Auswirkung von Videospielen

09. Juli 2017 18:52; Akt: 09.07.2017 18:52 Print

Gamer sind flexibler und scheitern besser

von Jan Graber - Sind Videogames nur Kinderkram? Mitnichten: Games haben handfeste Auswirkungen auf die Gesellschaft.

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Videospiele, so die landläufige Meinung, sind vor allem eins: Unterhaltung für Kinder. Zwar sind allfällige negative Effekte durch Gewaltspiele und exzessives Gamen immer wieder Thema in Medien und Politik, doch grundsätzlich gelten Videospiele als Freizeitvergnügen ohne grosse Auswirkungen.

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«Games beeinflussen unsere Gesellschaft entscheidend», sagt dagegen Daniel Süss, Leiter des Psychologischen Instituts an der ZHAW. Die zunehmende Beliebtheit von Games und vor allem die intensive Beschäftigung damit hätten reale gesellschaftliche Auswirkungen: darauf, wie wir die Welt, insbesondere Konsum, Berufsleben und Partnerschaften, erleben. Stark bemerkbar mache sich der Einfluss von Spielen auch in der sogenannten Gamification: dem Einbinden von Spielelementen zum Beispiel in die Werbung oder im Belohnungssystem beim Punktesammeln bei Detailhändlern und anderen Anbietern.

Leistung und Level

Ebenfalls ein wichtiges Element des Gamens ist der Wettbewerb, der allerdings vor der Erfindung der Videospiele zum Beispiel im Sport stattgefunden hat. Durch die digitale Welt hat aber die Geschwindigkeit zugenommen, mit der ein Feedback zum Fortschritt bei eigenen Handlungen erwartet wird. Süss: «Man misst wie im Spiel den eigenen Level, vergleicht ihn mit anderen Menschen und versucht die nächste Stufe zu erreichen.» Das unmittelbare Feedback, das digitale Formate bieten, wirke sich zum Beispiel auch auf die Erwartungen bei der Partnerschaftssuche über Dating-Plattformen aus.

Bei Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren spricht die Wissenschaft von der Gamer-Generation – mit Auswirkungen aufs Berufsleben. «Die Gamer-Generation geht im Beruf experimenteller und spielerischer vor», sagt Süss. Beispielsweise bevorzugen Berufseinsteiger vermehrt ein leistungsbezogenes statt ein fixes Einkommen: Sind sie erfolgreich im Job, werden sie stärker belohnt – ein typisch spielerisches Element.

Licht und Schatten

Auch die Bereitschaft zum Scheitern sei gewachsen. Statt von Beginn weg alles richtig machen zu wollen, wenden Junge vermehrt das System «Versuch und Irrtum» an. «Vor allem bei Gamern, die über längere Zeit intensiv spielen, kann ein Transfer von Strategien und Verhalten stattfinden», sagt Süss. Dies kann zu positiven Effekten führen wie mehr Flexibilität, höherer Fehlertoleranz und der Bereitschaft, auf spielerische Weise Ressourcen und Expertenwissen zu nutzen.

Kein Licht aber ohne Schatten: «Wenn alles nur noch Spiel ist, kann die Bereitschaft zu geistiger Knochenarbeit leiden», sagt Süss. Zudem können sich durch intensives Spielen auch bedenkliche Stereotype wie beispielsweise ein sexistisches Frauenbild festigen oder die Aggression verstärkt werden.

Negative Effekte treten aber nur bei gefährlichen Konstellationen auf, wenn zum Beispiel exzessives Gamen mit fehlendem Durchsetzungsvermögen, sozialer Isolation und anderen Faktoren zusammenfallen. Süss: «Gamen kann in einem solchen Fall verstärkend wirken.» Damit dies nicht passiert, brauche es Medienkompetenz der Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen. «Games zu verbieten, beweist gegenüber den Gamenden aber nur fehlende Medienkompetenz und sendet das falsche Signal», sagt Süss.

Gamen keine Pflicht

In der Schweiz spielen laut einer Erhebung der ZHAW und Swisscom (2016) 70 Prozent der Jugendlichen Videogames. Bleiben also die restlichen 30 Prozent, die nie gamen, beruflich und gesellschaftlich auf der Strecke? Dafür gebe es keine Anhaltspunkte, sagt Süss: «Kompetenzen lassen sich auch in anderen Kontexten lernen.» Führungsqualitäten könne man sich beispielsweise ebenso in einem Online-Multiplayer-Spiel wie in der Pfadfindergruppe aneignen.

Fazit: Games (und Gamer) werden von der Wissenschaft als wichtige Faktoren bei der Entwicklung der Gesellschaft wahrgenommen. Wie früher Bücher, Radio und Filme sind Games die moderne Form, Geschichten zu erzählen, und haben entsprechende Auswirkungen aufs reale Leben. Süss abschliessend: «Games beeinflussen heute sehr viele Lebensbereiche.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Evan C. am 09.07.2017 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gamen ist Sport und braucht training.

    Nunja mit meinen knapp 40 lenzen gehöre ich nicht mehr zu den Jugendlichen. Ich sehe Gamen eher als Sport denn Unterhaltungen. Warum wohl haben neben Grossen Fussballklubs auch grosse Marken Profigamer unter vertrag? Nicht nur für EA Sport Games. Achja eine anständige Sportausrüstung kostet Geld. Ist überall so. Egal ob Fusball, Drohnenfliegen Hockey oder eben Gamen.

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  • Q Bert am 09.07.2017 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pff

    Gamer scheitern besser ? Naja wenn ich an das verhalten der Leute denke wenn sie beim Onlinegamen verlieren will ich nicht darüber nachdenken was nicht Gamer so machen wenn sie verlieren ;-)

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  • Doge_wow am 09.07.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Overwatch

    In Overwatch Ranked will man nicht schlecht spielen, sonst wird man bis aufs Blut beleidigt. Das ist für mich Ansporn, besser zu werden und auch mit Niederlagen klar zu kommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nervensäge am 10.07.2017 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zocken ist wie Ferien

    Dort hin wo man will. Mal hier mal da. Gamesucht wird durch Onlinespiele mit Abozwang gefördert, bei anderen Spielen ist diese Gefahr erheblich tiefer aber nicht ausgeschlossen. Zudem vermindern Onlinespiele das Sprachvermögen, verleien dafür Gesichtsbleiche. Man lehrnt bei jedem Spiel etwas, auch was man besser nicht machen sollte.

  • Betty 0711 am 10.07.2017 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ohne meine Konsole/PC

    Ich wurde durchs gamen geduldiger... Momentan zock ich PREY. Hat mich richtig gefesselt. Leider liegt mehr als 1 Stunde am Tag nicht drin, da mein Mann gar nichts mit Videospielen anfangen kann.

    • Raöf Berger am 10.07.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      Was es nicht alles gibt...

      Ein Mann der nichts mit Videospielen anfangen kann ? Darf ich ein Foto haben ? Ich sammle Kuriositäten.

    • Betty 0711 am 10.07.2017 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Raöf Berger

      Ist wirklich so! Hab versucht ihm das Zocken näher zu bringen. Z.B. mit Motocross Games, Forza, Gran Turismo, Helo, oder Storys wie the walking dead... Auch Sachen wie destroy all humans... Nicht mal GTA mag er. Er langweilt sich nach spätestens nach einer halben Stunde.

    • Adrian am 10.07.2017 18:30 Report Diesen Beitrag melden

      Warum auch nicht

      Kann es ja auch geben und so wie es klingt nach fast allem Ballerspiel oder Rennspiel - Würde es mal mit Rollenspielen wie Elder Scrolls Skyrim, Dragons Age oder Final Fantasy probieren - Ist was total anderes als die aufgezählten Spiele ;-) Ansonsten mein Beileid :D

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  • Anonymous am 10.07.2017 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gamer aus Leidenschaft

    Gamen ist für mich eine Leidenschaft geworden. Ich zocke bestimmt jeden Tag 2-3 Stunden und am Wochenende noch länger und trotzdem habe ich ein Job und Freunde mit denen ich was unternehme, ich geh raus oder feiern. Also damit will ich sagen das ich kein Stubenhocker bin oder einer der nur vor der Konsole hockt ;)

    • Truedat am 10.07.2017 23:15 Report Diesen Beitrag melden

      Mirror

      Wenn man 14 ist, ist das auch kein Wunder... Sobald man in der Lehre oder Arbeitet, will ich sehen wie du 2-3h pro Tag zocken willst und trotzdem noch rausgehen kannst... wie auch? Höchstens am Weekend und selbst da ist das fraglich... wie man es aus der Gaming Community schon kennt...

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  • Teemo am 10.07.2017 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gaming

    Gamen ist toll - man lernt vieles wie strategie, teamwork und selbstbeherrschung. Jedoch darf die Gamesucht nicht zu gross werden ich habe so meine Freundin und fast sämtliche Freunde verloren. Dann habe ich mit dem Gamen reduziert und tada ich war wieder voll integriert bei den Freunden.

  • Jung Gamer am 10.07.2017 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Unterstüzung

    Durch das zocken habe ich das englisch gelernt das zeuge das man mir beibriengen wollte wusste ich schon also Top

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