Krieg gegen Drogen

06. März 2017 20:25; Akt: 06.03.2017 20:25 Print

«Ich fühle mich immer noch betäubt»

von Jan Graber - Mit einem Game und einem Film thematisiert Ubisoft den Krieg gegen Drogen. Ein Ex-Navy-Seal erzählt, wie es wirklich ist.

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Die Gameindustrie geht Längen, um ein Videospiel zu vermarkten. So hat Ubisoft – einer der grössten Game-Entwickler und Vertriebe – nicht nur Geld ins kommende Shooter-Spiel «Ghost Recon: Wildlands» gesteckt, sondern auch die dazu passende Film-Dokumentation «Wildlands» (siehe Kasten) mitfinanziert. Weltpremiere feierte die Doku am 15. Februar in London. Vor Ort waren auch drei der Protagonisten des Films, darunter der Ex-Navy-Seal Adam Newbold. Der Elitesoldat hat in Südamerika selbst am Krieg gegen die Drogenkartelle teilgenommen. Der aussichtslose Kampf hat ihn aber nicht verbittert, sondern erstaunlich ruhig und klarsichtig gemacht. Im Interview spricht Newbold, der heute eine Bar in einem kleinen amerikanischen Kaff betreibt, über seine Zeit an der Front und wieso er das Trauma auf später verschiebt.

Adam Newbold, Sie standen mitten im Kampf, auf Sie wurde auch geschossen. Hatten Sie je Angst?
Es stimmt, auf uns wurde geschossen. Die Angst kam aber immer erst danach, als wir Zeit zum Durchatmen und Nachdenken hatten. Dann merkten wir, wie nahe uns die Gefahr wirklich gekommen war.

Sie haben auch Menschen erschossen. Belastet das Ihr Gewissen?
Nein, denn als Navy Seal kämpft man nicht gegen normale Soldaten. Unsere Ziele sind «High-Value Targets» – gefährliche Leute. Deshalb fand ich den Kampf stets gerechtfertigt.

In der Dokumentation kommt ein Typ mit Spitznamen Popeye vor: Ein Mörder, der Hunderte von Menschen auf dem Gewissen hat. Heute läuft er frei herum. Was denken Sie über einen solchen Menschen?
Er ist eine interessante Figur und ich frage mich, wie sein Hirn arbeitet. Höchstwahrscheinlich ist er ein hochgradig psychotischer Mörder. Es ist auch faszinierend, dass er sich überhaupt für ein Interview im Film zur Verfügung gestellt hat.

Verfolgt Sie bisweilen das Erlebte?
Manchmal. Aber ich fühle mich immer noch betäubt und schliesse die Bilder automatisch weg. Vielleicht holen sie mich später einmal ein. Ich habe aber auch viele Freunde verloren.

Wie gehen Sie damit um?
Hin und wieder erlaube ich mir, ein Glas auf die Freunde zu trinken und mich ihrer zu erinnern.

Haben Sie nie den Glauben an die Menschen verloren?
Nein. Die Menschheit hatte immer ihre guten und schlechten Seiten. Es gibt Zeiten der Gewalt und Zeiten des Friedens. Menschen können sehr enttäuschend sein, aber gleichzeitig bin ich auch stolz.

Stolz?
Wir sind gleichzeitig sehr verletzlich und sehr belastbar. Wir sind auf jeden Fall interessante Kreaturen, die auch fürs Gute kämpfen.

Der Krieg gegen die Drogen scheint aussichtslos zu sein. Denken Sie, eine Legalisierung der Drogen würde helfen?
Ich denke viel darüber nach. Beispielsweise ist Alkohol in den USA erst ab 21 Jahren erlaubt, in Deutschland schon mit 16. Im Ausland hat man weniger Probleme mit Alkohol bei Jugendlichen. Legalisierung könnte vielleicht eine Antwort sein. Aber noch sind Drogen nicht legal, wir müssen sie deshalb bekämpfen.

In «Ghost Recon» spielt man vier Navy Seals, die gemeinsam in den Kampf ziehen. Sieht die Realität auch so aus?
Die kleinste Einheit besteht aus vier Leuten. Sie bilden ein «Fire Team», zwei «Fire Teams» werden zur Squad und zwei Squads zum Platoon – insgesamt 16 Soldaten. Man ist also in einer kleinen Einheit unterwegs und die Kommunikation ist von entscheidender Bedeutung. Geht sie verloren, wird die Mission sofort abgebrochen.

Und wie sehr entspricht «Ghost Recon» der Wirklichkeit?
(lächelt) Ich habe das Game nicht gespielt.

Filmtrailer «Wildlands»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • thomes am 06.03.2017 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja

    wenn man in solch einer Eliteeinheit ist muss man mit solchen Einsätze rechnen. Alle spielen immer harte Jungs, aber die Realität ist immer anders. In keiner Ausbildung kann man solche psychischen belastungen trainieren. Oft kommen die Folgen erst später.

  • greenlife-ch am 07.03.2017 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochinteressant

    Sehr interessant seine erlebten Storys und wie er dazu steht!!

  • Elvis Presley am 07.03.2017 01:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein zu Drogen

    Scheint ein wirklich sehr cooler Typ zu sein, dazu rechne ich ihm die Arbeit die er vollbracht hat hoch an. Chapeau

Die neusten Leser-Kommentare

  • A Tea Man am 13.03.2017 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    nicht verbittert

    Sehr interessant seine Erzählungen und die Einstellungen zur Menschheit, man kann wirklich manchmal den Glauben an die Menschheit verlieren, aber so ist das Naturgesetz, finde das er das sehr klar sieht, toll wenn jemand so was sagt wo all das selber erlebt hat, starke Persönlichkeit.

  • Tinu am 07.03.2017 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Escobar typ

    Äh wie viel Morde nochmal? Und wie viel Jahre? Da kann doch was nicht stimmen...

  • Elvis Presley am 07.03.2017 01:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein zu Drogen

    Scheint ein wirklich sehr cooler Typ zu sein, dazu rechne ich ihm die Arbeit die er vollbracht hat hoch an. Chapeau

  • greenlife-ch am 07.03.2017 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochinteressant

    Sehr interessant seine erlebten Storys und wie er dazu steht!!

  • thomes am 06.03.2017 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja

    wenn man in solch einer Eliteeinheit ist muss man mit solchen Einsätze rechnen. Alle spielen immer harte Jungs, aber die Realität ist immer anders. In keiner Ausbildung kann man solche psychischen belastungen trainieren. Oft kommen die Folgen erst später.

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