Next-Generation-Gaming

21. Februar 2012 10:52; Akt: 21.02.2012 10:53 Print

Games, die das Hirn austricksen

Augmented Reality vermischt die Wirklichkeit mit der digitalen Welt. So wird etwa der Esstisch zur Rennstrecke oder das eigene Büro zur Kampfarena. Die optische Illusion wird immer perfekter.

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Schlagende Argumente: Im PS-Vita-Game «Reality Fighters» geben sich Kämpfer in einer realen Umgebung auf die Rübe. Sie leben! Das Augmented Environments Lab (AEL) des Georgia Institute of Technology entwickelte den Zombieshooter «ARhrrrr!». Eine Karte auf dem Tisch dient als Marker für eine von Zombies verseuchte Stadt, während der Spieler die Rolle eines Helikopterschützen einnimmt. Für Kids: «Double Fine Happy Action Theatre» bedient sich der Kinect-Kamera, um Realität und digitale Welt zu vermischen. Vorläufer: Das Strategiespiel «Eye of Judgment» für die PS3 bereitete den Weg für Augmented-Reality-Games vor. Zugkontrolle: Aus Österreich stammt das erste AR-Mutliplayer-Game für Handhelds: Spieler lassen «Invisible Train» virtuelle Züge über reale Holzschienen rollen. Durchschlagend: Im AR-Game «Raving Rabbits: Alive and Kicking» von Ubisoft müssen Spieler die lästigen Raving Rabbits aus der guten Stube vertreiben. Feuer frei: Das PS-Vita-Game «Little Deviants» demonstriert alle Möglichkeiten der PS Vita inklusive der Vermischung von Wirklichkeit und binärem Universum. Umkehrschluss: «Spyro's Adventures: Skylanders» geht den umgekehrten Weg. Echte Spielfiguren werden auf eine Spiel-Plattform gestellt, die mit der Konsole verbunden ist. Im Bildschirm treten daraufhin die digitalisierten Versionen der Figur zum Kampf an. Hirnen, bis es raucht: Das wohl berühmteste Rätselspiel «Tetris» gibt es für die N3DS auch als Augmented-Reality-Version. Markerkarten zeigen, wo die Würfel hinfallen sollen. Hund in der Hand: Auch das N3DS-Spiel «Nintendogs & Cats» verwendet AR-Karten, um die schnuckligen digitalen Haustiere in realer Umgebung auftauchen zu lassen.

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Die Kämpfer schenken sich nichts. Knochen knirschen – ein Kampf bis aufs Blut. Die Klopperei findet allerdings nicht in einer computergenerierten Arena eines Beat’em-Up-Games statt, sondern direkt vor meinen Augen auf dem realen Esstisch. Zwischen Tellern, Besteck und Kerzenständern lasse ich die Kämpfer aufeinander los; sie geben sich Saures neben Spaghetti und Parmesankäse. Künstlich erzeugte Spielfiguren und reale Objekte vermischen sich auf perfekte Weise – inklusive Schattenwurf.

Das Kampfspiel «Reality Fighters» für die neue mobile Spielkonsole PlayStation Vita ist das jüngste Beispiel dafür, wie Augmented Reality (kurz AR) die Grenzen des virtuellen Raums aufbrechen kann. AR, zu Deutsch «erweiterte Wirklichkeit», ist nichts Brandneues: Die Integration der realen in die digitale Welt wurde bereits mit der Playstation 2 und der EyeToy-Kamera versucht. Die AR beschränkt sich zudem nicht nur aufs Optische: Das Spiel «Dimensions» beispielsweise verändert je nach Ort, Lärmpegel und Lage eines Smartphones die Musik, die ein Spieler hört. Am eindrücklichsten jedoch ist der visuelle Effekt.

Der Trick ist so simpel wie genial: Während die Kamera eines Spielgerätes die reale Umgebung filmt und am Bildschirm darstellt, fügt ein Game wie «Reality Fighters» die digital generierten Figuren in diese Landschaft ein. Solange der Spieler auf den Bildschirm schaut, sieht er eine von Kunstfiguren bevölkerte reale Welt.

Fast 20 Jahre Forschung

Der Überraschungseffekt entsteht durch die Platzierung: Die digitalen Objekte erscheinen nicht einfach irgendwo im Bild, sondern räumlich korrekt auf der realen Oberfläche. Damit der Effekt zustande kommt, benötigen derzeit die meisten Spiele noch einen sogenannten Marker: Das heisst eine Karte mit aufgedrucktem Barcode oder einem anderen codierten Symbol wird von der Kamera des Handys oder der Spielkonsole gefilmt, worauf das Spiel die Information entschlüsselt und das digitale Objekt an dessen Stelle zeigt.

Bereits 1994 hatte Sony laut eigenen Angaben in seinen Computer Science Laboratories mit der Forschung an der Augmented Reality begonnen. Daraus resultierte 2007 das erste grosse AR-Game: «Eyes of Judgment». Das Strategiespiel benötigte die erwähnten Markerkarten, um ein reales Spielbrett und digitale Figuren miteinander zu vermischen. Zwar war «Eye of Judgement» mit rund 300 000 verkauften Spielen kein Erfolg, brachte aber einen Zug ins Rollen, auf den die Konkurrenz aufsprang: Microsoft veröffentlichte mit Kinect ein eigenes System, um reale und digitale Welt zu vermischen, und mit der portablen Konsole N3DS brachte Nintendo Anfang 2011 ein Spielgerät heraus, dass die AR ebenfalls schon in sich trug. Spiele wie «Nintendogs & Cats» oder «Tetris 3DS» vermischen mit Hilfe von Markern ebenfalls reale Aufnahmen eines Raums mit den digitalen Spielinhalten.

Die nächste Generation

Mit der PS Vita hält nun die nächste AR-Generation Einzug ins Gameuniversum: SmartAR. Die ebenfalls von Sony entwickelte Technologie kann auf die Marker-Karten verzichten. Stattdessen erkennt und analysiert sie reale Objekte wie Tische, Stühle und Möbel und kann, wie anhand von «Reality Fighters» beschrieben, digitale Figuren räumlich korrekt darauf darstellen. Was die neusten Games noch nicht erkennen, ist das Ende eines Tisches. Die Kämpfer klopfen sich über den Tischrand hinaus auf die Rübe.

Bald dürfte jedoch auch dieses Problem gelöst sein: Bereits im Mai 2011 präsentierte Sony, wie digitale Bälle über die Kanten einer realen Tischplatte rollten und runterfielen. Da die brandneue Technologie auch in der PS Vita steckt, dürften in naher Zukunft Games erscheinen, die unser Hirn auf noch faszinierendere Weise auf die Probe stellen.

Sony demonstriert SmartAR


(Quelle: YouTube)

Das AR-Spiel «ARhrrrr!»


(Quelle: YouTube)

Trailer «Reality Fighters»


(Quelle: YouTube)

Findige Japaner bauen einen Riesen-Mii:


(Quelle: YouTube)

(jag)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • dani am 21.02.2012 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    für die film industrie mag das ja der hammer sein, jedoch gaming sehe ich da nicht so ganz.

  • Marco am 21.02.2012 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Innovativ

    Interessant. Ich warte jedoch noch auf das Holodeck für zu Hause.

    • Anna Meier am 21.02.2012 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hach!

      So eins habe ich schon, es nennt sich "Realität"

    • Miss Molly am 21.02.2012 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Game

      Ich auch !!!! Tolles Ding !!! Molly grüßt

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