Games made in CH

24. Januar 2012 15:32; Akt: 25.01.2012 17:55 Print

Das kreative GamegenieDas kreative Gamegenie

von Jan Graber - Der 24-jährige Mario von Rickenbach gehört zu den kreativsten Köpfen der Schweizer Gameentwickler. Sein Werk «Mirage» wurde am Independent Games Festival in der Kategorie «Beste Grafik» nominiert.

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Surreale Bilder im Kopf: Mario von Rickenbachs Spiele zeichnen sich durch eine eigenwillige Grafik und ungewöhnliche Ideen aus. (Bild: jag)

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Kein Firmenschild weist den Weg. Auf keiner Türklingel steht sein Name oder derjenige eines Studios. Wer Mario von Rickenbach in seinem Atelier im Zürcher Kreis 4 besuchen will, muss genau wissen, welche Türe ihn in die Werkstätte des talentierten Schweizer Gamedesingers führt.

Einer der ungewöhnlichsten deshalb, weil Mario von Rickenbach mit seinem surrealen Werk «Mirage» (siehe Bildstrecke) am Independent Games Festival (IGF) in San Francisco für den «Excellence in Visual Art»-Award nominiert worden ist – als einer von fünf, die aus 570 Einsendungen ausgewählt wurden. Anfang März, wenn er selbst nach San Francisco an die Verleihung reist, findet er heraus, ob er den Preis auch gewonnen hat.

Bekannt mit «Krautscape»

Noch ist er aber in Zürich, in seinem Arbeitsdomizil im Kreis 4, das der 24-jährige Gamedesigner erst vor kurzem aufgeschlagen hat. Er teilt es mit sechs Künstlern, Videoproduzenten und seinem Design-Partner. Portraits auf riesigen bemalten Leinwänden schauen den Besucher an, grosse Legoskulpturen von Star-Wars-Schiffen thronen auf den Schränken, die Tische sind gefüllt mit Notizbüchern – es herrscht das buchstäbliche kreative Chaos. «Es tut gut, einen festen Arbeitsplatz zu haben», verrät von Rickenbach. Früher habe er überall gearbeitet, wo es sich gerade anbot.

Als er vor zwei Jahren das Gamedesignstudium an der Zürcher Hochschule der Künste abschloss, entschied er sich, es als selbständiger Gamedesigner zu versuchen. Mit seinem Bürogenossen Michael Burgdorfer (ebenfalls ein ZHdK-Absolvent) und einem befreundeten Musiker hatte er bereits während der Studienzeit mit dem Rennspiel «Krautscape» begonnen – ein Spiel, dessen Streckenverlauf jeweils vom führenden Fahrer definiert wird. Damit sorgten sie erstmals für Aufmerksamkeit: Das Spiel wurde im Rahmen des Game-Förderungsprogramms der Pro Helvetia mit einem Werkbeitrag von 50 000 Franken prämiert. Auffallend an «Krautscape»: die ungewöhnliche Grafik.

Ein Spiel wie ein Trip

Diese spezielle Grafik zeichnet neu auch das am Independent Games Festival nominierte Werk «Mirage» aus – ein Spiel, mit dem von Rickenbach als Abschlussarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) begonnen hatte: Das Spiel beginnt mit einem Zylinderhut, der zufälligerweise einen Fuss findet. Der Zylinder befestigt den Fuss an sich selbst und macht sich auf den Weg, um die Welt zu erforschen. Bald merkt er, dass er Augen braucht, um zu sehen und Ohren um zu hören. Auch diese findet der Zylinder und befestigt sie an sich; so erweitert er sich Sinn um Sinn.

«Mirage» wirkt, als ob es unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen entstanden ist. In Tat und Wahrheit handelt es sich um ein von Surrealisten wie Salvador Dalí und Max Ernst beeinflusstes Kunstwerk. Von Rickenbach weiss denn auch noch nicht, wohin ihn der Weg führen wird und ob aus «Mirage» überhaupt ein spielbares Game entsteht. «Mirage liegt mir am Herzen, ich will mir dafür Zeit lassen», sagt er.

Von den eigenen Games leben

Seit der Nominierung sei der Druck allerdings gestiegen, verrät er, zuvor hätte das Spiel brachgelegen. Andere Arbeiten waren wichtiger: die Arbeit an «Krautscape», das dieses Jahr erscheinen soll, sowie Auftragsarbeiten wie beispielsweise dem Spiel «Ladders to Heaven», das er für eine Ausstellung des Museums Rietberg hergestellt hat. Dazwischen kann es sein, dass er innerhalb eines Tages ein kleines Kunstwerk wie «Rakete» entwirft, weil er sich im letzten Moment dazu entschliesst, an einem Wettbewerb teilzunehmen.

Sein Ziel sei es, von eigenen Games zu leben. In der Schweiz ist dies allerdings schwierig, denn die Herstellung von Mainstream-Games kommt die kleinen Entwicklungsstudios zu teuer und der Markt hierzulande ist zu klein. Von Rickenbach sieht dies auch als Vorteil: «Wenn nicht alles machbar ist, wird man umso erfinderischer».

Den Weg gefunden

Dass von Rickenbach zu einem der kreativsten Köpfe der Schweizer Gameentwicklerszene gehört, ist nicht selbstverständlich: Angefangen hatte er nämlich mit einem Architekturstudium – mit Games hatte er damals wenig am Hut. Da ihm aber die Leidenschaft für die Architektur fehlte, begann er versuchsweise mit dem Gamedesign-Studium an der ZHdK. Und entdeckte, dass Gamedesign alles beinhaltete, was ihn interessierte: die Verbindung von Ideen, Technologie, Sound und Grafik. Mit anderen Worten: Mario von Rickenbach nahm damals einen Eingang, auf dem nicht geschrieben stand, wo er ihn hinführte. Er hatte trotzdem die richtige Türe erwischt.

Gametrailer «Mirage»

(Quelle: YouTube.com)

Gametrailer «Krautscape»

(Quelle: YouTube.com)

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  • Joshua Höpli am 27.01.2012 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch

    Mein vorbild :)

  • J.B. Justice am 27.01.2012 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch!

    Genial und kreativ, ohne solche Menschen würden wir noch heute in Höhlen leben... im entfernten Sinne ;)) Weiter so! Ich weiss zwar noch nicht um was es bei Mirage wirklich geht, aber es sieht so anders und interessant und anspielenswert aus :D Auch an 20min: Bringt mehr solche Artikel über die Schweizer Künstlerszene bitte!

  • b.brücklmayer am 27.01.2012 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu geil

    meeega geil... hammer !!!

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