Game Review

23. Juni 2017 23:45; Akt: 23.06.2017 18:56 Print

MotoGP 17 – Rennsimulation für Profis

SPORT. «MotoGP17» ist kein Rennspiel-Spass für Anfänger. Doch wer sich mit Motorradsport richtig auseinandersetzen will, kommt hier auf seine Kosten.

Game-Reviews
MotoGP 17 – solide Rennsimulation für Zweirad-Profis
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SPORT. «MotoGP17» ist kein Rennspiel-Spass für Anfänger. Doch wer sich mit Motorradsport richtig auseinandersetzen will, kommt auf seine Kosten.

Überall nur Open World oder Koop – nach der diesjährigen E3 hätte man meinen können, die gute alte Rennsimulation liege am Boden. Doch nicht nur, weil mit «Project Cars 2» und «Forza Motorsport 7» dann doch noch Genre-Highlights vorgestellt wurden, sind Rennspiele alles andere als tot. Auch «MotoGP 17» lässt ein kräftiges Lebenszeichen aus dem Auspuff.
Eines vorweg: Mit Aracde-Spass wie beispielsweise «Moto Racer» hat dieses Game wenig am Hut. «MotoGP 17» ist eine waschechte Rennsimulation, die sich an Töff-Fans richtet. PC- und Konsolenspieler können hier die aktuelle MotoGP-Saison austragen. Dabei wird viel Wert auf Authentizität gelegt: Alle offiziellen Fahrer, Motorräder und Strecken wurden lizenziert, peinliche Fantasienamen sucht man vergeblich.
Ansonsten ist beim Milestone-Klassiker vieles beim Alten geblieben. Eine Neuerung gibt es allerdings: Wer den Karrieremodus als Fahrer abgeschlossen hat, darf sich erstmals auch als Manager eines eigenen Rennstalls versuchen. Oder sich auf der PS4 für das eSport-Championship-Finale in Valencia qualifizieren.
Technisch haben die Entwickler aufgerüstet: Die Rennen laufen nun mit flotten 60 Bildern pro Sekunde ab. Geblieben ist dafür die eher altbackene Grafik. Tatsächlich ist MotoGP 17 visuell nicht gerade Schwergewichtsklasse, doch die vielen Lizenzen und auch der enorme Umfang machen bei diesem Game den Reiz aus. Zudem bietet «MotoGP 17» eine ausgezeichnete Soundkulisse, ein tolles Spielgefühl und Lizenzen en masse.
Fans der Serie können getrost zugreifen – es müssen ja bei Rennsimulationen nicht immer vier Räder sein. (alu)

«MotoGp17», Milestone, für PS4 und PC, erschienen
Wertung: ★★★☆☆
«Arms» – beim Prügelspass immer eine Armlänge voraus
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BEAT EM UP. «Mario Kart 8 Deluxe», «Splatoon 2»: Nintendo geht in Sachen Multiplayer voll in die Switch-Offensive. Auch «Arms» fügt sich in dieses Raster ein. Der Prügelspass entpuppt sich als flottes 3D-Beat em Up, wie es nur aus dem Hause Nintendo kommen kann. Das fängt beim typisch bunten Grafikstil an und hört beim ungewöhnlichen Spielprinzip auf. In «Arms» spielen zwei bis vier Teilnehmer entweder zusammen oder gegeneinander. In unterschiedlichen Arenen gibt man sich ordentlich auf die Mütze. Der Unterschied zu anderen Kampfspielen: Die Helden in diesem Game können ihre Arme ausfahren – und sich so aus allen Enden und Ecken prügeln. Eine wirklich innovatives und sehr unterhaltsames Spielprinzip, das sich auch nach mehreren Durchgängen nicht abnützt. Dank zehn Kämpfern und ebenso vielen Maps ist für Abwechslung gesorgt, lediglich der Umfang ist etwas mager. Doch dass man das Gefühl hat, noch mehr Arme zu wollen, ist ein gutes Zeichen. (rtl)
«Arms» für Nintendo Switch, erschienen
Wertung: ★★★★☆
«Dirt 4» – anspruchsvoller Spass im Schlamm
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ACTION / SPORT. Die «Dirt»-Reihe von Codemasters gehört zu den beliebtesten Rennspielen überhaupt. Dabei hat die Franchise eine spannende Entwicklung hinter sich. Aus der legendären Colin McRae Rally-Serie lernte man, dass Realismus nicht immer Spass bedeutet. Deshalb ist «Dirt» simpler und unterhaltsamer, für den einen oder anderen gar sogar ein wenig zu zugänglich. Der vierte Teil soll deshalb das Beste aus beiden Welten vereinen: Den Anspruch und den Realismus der McRae-Reihe – sowie die Action für Arcade-Fans. Ist es gelungen? Überwiegend ja. Wer Profi spielen will, schaltet den Sim-Modus ein; wer Spass im Schlamm will, wählt den Gamer-Mode. Die perfekte Steuerung gehört dabei zum Besten, was im Rennsport-Segment erhältlich ist. Dazu besticht das Game mit toller Grafik und einem flüssigen Gameplay. Obwohl sich die eine oder andere technische Schwäche eingeschlichen hat und der Karriere-Modus etwas mager ist, gilt für «Dirt 4»: Vier gewinnt!. rtl
«Dirt 4»für PC, PS4, Codemasters, erschienen
Wertung: ★★★★☆
Gamer-Gottesdienst E3 – eine Branche lässt die Muskeln spielen
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MESSE. An der E3 in Los Angeles zeigt die Game-Branche, was sie zu bieten hat. Gemessen an der diesjährigen Ausgabe darf man sich auf spannende Zeiten einstellen .

Für Gamer ist die E3 wie Weihnachten und Ostern zusammen. Und auch wenn man sich die 12 Stunden Flug rund um den Globus spart, wird man in Real-Time informiert, was die Schwergewichte in L.A. an Neuigkeiten auffahren. Dabei ist es wie bei den meisten Messen: Überraschung sind nur selten auszumachen. Die E3 ist mehr eine Standortbestimmung – ein Show Off, was die Branche zu bieten hat und wie es um sie steht.
Nimmt man die diesjährige Ausgabe als Gradmesser, lässt sich sagen: Die Game-Industrie hat den Kampf um Aufmerksamkeit in einer Welt der Dauerberieselung angenommen. Mehr noch, sie lässt die Muskeln spielen. Nachdem EA neben den üblichen Sport-Updates (Fifa, NBA, NFL) mit Biowares «Anthem» und der Koop «A Way Out» Innovatives präsentierte, setzte Microsoft gleich zu Beginn noch einen drauf: Mit der Xbox One X wurde eine neue Konsole vorgestellt – in einer Zeit, in der das Medium von vielen abgeschrieben wird.
Exklusiv-Highlights fehlten jedoch. Diese Scharte wetzten Bethesda aus. «The Evil Within 2» und «Wolfenstein 2: The New Colossus» sind von jener Sorte Spiele, die Fans das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Mit «Assassins Creed: Origins», «Far Cry 5» sowie einem neuen «South Park» präsentiert zudem auch Ubisoft ein imposantes Line-Up.
Ein wahres Feuerwerk zündete gar Sony. Knaller wie das sensationelle «God of War», liebevolle Remakes wie «Shadow of the Colossus» (für PS4), DLCs für «Horizon: Zero Dawn» und «Uncharted 4» sowie filmreife Blockbuster wie «Spider-Man» verfehlten ihre Wirkung nicht. Für eine Überraschung sorgte zudem Nintendo mit der Ankündigung von «Metroid Prime 4», das wie ein neues Pokémon-RPG in der Entwicklung steckt.
Fazit: Die Game-Industrie ist allen Unkenrufen weder verzweifelt noch tot. Nur das VR-Segment riecht derzeit etwas komisch (rtl)

«Tekken 7» – Prügel-Klassiker zeigt der Konkurrenz, wo der Hammer hängt
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BEAT EM UP. Nach dem Triumph in der Arcade-Version entpuppt sich der Prügel-Klassiker «Tekken 7» nun auch auf Konsolen und als PC-Game als Volltreffer. .

Es gibt Prügelspiele – und es gibt «Tekken». Der Klassiker mag nicht das erste Spiel in seinem Genre gewesen sein. Doch «Tekken» ist die erfolgreichste und legendärste Beat Em-Up-Serie der Welt. 30 Millionen Spiele wurden verkauft; es gibt Serien, Fanclubs, Turniere, einen Kinofilm und vor allem: Legionen von Fans, die sich mit dem «Iron Fist Tournament» seit über 20 Jahren verbunden fühlen.
Eine Portion Nostalgie spielt also mit, wenn man die euphorischen Reaktionen auf «Tekken 7» untersucht. Doch nicht nur. Schon in der Arcade-Version wurde das Game triumphal aufgenommen. Die neuen Charaktere, das gelungene grafische Update, die perfekte Steuerung und das flüssige Spielsystem machen «Tekken 7» zu einem Highlight. Kein Wunder steht das Spiel auf Steam bei über 90 Prozent positiven Bewertungen.
Die Transformation für PC ist denn auch besonders gelungen. Doch auch in der Konsolen-Version zeigt das Game der Konkurrenz, wo der Prügel-Hammer hängt. Es mag grafisch bessere Prügelspiele geben – doch das Arcade-Flair macht den Reiz von «Tekken» aus.
Nicht zu vergessen: Die Updates der 28 Kämpfer. Yoshimitsu kommt als Alien mit Tentakeln daher, Heihachi oder Katsuna sind dagegen angenehm nah am Original. Dazu gesellen sich acht neue Figuren wie die sexy Einsteiger-Hilfe Katarina Alves, Minirock-Fighterin Josie oder Akuma aus «Street Fighter». Und dank Rage-Techniken und neuem Power Crush können auch Profis noch etwas lernen.
Ach ja, einen Story-Modus gibts auch, doch der ist so gaga wie eh und je. Bei «Tekken» gehts ums Versus – mano a mano, ob mit dem Kumpel auf der Couch oder online. Das ist «Tekken», und das ist auch mit Teil sieben immer noch am besten so. (rtl)

«Tekken 7», Bandai Namco, für PC, Xbox und PS4, erschienen
Wertung: ★★★★★
«Friday the 13th» – eine Horror-Ikone sorgt für Spannung
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HORROR. Maske, Machete, miese Laune: Jason Voorhees aus «Friday, the 13th» möchte man nicht in einer dunklen Gasse antreffen. Der Horror-Klassiker von 1980 ist einer der bekanntesten Slasher-Filme überhaupt. Pläne für eine Game-Adaption stiessen auf Kickstarter deshalb auf offene Ohren. Zwar gab es schon Lizenzspiele, doch nicht nur das 1989 für Nintendo realisierte «Friday the 13th» enttäuschte. Ein Flop ist «Friday the 13th: The Game» zum Glück nicht geworden. Das extrem blutige Spiel ist mit achtmonatiger Verspätung nun für PC, PS 4 und Xbox One erschienen – und konnte bislang vorwiegend positive Reaktionen verbuchen. Es handelt sich dabei um ein asymmetrisches Multiplayer-Spiel: Sieben Spieler schlüpfen in die Rolle unschuldiger Studenten. Man verbringt Ferien am Crystal Lake, während Jason mit Maske, Machete oder Beil Jagd auf einen macht. Wer dem Killer entkommt, gewinnt. Doch das ist brutal schwierig – im Spiel wie im Film. rtl
«Friday the 13th: The Game»für PC, PS4, Xbox One, Gun Media, erschienen
Wertung: ★★★★☆
«The Surge»: Schlagkräftig und planlos durch die Endzeit
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«The Surge» wäre ein richtig guter Kracher, wenn er Spielern mehr Orientierung und weniger Repetition böte.

Eigentlich fängt alles so gut an: Der gelähmte Warren schreibt sich für ein Programm einer visionären Firma ein, die sich für eine bessere Welt einsetzt. Das Versprechen: mithilfe eines Exoskeletts wieder gehen können.

Natürlich geht die Sache schief, Warren wacht mit einem defekten Exoskelett auf dem Schrottplatz für nutzlose Tech-Geräte auf. Zwar kann er nun gehen, findet sich aber in einer höllisch unfreundlichen Welt wieder. So beginnt das witzige Action-Rollenspiel «The Surge», das Spieler in eine postapokalyptische Welt versetzt, die bisweilen an den Action-Klassiker «Half Life» erinnert. Ausgerüstet mit einer Art Überhammer, der den Feinden nicht nur tiefe Dellen und fette Beulen verpasst, sondern sie auch ihrer Glieder beraubt, schlägt sich Warren durch die düstere Welt. Dass er seine Gegner um Bein und Kopf bringt, macht Sinn, weil er mit den so gewonnenen Technologieteilen sein Exo skelett aufrüsten kann. Daneben sammelt er Implantate und Tech-Schrott, den es zur Aufrüstung braucht.

«The Surge» bietet gut balancierte Action, und die direkte Konfrontation macht am meisten Spass, wenn die Angriffe im richtigen Moment platziert werden. Das grafisch gelungene Game bietet Spielern hingegen zu wenig Orientierung: So findet man sich oft an denselben Stellen wieder und beginnt nach dem Ableben den Weg erneut von vorne. Dass dieselben Gegner dann wieder verdroschen werden müssen, lähmt irgendwann den Spielfluss. (Jan Graber, 18. Mai 2017)

«The Surge» für PS4, Xbox One, PC; Deck13, Focus Home Interactive. Wertung:★★★★☆
Ein Architektur-Professor entwirft ein steiles Game
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Was kommt dabei heraus, wenn ein Professor ein Spiel entwickelt? Im Fall des Indie-Games «Blockhood» eine erstklassige Städtebau-Simulation.

Entwickelt vom chilenischen Architektur-Professor José Sanchez, versetzt «Blockhood» die Spieler in die Rolle von Städteplanern. Da die horizontale Fläche beschränkt ist, muss der Spieler in die Höhe bauen. Blockweise werden Wohneinheiten, Energie- und Wasserressourcen erstellt und Produktionsketten eingerichtet, deren Erzeugnisse die Bedürfnisse der Bewohner befriedigen.

Wer allerdings nur ans Wachstum denkt, sieht das schöne Werk bald zerstört: Natur und Umwelt müssen ebenfalls ihren Platz haben, sonst geht die Welt zugrunde. Die minimalistische Gestaltung von «Blockhood» verleiht dem Game einen eigenen Charme, und die Städtebau-Simulation fesselt, weil der Bau in die Vertikale spannende Möglichkeiten bietet, das Zusammenwirken von Mensch und Natur auf witzige Weise zu planen. (jag, 18. Mai 2017)

«Blockhood» für PC, Mac, Linux; Plethora Project LLC, Steam. Wertung:★★★★★
Science Fiction-Knaller «Prey» – die, die überleben wollen
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SHOOTER / RPG. «Prey» bietet Spannung, Action, Anspruch und ein nur allzu bekanntes Setting. Spass macht der Überlebenskampf im All trotzdem.

Die Begegnung mit ausseridischen Lebensformen ist eine verlässliche Quelle für gute Popkultur. Soeben hat Jake Gyllenhaal in «Life» unschöne Bekanntschaft mit einem cleveren Krakenwesen gemacht, und bald ist mit H. R. Gigers Xenomorph in «Alien Covenant» sogar die Urmutter aller fiesen E.T.s wieder auf der Leinwand zu bestaunen.
Die Game-Indsutrie will da nicht hinten anstehen und hat mit «Prey» ein sehr gelungenes Weltraum-Abenteuer ins Rennen geschickt. Dass es dabei wenig zimperlich zu und hergeht, versteht sich von selbst. Im Mix aus Shooter, Rollenspiel und Adventuregame wird geballert, geschlichen, gehackt. Und – immer wieder gestorben. Denn «Prey» bietet Überlebenskampf pur. Wer nicht höllisch aufpasst, hat in diesem Knaller keine Chance.
Die Story: «Prey» spielt in einer alternativen Zukunft. Amerikaner und Russen arbeiten friedlich zusammen, unter anderem an der Erforschung ausserirdischer Rassen auf der Raumstation Talos 1. Geleitet wird die Station von Alex und Morgan Yu. Der Einstieg ist dabei ein echtes Highlight – und schon befindet man sich Mitten im Kampf gegen die Aliens.
Eine reine Ballerei ist «Prey» dennoch nicht. Die ständige Bedrohung gönnt einem zwar kaum Atempausen. Dennoch muss man auch taktisch vorgehen. Viele Hintergründe erfährt man erst durch E-Mails oder Memos. Nicht nur in solchen Szenen erinnert das Spiel stark an Hits wie «Bioshock» oder «Deus Ex», woraus die Entwickler auch keinen Hehl machen. Denn das Spiel besitzt als anspruchsvoller Schocker durchaus Eigenständigkeit. Dennoch ist «Prey» auch als Hommage an die grossen Vorbilder gedacht – genau wie viele der aktuellen Alien-Ripoffs im Kino. (rtl)

«Prey», Arkane Studios, für PC, PS4 und Xbox One, jetzt erhältlich
Wertung: ★★★★☆
«Guardians of the Galaxy» – nicht so cool wie im Kino
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ACTION. Im Kino räumen Star-Lord, Draxx und Rocket derzeit richtig ab. Ein Videogame darf da nicht fehlen. Doch das grosse Feuerwerk zündet die Telltale-Version von «Guradians of the Galaxy» leider nicht. Der Entwickler orientiert sich am ersten Kinofilm, erzählt aber eine eigene Geschichte. Die Guardians nehmen es gleich zu Beginn mit Oberschurke Thanos auf. Dabei fällt Star-Lord ein kostbares Artefakt in die Hände, das Tote zum Leben erwecken kann. Das ruft eine ganze Reihe von Gegenspielern auf den Plan. «Guardians of the Galaxy» trifft den ironischen Ton der Filmvorlage recht gut; es gibt witzige Dialoge und coolen 70er-Jahre-Softrock von ELO, Cat Stevens, Cheap Trick und Konsorten. Doch das Abenteuer an sich ist blosse Stangenware: Actionszenen laufen immer genau gleich ab, überraschend ist hier – im Gegensatz zum Kinofilm – gar nichts. Dazu kommen technische Schwächen, die auf diesem Niveau nicht vorkommen sollten. Mit einem Kinoticket für «Volume 2» ist man besser bedient. rtl
«Guardians of the Galaxy»für PC, PS4, Xbox One, iOS, Android, Telltale, erschienen.
Wertung: ★★☆☆☆

(rtl)

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