aber bereits vorher bis in den hintersten Winkel im Kopf haben.

Physische Belastungen

Nicht nur das Üben am Bildschirm ist wichtig, auch physisches Training und die richtige Ernährung entscheiden über die Fitness am Turniertag. «Die körperliche Anstrengung an einem Turnier ist enorm», sagt Zeindler, der seit 13 Jahren professionell «Counter Strike» spielt. Während grosse E-Sport-Organisationen eigens Ernährungsberater, Fitnesstrainer und Spiel-Analysten einstellen sowie eigene Villen mit kompletter Übungsinfrastruktur und Übernachtungsmöglichkeit besitzen, spielt der E-Sport in der Schweiz dazu eine noch zu kleine Rolle. Hier organisieren sich die Teams selbst.

Doch die Berzerker sind stolz, die Schweiz an der WM vertreten zu dürfen. «Uns international mit den Besten der Welt messen zu dürfen – das ist für mich E-Sport!», sagt Zeindler. Die WM in der südkoreanischen Stadt Busan findet vom 8. bis 12. November statt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tobi w am 06.11.2017 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute sache

    sollte in der Schweiz umbedingt mehr gefördert werden!

  • Ayuna am 06.11.2017 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so einfach

    Der E-Sport ist leider immer noch von vielen verpöhnt und sind eher abgeneigt. Dabei steckt sehr viel mehr als nur stupide pixel Figürchen bewegen dahinter. Profis spielen bis 8Stunden am Tag oder mehr, müssen gute Teamarbeit leisten, kommunizieren, machen wichtige Ansagen und sich immer 100%-ig konnenztrieren. Ist halt echt nicht so einfach wie dich das immer alle vorstellen. Dann noch vor einem Publikum spielen die hohe erwartungen ans Team haben.

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  • Friedlidaenu am 06.11.2017 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstversuch

    Wer hier behauptet gamen sei kein Sport, sollte sich mal selber ransetzen und nicht schon nach 5 Minuten aufgeben weils zu anstrengend ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Walt1 am 07.11.2017 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Andersrum

    Was viele nicht sehen ist das Training. Am Ende sieht man nur paar Spieler, die anscheinend was "Spassiges" machen. Dabei geht unter, dass man Augen-Hand-Koordination, Reaktion trainieren, so wie Taktiken und Strategien planen muss, um einen Chance zu haben. Es ist nicht einfach so, dass man kurz in ein Spiel geht und einfach drauf losläuft, wie man so oft in "Spieler gegen Spieler" (PvP) sieht/macht. Da man sich dabei aber kaum bewegt, wird es oft nicht als Sport angesehen. Da müsste Joggen/Fussball auch kein Sport sein, wenn es jemand aus Spass macht. Ist in etwa die gleiche Gegenreaktion.

  • Old School Gamer am 07.11.2017 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    einer der Hauptgründe

    wieso ich niemals eSport betreiben würde (abgesehen vom fehlenden Können) wäre der Verlust meines Lieblingshobbies.

    • Alter Gamer Ü35 ;) am 07.11.2017 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Old School Gamer

      Genau. Gamen um zu geniessen und sich nach der Arbeit zu entspannen.

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  • Turis am 07.11.2017 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Zufällig im eParadise (ZH)

    Konnte diesen Samstag Manuel Zeindler persönlich kennenlernen und nun ist er in der Presse. Viel Erfolg und viel Glück dem Team!

  • ohne worte am 07.11.2017 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Was nur los mit euch

    @martial2 Hast du irgendwie schlecht geschlafen oder wieso hast du so ein der massen gewaltiger Hass gegenüber diesem Thema? Du erzählst hier Sachen die einfach nicht stimmen. Und ausser dem wieso willst du denn unbedingt das es nicht als Sport gilt? Hast du angst etwas zu verlieren dadurch oder fühlst du dich schlechter weil die Leute erfolg mit etwas haben was du nicht verstehst? Wie kann man nur so viel Hass empfinden und das wegen so etwas. Also ich verstehe so was irgendwie nicht. Ich z.B. mag Fussball nicht, finde es einfach uninteressant. Deswegen spame ich jetzt auch nicht jedes Forum.

    • Martial2 am 07.11.2017 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ohne worte

      Es ist überhaupt kein Hass, sondern nur eine Feststellung und meine Ansicht. In diesen Forums darf so viel ich weiss, jeder sich äussern... Oder werden solche Kritiken nicht mehr akzeptiert? Was für eine traurige Welt...!

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  • Roman Rebitz am 07.11.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Langeweile

    Finde auch das dieser Sport etwas mehr Aufmerksamkeit verdient aber leider ist das Zuschauen bei den populärsten Games sehr öde, da schläft mir leider das Gesicht ein.

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