Abgeschossen

21. März 2017 20:24; Akt: 21.03.2017 20:24 Print

«Ghost Recon: Wildlands» – politisch oder nur naiv?

von Jan Graber - Ist «Ghost Recon: Wildlands» ein gutes Game? Technisch perfekt, inhaltlich aber ein unsäglich unreflektierter Quark, schreibt unser Game-Redaktor.

In «Ghost Recon: Wildlands» ziehen vier Elitesoldaten in den Kriegen gegen ein bolivianisches Drogenkartell. (Ubisoft)
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Um Gamern den soeben erschienenen Taktik-Shooter «Ghost Recon: Wildland» schmackhaft zu machen, hat der Entwickler und Publisher Ubisoft zur ganz grossen Kelle gegriffen. Nicht nur erscheint mit «Ghost Recon: Wildlands» ein aufwendiges Game, dessen Herstellung einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet haben dürfte. Um die Bedeutung des Spiels zu erhöhen, hat Ubisoft zusätzlich den Dokumentarfilm «Wildlands» mitfinanziert.

Im Film blickt die Kamera hinter die Kulissen von realen Drogenkartellen in Südamerika und erzählt vom gnaden- und letztlich erfolglosen Kampf gegen den Drogenhandel. Im Game ziehen die Spieler als Mitglied eines vierköpfigen Elite-Kampfteams ebenfalls in den Krieg gegen ein Drogenkartell – eines, das sich in einer fiktiven Geschichte Bolivien unter den Nagel gerissen und aus dem Land einen Drogenstaat geschaffen hat.

Was will uns Ubisoft sagen?

«Ghost Recon: Wildlands» ist ein technisch brillant umgesetztes Spiel. Erzählt wird auf filmreife Weise vom Drogenboss El Sueño und seiner Skrupellosigkeit. Das Game ist herausragend designt, selten zuvor konnte ich mich in einer so detailliert gestalteten, atemberaubend schönen Landschaft verlieren. Durch die offene Welt des Spiels zu streifen, berauscht auch wegen der Vielfalt an Möglichkeiten, wie die Missionen und Nebenmissionen erledigt werden können.

Dass Ubisoft die Fiktion des Spiels in Verbindung mit der Realität des Dok-Films bringt, wirft indessen Fragen auf: Was wollen uns die Entwickler damit sagen? Bemerkenswert ist auch, wie viel Recherchearbeit über Land und Leute im Spiel steckt. Waffen, Charaktere, Stimmungen sind so realitätsnah wie möglich abgebildet. Dass Bolivien als möglicher Drogenstaat verwendet wird, hat reale Hintergründe: Es ist das einzige Land, das den Coca-Anbau legalisiert hat, und steht deshalb im Visier der internationalen Drogenbekämpfung.

Zwingender Krieg

Will Ubisoft mit dem Spiel also die harte Haltung konservativer Stimmen gegen Drogen legitimieren? Verfolgen das Unternehmen bewusst eine politische Agenda? «Es handelt sich um ein reines Werk der Fiktion», relativiert zwar Lead Game Designer Dominic Butler und betont den Fun-Aspekt des Spiels. Sich auf den Standpunkt der Kunst zu stellen, wäre ebenfalls legitim: Kunst darf alles und muss alles dürfen können.

Das Problem, das ich mit «Ghost Recon: Wildlands» habe, liegt aber in der Selbstverständlichkeit, mit der angenommen wird, dass der Krieg gegen Drogen zwingend geführt werden muss. Alternativen dazu gibt es keine. Unterstrichen wird dies mit dem Dokumentarfilm, der ebenfalls kein Alternativen – beispielsweise die Legalisierung von Drogen – aufzeigt, sondern lediglich in einer düsteren, aussichtslosen Stimmung endet.

Gedankenloser Spass

Egal, ob hinter dem Game eine politische Agenda oder einfach nur die Naivität der Entwickler steckt: Das technisch hervorragend gemachte Game drückt gerade wegen der Verbindung mit dem Film und dem Wunsch nach Realitätsnähe eine unreflektierte Haltung aus. Fragwürdiger aber ist, dass diese weltanschauliche Position nicht als solche deklariert wird, sondern einfach als gegeben und richtig angenommen wird. Das ist entweder hinterhältig fies oder unentschuldbar gedankenlos.

Trotzdem: In «Ghost Recon: Wildlands» mit den Drogengurgeln aufzuräumen, bereitet heidenmässig viel Spass.


Dokumentarfilm-Trailer «Wildlands»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Albinot am 21.03.2017 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klasse

    Weiss garnicht, was da alle haben? Das Spiel ist toll, vor allem wenn man es mit Freunden spielt. Erinnert stark an Far Cry 3/4. Sehr grosse Open World Map, genug Missionen und genug Spielzeit, Fahrzeugsteuerung naja muss man sich dran gewöhnen und wenn man lieber die Missionen unentdeckt abschliessen will, hat man noch mehr Spass daran strategisch vorangehen zu können. Alles in allem Top Spiel, gut gemacht von Ubisoft. Jedoch schade haben diese auch angefangen mit "Coins" verkaufen für Zusatzfeautures (Waffen, Zubehör etc)

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  • Pack Man am 21.03.2017 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gamer sind cool,games,mhh..

    Ganz ehrlich,die Kommentare der Gamer interressieren mich mehr als das was im Artikel steht.Letztendlich muss ich sowieso mal selber spielen,aber trotzdem danke an alle,ihr macht es mir leichte zu entscheiden ob oder wann ich zuschlage!;)

  • MasterMind am 22.03.2017 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blöde Diskussion

    HALLOOO... Es ist ein Game, ein geiles Game und nichts anderes. Man kann auch aus jedem Schrott eine politische Diskussion anzetteln. Diesen Gamerdaktor würde ich in jeden Fall nur noch Mariocart Games kommentieren lassen. Sicher sollte man Drogen nicht mit Waffen bekämpfen, aber ich weiss nicht, ob es ein lustiges Game wäre, wenn man als Junkie unterwegs ist und das nächstgelegene Fixerstübli suchen müsste.... So jetzt gehe ich wieder Wildlands spielen ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dä Jesus am 22.03.2017 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fazit Gut.

    Dieses Spiel ist im grossen ganzen recht gut gelungen. Es gibt aber dennoch ein zwei Punkte, welche mich stören. Mit der relativ leeren Spielwelt kann man leben, im echten Bolivien siehts wahrscheinlich auch nicht anders aus. Was aber definitiv gepatcht werden muss ist die, zum Teil, richtig strunz dämliche KI. Es kann doch nicht sein, dass man mit dem Hubschrauber 20m vom einem Sicario entfernt landet und dieser absolut rein gar nichts davon mitbekommt. Was ich aber auch öfters gehört habe ist, dass sich viele darüber beschweren, dass die Zivilisten unbeeindruckt sind, wenn 4 bis an die Zähne bewaffnete Soldaten ins Haus marschieren, was ich allerdings gar nicht so unrealistisch finde, wenn man bedenkt, dass es in diesem Szenario üblich ist, dass haufenweise schwer bewaffnete, wesentlich unseriöser wirkende Typen ums Haus schleichen. Dee rest ist eigentlich gut gelungen, die Flugsteuerung könnte noch einen Feinschliff gebrauchen aber sonst bin ich zufrieden. Was aber noch wünschenswert wäre, ist eine Einstellmöglichkeit bei Zieloptiken, wenn man schon Bullet Drop Mechaniken einbaut.

  • El Sueno am 22.03.2017 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Das spiel ist zwar toll ABER

    Technisch pefekt? Wieviel hat Ubisoft eurem Redakteur bezahlt? Das Spiel ist gespickt mit Bugs, teilweise sogar game braking Zeugs.

  • Advocatus Diaboli am 22.03.2017 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Technisch brilliant?

    Toll dass der Autor so viel Politmasturbation einbringt, aber wo ist denn die technische Brillianz an dem Spiel? Das wird nämlich nicht erörtert und wäre das Wichtigste. Denn was ich vom Spiel gesehen habe, ist es ein typische Ubisoft-Sandbox: Repetitive Missionen ad nauseam mit dem Gameplay der letzten paar Amalgamationen zwischen Assassin's Creed und Watch_Dogs. Das einzige das sich geändert hat an der Formel ist, dass man nicht mehr die unsäglichen Türme raufklettern muss um einen Teil der Landkarte sichtbar zu machen. Und mit Ghost Recon hat das Spiel ja absolut nichts mehr zu tun.

  • Zöcku am 22.03.2017 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Far Cry Klon

    Aber egal, Hauptsache die Leute haben Spass daran.

  • r.f. am 22.03.2017 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    perfekt..

    technisch perfekt, so wirkt das game vielleicht wenn man sich nur screenshots anschaut ;) das gameplay auf dem pc ist grottenschlecht, wie schon bei division, aber evtl merkt man das auf der konsole resp mit dem controller nicht.

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