Spielplatz Schweiz

11. Januar 2016 18:40; Akt: 11.01.2016 18:40 Print

«Die Zeit des Bastelns ist vorbei»

von J. Graber - Für Schweizer Game-Entwickler steht 2016 einiges auf dem Spiel: Sie müssen beweisen, dass sie nicht nur schöne Spiele machen, sondern auch unternehmerische Visionen haben.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Um fehlende Aufmerksamkeit konnte sich die Schweizer Game-Entwicklerszene vergangenes Jahr nicht beklagen. Internationale Awards, kommerzielle Erfolge und die mediale Wahrnehmung haben gezeigt, dass das einheimische Schaffen auf dem Erfolgsweg ist. Awards und Wahrnehmung sind gut für die Seele, nicht aber die Butter auf dem Brot.

«Wer nicht mit unternehmerischer Vision und einem funktionierenden Businessplan auftritt, hat zukünftig kaum mehr Chancen», sagt Sylvain Gardel, Leiter des Impulsprogramms der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, die das Gameschaffen substanziell unterstützt. Wo früher künstlerische Spiele von Mini-Teams im kleinen Kämmerchen erschaffen wurden, dient der Idealismus heute allein dem Ego.

Wenig Akzeptanz

Matthias Sala, Präsident der Swiss Game Developers Association (SGDA), sieht es ähnlich: «Die Schweizer Studios müssen dieses Jahr beweisen, dass sie sich nachhaltig entwickeln und überleben können.» Der Druck sei durch die Demokratisierung der Game-Entwicklung höher geworden; wegen billigeren Entwicklungstools gibt es immer mehr Mitbewerber, die auf den Spielplatz drängen. «Die SGDA setzt sich dieses Jahr verstärkt für politische Rahmenbedingungen, Professionalisierung durch die Förderung von Know-how und den Nachwuchs sowie für die Sichtbarkeit einer starken Schweizer Game-Branche ein», sagt Sala.

In der gesellschaftlichen Akzeptanz ist jedoch der Wurm drin. Zwar ist bei Politikern das Bewusstsein für die Bedeutung der Gameindustrie gewachsen und das letztjährige Postulat der SP-Politikerin, das derzeit im Bundesrat bearbeitet wird, dürfte dieses Jahr erste Auswirkungen zeigen. Zudem steht für die Gameförderung von Pro Helvetia im neuen Jahr «substanziell mehr Geld» zur Verfügung. Und für zusätzliche öffentliche Gelder soll ein Antrag der SGDA sorgen: Der Verband hat im Zuge der Umwandlung der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) zur Innosuisse gefordert, dass künftig auch Games als Innovationsträger anzuerkennen seien. Trotzdem fehlt hierzulande der Glaube an die Schweizer.

Schweizer PS4-Games

Nicht so jenseits des Atlantiks. «Schweizer Entwickler kriegen heute Termine bei Apple», weiss Gardel. Der Stellenwert von Schweizer Game-Entwicklern ist in den USA längst erkannt worden. Auch Indien erweise sich als spannendes Land für Kooperationen; erste Kontakte wurden schon geknüpft. Als eines der wichtigsten Werkzeuge fürs Marketing sieht Gardel nach wie vor Gamemessen, wie die Games Developers Conference in San Francisco, die Gamescom in Köln oder das Gamefestival Ludicious in Zürich, zu dem hochrangige Businesscracks anreisen. An den Messen können die Entwickler ihre Arbeiten vorstellen und Kontakte knüpfen.

Eine Chance für Schweizer Games sieht Sala bei Konsolen wie der Xbox One und der PS4. Er vermutet, dass heuer erste Schweizer Games dafür erscheinen werden. Vor allem bei Virtual-Reality- und Augmented-Reality-Technologien seien die Schweizer vorne dabei, sagt er. Dies bestätigt auch Sylvain Gardel: In der Westschweiz habe sich ein regelrechtes Biotop von herausragenden VR-Entwicklern etabliert. Westschweizer Studios wie Apelab und Artanim wurden beispielsweise ans Sundance Film Festival eingeladen, um ihre VR-Technologien vorzustellen. Sylvain Gardel schliesst: «Wir müssen die starke Ländermarke ‹Swiss› auch im Gamebereich nutzen und sie um Swiss Games ergänzen.» Und fügt an: «Die Zeit des Bastelns ist vorbei.»

Im Fokus: «Sequenced» von Apelab

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.V. am 11.01.2016 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super! :-)

    Finde es cool das die Spiele-Branche in der Schweiz ein Gesicht bekommt!

  • Corador am 12.01.2016 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel des lobes

    wie die schweizer game industrie hier immer gelobt wird, dabei haben sie noch nie was halbwegs schlaues rausgebracht. ich denke wir sollten realistisch bleiben und uns wieder einmal bewust werden das wir in diesem mettier noch ziemlich üble anfänger sind.

  • Peter Imhof am 11.01.2016 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irrtum

    Der Landwirtschafts-Simulator (Schweizer Entwicklung) ist bereits seit längerem für PS4 und XBoxOne erhältlich. Dieser Simulator ist auch sonst auf nahezu allen Platzformen released worden..

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark Schönenwerd am 12.01.2016 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sind die Game-Artikel hier sponsered?

    Mich beschleicht bei jedem neuen lobhudelnden Artikel über die achso geniale schweizer Gamingindustrie von neuem das Gefühl, dass hier jemand versucht "sponsered content" zu platzieren. Normalerweise ist der hier aber entsprechend gekennzeichnet. Fuss fassen kann diese Industrie ausschliesslich auf zwei Arten: AAA-Game entwickeln oder völlig neue Spielidee erfinden. Die Bildstrecke zeigt keine Games, sondern höchstens Handy-Apps.

  • r.z am 12.01.2016 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AAA Games ohne DLCs?

    Mit so kleinen Games kann man kein Geld verdienen, da es keine DLCs und Vorbestellerbonus (im Businessplan) gibt. Die grossen Hersteller bestehen aber darauf! Nur so können sie uns Gamer richtig melken. Bis eine Schweizer Firma an einem AAA Game arbeitet, werden noch viele IndiGames heraus kommen. Landwirtschats-Simulator, genau so sehen uns die grossen Hersteller...

  • Simi am 12.01.2016 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Low Budget Nieschenprodukt

    Würde man keine Artikel mehr über Indie-Games schreiben könnte man es mit der Berichterstattung über die Schweizer "Gameindustrie" gleich ganz lassen. Wie vorherige Kommentatoren geschrieben haben wird kein für den Internationalen Markt relevantes Spiel entwickelt. Vereinzelt sind wohl Schweizer an Ausländischen AAA Produktionen beteiligt, aber selber wird wohl nie ein solcher Titel in der Schweiz produziert werden, da es keinen Investor gibt der einen zweistelligen Millionenbetrag in ein nicht existierendes Studio einschiesst.

    • r.z am 12.01.2016 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Simi

      Ein AAA Titel kostet wohl eher einen dreistelligen Millionenbetrag. Das teuerste war wohl Destiny 500mil. Da kosten Hollywoodfilme heute weniger. Kein Millardär der paar Millionon riskieren will hier in der Schweiz? :)

    einklappen einklappen
  • patrick h. am 12.01.2016 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    keine games

    Das sind keine Games. Das sind irgendwelche Mobile-Daddel-Apps.

  • Tanzlehrer am 12.01.2016 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Industrie ?

    Die Zeit des Bastelns ist erst dann vorbei, wenn jemand das Risiko eingehen würde mal Millionen Franken im zweistelligen Bereich in so ein Projekt zu stecken, damit gleichzeitig ein Game und ein Kinofilm produzieren würde, die dann die Produktionskosten hoch zwei wieder in die Kasse einspielen. Dann ist die Zeit des Bastelns vorbei und dann dürfen sie das Ganze Industrie nennen vorher nicht.

Sudoku
Kreuzwortraetsel
Bubble Shooter