Verspielt

21. November 2015 15:44; Akt: 21.11.2015 15:44 Print

Die Migros steigt in die Gameförderung ein

von Jan Graber - Der Förderfonds Engagement Migros will Schweizer Gamedesigner besser mit dem Ausland verknüpfen. Steigt die Migros nun ins Geschäft mit Videospielen ein?

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Damit Schweizer Games keinen Schiffbruch erleiden: Der Förderfonds Engagement Migros will mit dem neuen Match-Making-Modul herausragende Games wie «Far» mit internationalen Publishern und Gamekapitänen zusammenbringen. Doch auch sonst präsentieren sich Schweizer Game-Macher im Ausland. Hier der Länderstand der Schweizer Gameentwickler an der Gamemesse Gamescom 2015 in Köln. Internationale Fachbesucher können in der Halle 3 im Businessbereich 17 Schweizer Spiele unter die Lupe nehmen. Die Schweizer sind bei Virtual-Reality-Technologien vorne dabei. Entsprechend stehen auch Spiele, die mit der Oculus Rift funktionieren, zum Test bereit. Zum allerersten Mal an der Gamescom: Ausnahmetalent Don Schmocker mit seinem Spiel «Far», das auf reges Interesse stösst. Ebenfalls das erste Mal an der Gamescom: Robin Bornschein mit «Tower Offense». Er sieht sein Game in der E-Sport-Szene zuhause. Dominik Haas und sein Team wurden mit «Schlicht» schon ausgezeichnet. An der Gamescom hat er bereits Kontakte geknüpft. Interaktiver Streifen: Baptiste Planche von CtrlMovie zeigt die eindrückliche Filmgame-Episode «Late Shift». Er will an der Gamescom lernen, wie der Videospielmarkt funktioniert. Ziehen vor allem auch Asiaten an: Philomena Schwab und Severin Walker mit dem Game «Niche - a genetics survival game». Alter Hase: Jeremy Spillmann, an der Gamescom mit «Cloud Chasers», kennt die Messe gut, ist aber überrascht über die zahlreichen Besucher. Die Ausstellung soll auch dazu dienen, den Brand «Swiss Games» aufzubauen. Relaxtes Beisammensein: Mit Paletten und Kissen wurde ein Bereich zum entspannten Plaudern geschaffen. Einzig ein Getränkeausschank fehlt.

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Als 2014 das Gamefestival Ludicious erstmals stattfand, war auf der Liste der Sponsoren auch der Förderfonds Engagement Migros zu finden (siehe auch Infobox). Die Detailhandelsfirma hatte den Gamefestivalmachern finanziell unter die Arme gegriffen. Fürs nächste Ludicious Gamefestival, das vom 21. bis 24. Januar 2016 in Zürich über die Bühne geht, geht der Förderfonds Engagement Migros einen entscheidenden Schritt weiter: Sie führt ein Match-Making-Modul ein, das junge Schweizer Gameentwickler mit internationalen Investoren und Publishern zusammenbringen und das einheimische Gameschaffen fördern soll.

Engagement Migros nennt als Gründe für das neue Modul eine sichtbare Diskrepanz. «An den hiesigen Hochschulen ETH und ZHdK werden zwar hochqualifizierte Programmierer und Gamedesigner ausgebildet und es entstehen qualitativ hochwertige Spiele. Mit dem Anschluss an den Markt aber hapert es», sagt Stefan Schöbi, Leiter Engagement Migros. Experten seien sich einig, dass das Potenzial der Schweiz für die Spieleindustrie gross sei. Konkrete Zahlen kann Engagement Migros nicht nennen, sieht das Potenzial aber vor allem in der Qualität der Games. Grosse Spielentwicklerstudios und -publisher haben ihren Sitz hingegen alle ausserhalb der Schweiz.

Wertschöpfung für die Schweiz

Das neue Match-Making-Modul soll Perspektiven schaffen. Einheimische Gamedesigner können im Rahmen des Moduls zum Beispiel ihre Projekte internationalen Exponenten der Gamebranche vorstellen. Am Match-Making-Modul, das am Ludicious Gamesfestival im Januar erstmals stattfindet, sind beispielsweise Vertreter der Videospielgiganten Nintendo und Square Enix zu Gast. Zum Modul gehört auch eine Pitching-Session vor einer Expertenjury mit anschliessender Preisverleihung. Damit sollen Schweizer Spielentwickler auf der internationalen Landkarte positioniert werden. «Eines der Ziele ist, die Wertschöpfung der Spielindustrie vermehrt in der Schweiz zu halten», sagt Schöbi.

Entstanden ist das Modul auf eigene Initiative von Engagement Migros in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Game Connection. «Wir wollten mehr als nur Unterstützer im Hintergrund sein», sagt Schöbi zur Initiative. Eine direkte Förderung einzelner Entwickler sei hingegen nicht Ziel von Engagement Migros. Ebenso wenig wird der Detailhandelsriese in Zukunft selbst als Gamepublisher in Erscheinung treten. Vorstellbar sei aber, dass das Match-Making-Modul als Blaupause für weitere Projekte dient, um die Kreativwelt mit der Wirtschaft zusammenzubringen und dass es an zukünftigen Game-Events ebenfalls zum Einsatz kommt.

Kurz: Mit dem Engagement von Migros zeigt sich, dass das einheimische Gameschaffen auf der schweizerischen Landkarte definitiv angekommen ist und auch von wirtschaftlichen Riesen wahrgenommen und unterstützt wird.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonymous am 21.11.2015 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Verspielt

    Schon unglaublich wie ein Land wie die Schweiz fast keinen Einfluss haben in der Gamewelt. Wir sind ein Land mit Hoch-ausgebildeten Leuten aber das Potenzial wird nicht genutzt. Es ist schade dass unsere Politik dies nicht warhaben wollen.

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  • Nb.k am 21.11.2015 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    OKAI

    Aha, auch die schweiz kommt langsam im 21. Jahrhundert an. Oder wenigstens ein teil davon.....

  • Roli Freyenmuth am 21.11.2015 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Seit wann

    Seit wann hat das Volk Einfluss auf: Game, Politik, Banken, Pharma..........

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rafi am 22.11.2015 15:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grosses Project

    das problem liegt ganz klar an den games sie sind zwar nicht schlecht. meis sind es sowiso nur handy games oder kleine games die kein grosse interesse weckt (meine meinung). man sollte mal ein richtig grosses Project starten dan könnte es auch mal etwas werden.

  • Goddie am 22.11.2015 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Genossenschaft, wo?

    Einfach nur beschämend. Anstatt die Preise zu senken und den Kunden am Gewinn teilhaben zu lassen, wird das Geld einfach verjubelt.

  • GAME3D am 22.11.2015 05:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die Migros tut wenigstens was für Kultur

    Meistens arbeiten CH Developer für Firmen im Ausland oder entwickeln Developer tools für Engines, so wie ich. Finde es gut, wenn Video Game Entwicklung in der CH langsam anerkannt wird. Nun sollte man aber nicht nur an Handy Games arbeiten. Was ich mir wünschte, dass sich ein grosses Team bilden würde, wo man gemeinsam an einem Block Baster Game arbeiten würde. Auch wenn es am Anfang vielleicht noch keinen Lohn dafür gibt.

  • MrScruffy am 21.11.2015 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatliche Gameförderung?

    Sollte nicht eigentlich der Staat für die Gameförderung zuständig sein??

  • Developer am 21.11.2015 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wo einschreiben?

    Ich arbeite gerade an einem Game (nichts mickriges, kommt nächstes Jahr raus) zusammen mit mehreren Freunden. Wo gehts denn hier zur Förderung?

    • Pro Coder am 22.11.2015 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Wozu brauchst Du Förderung?

      Erklär doch mal, was Du mit Gameförderung konkret an Deinem (nicht mickrigen) Game verbessern kannst? Ich sag Dir dann umgekehrt, ob sowas gefördert gehört oder nicht.

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