Spielräume

26. Juli 2015 23:38; Akt: 26.07.2015 23:38 Print

Bei Games sind Designer wahre Stararchitekten

von J. Graber - Sie sind da, ihre Bedeutung nimmt man aber kaum wahr: Räume in Games. Ohne gute Architektur wären Games wie «GTA 5» nicht zu spielen.

Bildstrecke im Grossformat »
Dass manche Gamedesigner beim Entwerfen von Spielwelten zu wahren Stararchitekten werden, zeigt diese Bildstrecke. Die offene Welt Los Santos aus «GTA 5» konnte nur durch intensivste Recherche so genau dem Vorbild Los Angeles nachempfunden werden. Platzangst: Survival-Horrorspiele wie «Project Zero» ... ... und «The Evil Within» leben von dunklen, beklemmenden Räumen. Raum als Spielmittel: Im Egoshooter-Rätselspiel «Portal» wird die Raumgestaltung zum definierenden Spielelement. Steinzeit: Das erste Spiel, dass sich dreidimensionaler Räume bediente, war 1992 der Egoshooter «Wolfenstein 3D». Auch der Egoshooter «Doom» (1993) spielt in labyrinthartigen Gängen. Die «Doom»-Remakes haben nichts daran geändert: Sie kommen einem immer noch vor, als fände die gesamte Action in einer Tiefgarage statt. Keine aktive Rollen spielt die Raumgestaltung in Prügelspielen wie Tekken. Der Raum ist reines Dekor. Selbst ist der Baumeister: Aufbauspiele wie «Minecraft» lassen Spielern die volle Freiheit, ihre architektonischen Begabungen auszuleben. Im Bild: ein Nachbau von King's Landing aus der TV-Serie «Game of Thrones». Akribisch genau: «The Vanishing of Ethan Carter» zeigt eine unglaublich detaillierte Welt und erfordert extremste Arbeit am Raum. In den «Assassin's Creed»-Spielen wird die Architektur zum interaktiven Spielpartner. Kein Spass ohne Deckung: Egoshooter wie «Gears of War» leben davon, dass sich die Helden aus dem Schussfeld nehmen können. Atmosphärische Dichte: Fantasievolles Raumdesign wie im exzellenten Egoshooter «Bioshock» ergänzt die simplen Action mit erzählerischen Elementen. Abgehoben: Spiele wie der Klassiker «Myst» erzeugen durch ihre Raumgestaltung erst den fantastischen Eindruck.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Sie spielen ein Survival-Horror-Game. Sie stehen auf einem offenen Feld, kein Gebäude weit und breit, nichts versperrt die Sicht. Würden Sie sich fürchten? Sofern sie nicht unter Agoraphobie, also der Angst vor weiten Plätze, leiden, wohl nicht. Muss sich die Spielfigur aber durch gruslige, verwinkelte Räume mit unheimlichen Geräuschen bewegen, mit Verstecken und verschlossenen Türen, hinter denen sich das Grauen verbirgt, wird das Erlebnis zum Horrortrip.

Während die Architektur in Horrorspielen als Spielelement wahrgenommen wird, beachten wir die Raumgestaltung in den meisten anderen Spielen eher nicht. Zu Unrecht: «Die Raumdramaturgie übernimmt in vielen Spielen eine zentrale Aufgabe», sagt Ulrich Götz, Leiter der Studienvertiefung Gamedesign an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und studierter Architekt. Ein Rätsel-Adventure ohne Raum für Verstecke würde beispielsweise nicht funktionieren. Bietet der Egoshooter keine Orte für Deckung, wird nicht nur der Held, sondern auch der Spielspass abgeschossen.

Raum als Spielpartner

«Raumgestaltung kann zum eigentlichen Protagonisten des Spiels werden», sagt Götz. Als Beispiele nennt er das Rätselspiel «Portal» und «The Vanishing of Ethan Carter». In Letzterem ist Spielumgebung auf aufwendigste Weise gestaltet und sorgt alleine durch ihre Präsenz für eine überwältigende Spannung und Stimmung – ohne, dass Gewalt ausgeübt würde. «Ohne intensivste Arbeit am Raum wäre dies nicht möglich», sagt er. In Spielen wie «Assassin’s Creed» werde der Raum sogar zum interaktiven Spielpartner, ergänzt Götz. Der Held nutzt die Architektur und Struktur der jeweiligen Stadt zu seinen Gunsten.

Der Grad der Raumdramaturgie ist jedoch abhängig vom Genre. Spiele wie «Tetris» funktionieren ohne Raum und in Beat’em-Ups wie «Tekken» ist die Umgebung vor allem Beigemüse. Actionspiele hingegen brauchen den dreidimensionalen Raum als Unterstützung. Götz nennt es den «narrativen Raum»: Während die Spielhandlung an und für sich simpel ist, machen das Regelwerk des Raums, die Lichtführung und die erzählerischen Qualitäten der Levelarchitektur erst die Spannung aus. Komplexe 3-D-Spiele verlangen Gameentwicklern deshalb heute einiges ab. «Ein Open-World-Spiel wie ‹GTA 5› gäbe es ohne extremste Recherchen nicht», sagt Götz.

Gute Grafik rettet Spiel nicht

Das architektonische Wissen von Gameentwicklern erstreckt sich bis hinein in die Details. «Heute sieht man keinen virtuellen Torbogen mehr, der nicht auch in der Realität den statischen Bedingungen standhalten würde», sagt Götz. Das gehe nicht ohne extreme Analysen oder Expertenwissen. Im dritten Semester des Gamedesign-Studiums an der ZHdK setzen sich die angehenden Designer denn auch konkret mit den Qualitäten der Raumgestaltung auseinander. Zu einer Aufgabe gehört beispielsweise, in einem ersten Schritt einen Level im Stil eines existierenden Games zu bauen und diesen in einem zweiten Schritt mit eigenen Stilmitteln aufzulösen. «Spatial narration, die räumliche Erzählung, kann entscheidend fürs Spielerlebnis sein», sagt Götz.

Für die Raumgestaltung wichtig sei aber nicht die grafische Leistung der Konsolen, sondern die erzählerische Qualität. Als Beispiel nennt er gute Text-Adventures, die ganz ohne Grafik auskommen. «Ein brillant dargestellter Wassertropfen auf dem Lack rettet ein schlechtes Rennspiel nicht», sagt Götz. Viele Gamedesigner würden sich architektonisch mittlerweile auf höchstem Niveau bewegen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Triss Merrigold am 27.07.2015 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    The Witcher

    Wenn wir schon von Level Design sprechen, wo bleibt der neuste The Witcher: 3 Teil? ... Mamma mia das Leveldesign und der detailgrad haut einem die Löffel (und GraKa) weg ;-) Let's Play!

    einklappen einklappen
  • Thomad am 27.07.2015 00:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ehm

    9 und schon am zocken und ein eigenes Smartphone/iPad/tablet,etc.. ?!

    einklappen einklappen
  • Oli am 27.07.2015 02:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3rd person

    Gears of war ist kein ego-shooter... Schon gar nicht wenn man das deckungssystem anspricht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kleo am 27.07.2015 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte um Info :)

    Wer kann mir ein gutes Notebook empfehlen wo ich auch gamen kann?

    • Stefan am 27.07.2015 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      niemand

      den das gibts so nicht. hab selbst so ein "Gaming-Notebook" gekauft. Konnte schon nach 1 Jahr vieles nichtmehr oder mur mit Performance einbussen spielen. Wenn du wirklich Wert auf Leistung legst kommst du um einen Desktop-PC nicht herum.

    • Kleo am 27.07.2015 11:25 Report Diesen Beitrag melden

      Stefan

      Hi Stefan, okay danke. Das habe ich mir schon fast gedacht.. :( Danke für deinen Input, ich denke ich hol mir ein 0815 Notebook und bleibe auf der Konsole was das gaming anbelangt :)

    • pc am 27.07.2015 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      fest verlötete gk nachteil

      acer g-751 eine gtx980m(fest verlötet verhindert ein aufrüsten des laptops) deshalb empfiehlt dir niemand was. ps4 performance wird niemals an diesen laptop rann kommen...

    • Kleo am 27.07.2015 13:32 Report Diesen Beitrag melden

      merci

      Danke auch an PC. PS4 oder Xbox one? Bisher hatte ich xbox und meine Schwester PS3, mit beiden waren wir zufrieden..

    • fab schu am 27.07.2015 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      pc

      Alienware 17 , zwischen 1.500-2.500 oder ein MSI.

    einklappen einklappen
  • MazH am 27.07.2015 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Massstäbe

    In einem Artikel über Leveldesign dürfen zwei Gamereihen keinesfalls fehlen: S.T.A.L.K.E.R. und ArmA(III) . Gerade Stalker setzte mit seinen Detailverliebtheit neue Massstäbe wie ein Survivalspiel aussehen sollte.

  • Rudi Van Brudi am 27.07.2015 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    hmmm

    wie konnte man hier nur Battlefield vergessen welches für seine Gebäude und deren Struktur und vorallem in der Einsturz-Animation bekannt ist? Noch eines währe dann auch Dying Light wobei man hauptsächlich Parcour betreibt.

    • BF Fan am 27.07.2015 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Battlefield hat nachgelassen

      Naja Battlefield hat meiner Meinung nach eingebüsst. Ist nicht mehr so toll wie es einmal war. Es hat sich vom Nischen- zum Kommerzspiel entwickelt und heute wird alles nur noch der Konkurrenz nachgemacht. Der eigene Charakter ging etwas verloren. Ich hoffe, dass DICE wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt mit fast vollständig zerstörbarer Umgebung und mal wieder ein 2. Weltkrieg Shooter mit aktueller Grafik fänd ich toll. Das moderne Setting mit all dem "Fire and forget" Zeugs nervt.

    einklappen einklappen
  • Stefan am 27.07.2015 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Total War Attila

    Selbst mein High End System ist zu schwach um alles auf max. darzustellen. Manchmal wenn ich eine Zeit weg bin vom PC und zurückkomme sehe ich die Strategiekarte verdeckt durch Wolken. Durch diese kann ich dann hineinzoomen - einfach traumhaft. Es herrscht ein unglaublicher Detailgrad: Wolken, Möwen die über dem Meer kreisen, die Sonne die sich im Wasser spiegelt, Laub das zu Boden fällt. Auch die Schlachtkarte ist unglaublich detailliert. Grafik ist zwar nur eine Nebensache, in diesem Spiel aber doch eine, die zum Verweilen einlädt.

  • Gamer am 27.07.2015 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elder Scroll

    Und was ist denn mit Elder Scroll onlien Tamriel unlimited? Die welt ist Gigantisch und Wunder schön da kan mann sich schon in die umgebung verlieben ;)

Sudoku
Kreuzwortraetsel
Bubble Shooter