Global Game Jam 2015

27. Januar 2015 21:56; Akt: 18.03.2015 14:55 Print

So ist in 48 Stunden ein Game entstanden

von Jan Graber - Mission Jump'n'Run: Am Global Game Jam hat unser Game-Redaktor selbst an einem Spiel mitentwickelt. Es waren intensive Tage.

Global Game Jam 2015: Eindrücke des Game-Redaktors vom Event. (Video: Ph. Stirnemann)
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Eines vorneweg: Das brillante Game, das im Vorfeld des Global Game Jam vor meinem inneren Auge erstrahlte, ist es nicht geworden. Entstanden ist innert 48 Stunden hingegen der rudimentäre Prototyp eines Spiels mit Potenzial – ein Game, das mit viel Arbeit zu einem spassigen Jump’n’Run-Erlebnis ausgebaut werden könnte. Hochs und Tiefs gehen an einem Global Game Jam Hand in Hand.

Doch von vorne.

Freitag, 23. Januar, 16 Uhr. Auf dem Weg an den Global Game Jam im Dock 18 in der Roten Fabrik Zürich. Ich weiss, ich kann mich auf ein kleines Team von Profis verlassen. Dennoch frage ich mich: Kann in nur zwei Tagen wirklich ein Game entstehen?

17 Uhr. Offizieller Beginn des Global Game Jams in der Schweiz. Die Teilnehmer trudeln ein.

18.30 Uhr. Fast hundert Game-Enthusiasten haben sich im Dock 18 eingefunden, unser ursprüngliches Dreier-Team ist auf sechs Personen angewachsen. Ein freudiges Wiedersehen für diejenigen, die bereits in früheren Jahren mitgemacht haben. Arbeitstische werden eingerichtet und mit Laptops, Kabelsalaten und Esswaren bestückt.

19.15 Uhr. Das Thema des diesjährigen Jams wird verkündet: «What do we do now?» (Zu Deutsch: Was machen wir nun?). Na was wohl – wir machen uns an die Arbeit.

23.50 Uhr. Sechs Köpfe, Dutzende von Ideen und schliesslich ein gemeinsamer Nenner: Ein Jump’n’Run-Game namens «ReverSciFi». Ich stelle es mir in den schillerndsten Farben vor, mit zwei coolen Helden, Dutzenden Spielmöglichkeiten und guten Sounds. Aber alle sind müde, wir übernachten nicht wie andere vor Ort, sondern gehen nach Hause.

Ein Global Game Jam bedeutet vor allem, Abstriche zu machen. Viele Ideen müssen verworfen werden, weil die 48 Stunden, in denen das Game entstehen soll, nicht reichen. Jede Grafik, jeder Programmierschritt, jedes kleinste Detail frisst Zeit, sie zerrinnt unter dem Klappern der Tastatur. Bisweilen müssen auch Kenntnisse aufgebessert werden. Auch hierbei verfliegt wertvolle Zeit.

Samstag, 24. Januar, 9 Uhr. Wenig Schlaf, die Eindrücke haben die Nacht zerstückelt. Zurück im Dock 18: Menschen in Schlafsäcken, wie riesige Würmer. Etwas, das aussieht wie Kaffee und entfernt danach schmeckt. Brot, Konfitüre, rudimentäre Verpflegung. Da ich weder Grafiker noch Programmierer bin, beginne mit dem Niederschreiben einer Gamestory. Danach gehts ins Soundstudio, um Musik und Geräusche aufzunehmen.

17 Uhr. Halbzeit. Probleme mit der Game-Engine, doch der Code kann gerettet werden. 20 Levelelemente sind auf dem Papier entstanden, nur ein Bruchteil wird es ins Game schaffen. Die Musik ist fertig, sie wird eingebaut. Stolz auf den ersten Beitrag zu einem Game – ein Highlight, inneres Jubilieren.

20.30 Uhr. Bestandesaufnahme. Erste Mechaniken, die funktionieren. Und dennoch das Gefühl, dass die Zeit davonrast. Mit Hochdruck wird weitergearbeitet. Ich gehe zurück ins Studio und nehme bis 2 Uhr morgens Geräusche auf.

Am Global Game Jam können Entwickler ausserhalb des Berufsalltags experimentell neue Spielideen entwickeln. Es ist egal, ob das Game unspielbar bleibt oder nur halb fertig wird – es geht um den Prototypen. So sind aber auch schon Games entstanden, die nach Monaten zusätzlicher Arbeit den Weg in den Verkauf fanden. In den 48 Stunden wird nur der erste Spatenstich für ein mögliches zukünftiges Bauwerk gesetzt.

Sonntag, 25. Januar, 10 Uhr. Ein erster Testlevel ist entstanden, eine Figur bewegt sich. Wir sind müde, gereizt. Manche schlafen an ihren Tischen. In nur fünf Stunden sollten die Teams mit dem Hochladen der Spiele beginnen. Unsere Programmierer – planlos. Wer erledigt welche Aufgaben? David Stark übernimmt den Lead, die Arbeit geht weiter. Hochdruck, die Nervosität steigt.

13.20 Uhr. Freude über den ersten spielbaren Level. Und Enttäuschung: Abstriche an allen Ecken und Enden. Die Spielfigur des Captains wurde nicht eingebaut. Der grösste Teil meiner Soundgeräusche hat den Weg ins Spiel nicht gefunden – aus Zeitnot. Prioritäten müssen gesetzt werden.

16.30 Uhr. Endspurt. Manche haben ihr Spiel schon hochgeladen, sie schauen den anderen Teams über die Schultern.

16.50 Uhr. Das Internet ist überlastet, unser Upload bleibt hängen. Adrenalin pur. Erneuter Versuch übers Handy.

16.55 Uhr. Der Blick klebt am Upload-Balken, der in Zeitlupe voranschreitet. Wir halten den Atem an.

16.59 Uhr. Noch ein letzter Millimeter Balken bleibt unausgefüllt.

17.02 Uhr. Geschafft! «ReverSciFi» ist auf dem GGJ-Server. Erleichterung und Müdigkeit. Und die Frage: Wollen wir dieses grob geschnitzte Werk den 20-Minuten-Lesern zeigen?

Fazit: Wir wollen, denn der Global Game Jam verdeutlicht, wie viel Aufwand die Entwicklung eines guten Spiels braucht und es wird klar, wieso ein Blockbuster-Spiel Jahre und Hunderte von Mitarbeitern in Anspruch nehmen kann. Aber selbst einfache Indiegames werde ich zukünftig mit anderen Augen sehen. Zudem bleibt auch die Erkenntnis, dass selbst komplette Anfänger wie ich einen Platz in einer Gameproduktion finden können.

Wer das fertige Werk ausprobieren will, kann das hier tun:

«ReverSciFi» im Browser Spielen.
«ReverSciFi» als eigenständiges Programm auf PC oder Mac spielen.
Die Global-Game-Jam-Site von «ReverSciFi».

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